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Neue Welten - Kapitel 9

Prompt: Romantik/Intimität – Flaschenpost (Päckchen 12 fürs Supersuperteam)
Team: alle
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: AU, Slash
Länge: ~ 1000 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten
A/N: Ich stecke in der Gegenwart fest – aaaaaaahhhh! Ich hoffe, ich komme da nochmal raus, dann wirkt es irgendwie künstlerisch, daß ein paar Kapitel im Präsens geschrieben sind. Ansonsten muß ich einfach zugeben, daß ich irgendwann umgekippt bin und nicht mehr zurückgefunden habe …

< hier ist Kapitel 8

***


Zwei Wochen nach Herberts Unfall macht er etwas, was er schon ewig nicht mehr getan hat. Er nimmt eine Flaschenpost für seinen Sohn auf. Eine Audio-Transmission, um es korrekt zu benennen, Flaschenpost ist nur der Name, den sie den Dingern gegeben haben, weil ihre Chance, den Empfänger zu erreichen, ungefähr so groß ist wie die einer Flaschenpost damals auf der Erde. Und je weiter sie sich von M-209156 entfernen, desto unwahrscheinlicher wird es, daß die Transmission ihr Ziel erreicht. Andererseits kommen immer noch gelegentlich, wenn auch sehr selten, Nachrichten von M-209156 an. An den Codenummern der offiziellen Kommunikation sieht man, daß inzwischen noch 0,0172 % der Nachrichten durchkommen. Also vielleicht doch ein wenig besser als ein Zettel, den man in eine Flasche steckt und ins Meer wirft. Zumal private Nachrichten kodiert sind und man einigermaßen sicher sein kann, daß nur der Empfänger sie lesen wird. Nicht, daß es irgendein Alien interessieren würde, was er seinem Sohn zu erzählen hat, das kann ihm also auch ganz egal sein. Er braucht trotzdem drei Anläufe, um zu starten, denn es ist nicht nur ewig her, daß er die letzte Nachricht für Lukas aufgenommen hat, es ist noch länger her, seit er seinen Sohn zum letzten Mal gesehen hat. Siebzehn Jahre ist er jetzt alt, beinahe erwachsen. Ein komplett anderes Wesen als der Achtjährige, den er gekannt hat.

Er beginnt mit Herbert, das ist das einfachste. Du kennst deinen Opa ja. Aber kannst du dir vorstellen, daß er allen Ernstes für ein paar botanische Proben sein Leben riskiert? Vermutlich konnte er das. Enkel und Opa waren sich gar nicht so unähnlich gewesen, und wenn Lukas sich in die Richtung weiterentwickelt hatte … Das Ding hättest du sicher cool gefunden. Sah fast aus wie ein Dinosaurier, aber ich sag‘ dir, so was willst du im echten Leben lieber nicht treffen. Autsch. Aus der Dino-Phase war Lukas inzwischen sicher längst raus. Andererseits war es schon eine beeindruckende Begegnung gewesen, auf keinem der Planeten, die sie bisher besucht hatten, hatten sie annähernd weit entwickeltes tierisches Leben angetroffen. Und auf M-209156 gab es gerade mal Bakterien und Algen. Herbert geht es jedenfalls schon wieder besser. Kapitän Klemm – erinnerst du dich noch an den Kapitän? Also, sie hat ihm jedenfalls ordentlich den Kopf gewaschen. Wenn du dich noch an sie erinnerst, kannst du dir vorstellen, wie das rund ging. Ich glaube, so was Dummes macht er nie wieder, sonst läßt sie ihn nie wieder mit einem Außenteam raus, das war ganz schön deutlich.

Er schaltet das Aufnahmegerät ab. Wie er den Rest erzählen soll, weiß er immer noch nicht so genau. Aber vielleicht ist das wie ja auch gar nicht so wichtig. Ich wüßte gerne, wie es dir geht. Wie du inzwischen aussiehst. Du fehlst mir, denkt er. Und sagt es nicht, das sagt er nie in seinen Nachrichten und Lukas auch nicht, weil es keinen Sinn hat so etwas zu sagen, wenn man es doch nicht ändern kann. Ich habe an deinem Geburtstag an dich gedacht. Jetzt bist du schon fast erwachsen. Interessierst du dich immer noch für Ingenieurswesen? In der letzten Nachricht, die er von Lukas erhalten hat, hat er das erzählt. Aber das ist jetzt auch schon wieder mehr als zwei Jahre her. Warst du schon das erste Mal verliebt? Vermutlich, wenn der Junge nach Herbert kam. Wenn er nach ihm kam, vermutlich noch nicht, er war in der Hinsicht ein ziemlicher Spätzünder gewesen. Und dann redet er weiter, vielleicht hört ihn Lukas ja, eines Tages, und versteht ihn.

Bei mir hat sich was geändert. Du hast ja gefragt, ob ich auch wieder eine Freundin habe, so wie Mama und Stefan. Oh Gott, das war mindestens schon vier Jahre her, daß er das gefragt hatte, und die Wortwahl würde Lukas heute bestimmt nicht mehr benutzen, viel zu uncool für einen Siebzehnjährigen. Er überlegt kurz, den letzten Satz zu löschen und neu anzufangen, aber vermutlich kriegt er das doch nicht besser hin. Also, jedenfalls, ich denke, ja. All die dummen Bemerkungen von Herbert, die er immer beiseite geschoben hat. Und trotzdem hat er seine Schichten nie umlegen lassen, das hätte er ja auch tun können. Und dann … Wir haben noch nicht wirklich darüber geredet, aber ich glaube, es geht uns beiden so. Boerne hat ihn geküßt. Da an Herberts Bett vor zwei Wochen. Er hat kein Problem damit, sich zu erinnern, die Szene spielt sich zu allen passenden und unpassenden Momenten in HD vor seinem inneren Auge ab, inklusive aller sonstigen Sinneswahrnehmungen. Boerne hat ihn geküßt, einfach so. Nicht auf den Mund zwar, aber … ein Kuß bleibt ein Kuß. Wenn er sich konzentriert, kann er immer noch Boernes Lippen an seiner Schläfe spüren. Da war nichts Erotisches dabeigewesen, und das ist vielleicht das, was ihn am meisten umgeworfen hat. Das war die Art Kuß, die man einem langjährigen Ehepartner gibt. Die Art Kuß, die beide vergewissert, daß alles O.K. ist. So weit ist er inzwischen gekommen, er hat ja lange genug Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Das jetzt in Worte zu fassen, ist aber immer noch schwer. Weißt du, wir sind schon lange … gute Freunde. Vielleicht sind wir schon viel länger Partner, und ich hab‘ das erst jetzt so richtig gemerkt. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an … Das tut es allerdings. Er schneidet eine Grimasse und ist ausnahmsweise froh, daß er hier nur eine Audionachricht aufnehmen kann. Aber eigentlich ist das ganz gut so. Wenn man sich kennt und mag, bevor … man sich verliebt.

Seine Aufnahmezeit geht rapide dem Ende zu, und er macht es kurz. Hofft, daß Lukas die Nachricht erhalten wird. Daß es ihm gut geht. Nennt die Nummer der letzten Nachricht, die er von Lukas bekommen hat. Sagt, daß er nie die Hoffnung aufgibt von ihm zu hören, aber daß er weiß, wie schwierig und unwahrscheinlich es ist, daß ihn noch eine Nachricht erreicht. Sagt, daß er ihn liebt. Und dann kommt das Piepen, das das Ende der Nachricht anzeigt. Er schickt eine große Zahl von Kopien los über einen Zeitraum von einer Woche – weil er schon so lange nichts mehr geschickt hat, kann er sich das leisten. Vielleicht kommt sie ja durch.

Zwei Wochen hat er das aufgeschoben, mit Lukas zu reden. Jetzt muß er nur noch mit Boerne reden.


* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: alternate universe, g: slash, p: thiel / boerne
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