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Neue Welten - Kapitel 8

Prompt: h/c – Joker (Traumatisches Erlebnis, Sommerchallenge 2015) (Päckchen 11 fürs Supersuperteam)
Team: alle
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: AU, h/c
Länge: ~ 850 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten
A/N: Als ich die Szene das erste Mal im Kopf hatte, war sie schöner … aber leider bin ich erst mit Abstand zum Schreiben gekommen, und jetzt ist sie nur noch so.


< hier ist Kapitel 7

***

Er wartet eine halbe Ewigkeit, oder eine ganze. Irgendwann kommt Krusenstern mit einer Tasse Kaffee vorbei und überredet ihn, etwas zu trinken. „Er schafft das“, sagt Frau Haller, und er weiß nicht genau, wen sie meint – seinen Vater, oder Boerne, oder beide? Der Kapitän klopft leise an, ganz anders, als es sonst ihre Art ist, und fragt: „Wissen Sie schon etwas?“

Und dann kommt endlich Boerne. Noch im Kittel, nicht mehr so blaß wie vor einer halben Ewigkeit, als sie sich an der Andockstation gesehen haben, sondern mit Ringen unter den Augen und einem Lächeln im Gesicht. „Es sieht gut aus. Ich will mich ja nicht selbst loben, aber ich glaube, er schafft es.“

Man hätte erwarten sollen, daß ihm da ein Stein vom Herzen fällt, aber stattdessen steigen ihm die Tränen in die Augen und er braucht eine ganze Weile, bis er endlich reden kann. „Darf ich zu ihm?“

„In ein paar Minuten.“ Boerne berührt ihn leicht an der Schulter. „Wir verlegen ihn gerade in die Intensivstation.“

Er nickt.

„Wollen Sie wissen …?“

„Später.“ Er kann jetzt nicht zuhören. Das ist zu viel, es reicht ihm zu wissen, daß alles wieder gut werden wird.


***


Aus den paar Minuten wird eher eine halbe Stunde, aber dann sitzt er tatsächlich bei Herbert und sieht zu, wie sich sein Brustkorb hebt und senkt. Langsam, aber regelmäßig. Er wird noch eine Weile schlafen, das hat Boerne ihm noch gesagt, bevor er gegangen ist um sich umzuziehen. Und sich ein bißchen zu erholen, das hofft er wenigstens.

Er schafft es.

Vorsichtig greift er nach der Hand, die ihm am nächsten liegt. Als könnte er seinem Vater wehtun, was Quatsch ist, wo doch vor allem das Bein was abgekriegt hat und der Kopf. Herbert reagiert nicht, aber er hält die Hand trotzdem weiter.

Irgendwann hört er, wie die Tür hinter ihm leise geöffnet wird. Er dreht sich nicht um, er ahnt sowieso, wer das ist. Boerne setzt sich neben ihn und er sieht aus dem Augenwinkel, daß der andere einen frischen Arztkittel trägt. Immer noch im Dienst. Er kann gar nicht sagen wie froh er ist, daß Boerne wie immer in der gleichen Phase ist wie er, egal woran das liegt. Mag sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ein anderer Herbert in Empfang genommen hätte. Jemand, der vielleicht nicht verstanden hätte, daß er jetzt bei Herbert sein muß.

„Was ist mit seinem Kopf?“ fragt er schließlich doch, denn das ist das, was ihm am meisten Angst gemacht hat. Nicht so sehr das Blut, sondern daß Herbert nicht mehr reagiert hatte. Von Boernes Antwort versteht er natürlich nur die Hälfte, bis Boerne irgendwann sagt „Also um es zusammenzufassen – Ihr Herr Vater hat einen gewaltigen Dickschädel, und zwar nicht nur im übertragenen, sondern in dem Fall auch im ganz wörtlichen Sinn, er –“

Er lacht. Er muß ganz furchtbar lachen, weil er wieder Herbert vor sich sieht, wie er versucht, so viele Probenbehälter wie möglich zu greifen, der sture Hund, der verdammte, und er versucht noch Boerne zu erklären, was so komisch ist, aber er kann nicht reden vor lauter Lachen, er lacht, bis ihm die Tränen kommen und immer weiter, bis es irgendwann eher ein Schluchzen als Lachen ist. Boerne hält ihn fest, er weiß gar nicht, wann das passiert ist, er hält ihn, bis er wieder ruhiger wird.

„Als die Meldung kam –“ Boernes Stimme bricht ab und seine Arme schließen sich noch ein wenig fester um ihn.

„Ich weiß.“ Es ist das erste vernünftige Wort, das er wieder rauskriegt. „Es tut mir leid.“

Boerne schüttelt den Kopf. Vielleicht nickt er auch, das läßt sich nicht so wirklich gut unterscheiden. Er weiß sowieso, was der andere sagen will. Nur ein Mißverständnis. Daran ist niemand schuld. Aber es tut ihm trotzdem leid. Mit Sicherheit wird er im Leben nie vergessen, wie Herbert da gelegen hat, aber gleich danach kommt der Ausdruck auf Boernes Gesicht, als er aus der Fähre gekommen ist.

Für einen Moment bleiben sie so. Es ist warm und sicher und er ist auf einmal so schrecklich müde, daß er hier und gleich einschlafen möchte. Aber er muß auch dringend seine Nase putzen und kann sich schon lebhaft vorstellen, was Boerne ihm dazu erzählen würde, wenn er seinen Kittel dafür benutzt. Also löst er sich widerwillig und kramt in seinen Taschen nach einem Taschentuch, bis Boerne ihm eins vors Gesicht hält.

„Danke.“ Er schneuzt sich und wischt sich mit dem Ärmel über die Augen und schaut zu Herbert, der immer noch ganz friedlich schläft. „Ist es O.K., wenn ich bei ihm bleibe, bis er aufwacht?“

„Natürlich. Er wird durchgehend überwacht, aber Sie können so lange hier bleiben, wie Sie wollen. Ich muß jetzt allerdings, auf mich wartet noch Arbeit.“

Da ist Boernes Hand wieder, an seiner Schulter, und … Thiel blinzelt überrascht. Aber nicht so überrascht, daß er zusammengezuckt wäre, so normal hat sich das angefühlt. So selbstverständlich und richtig.

Die Tür schließt sich wieder, so leise, wie sie sich vorhin geöffnet hat.

Herbert atmet.


* tbc *



> hier geht's zu Kapitel 9
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: alternate universe, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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