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Anklopfen

Prompt: Romantik/Intimität: Joker (Inspiration - Weight von servena: "The pain has become such a part of his life that sometimes he forgets about it. Sometimes it feels like he has always lived this way, with this ache deep inside his chest, the heavy weight of his heart.")
Team: Enterprise
Fandom: Cobra Kai
Rating: P 12
Genre: Freundschaft, möglicherweise Pre-Slash
Handlung: Er muß sich wirklich angewöhnen, anzuklopfen, bevor er diese spezielle Tür öffnet.
Länge: ~ 900 Wörter
Zeit: 90 Minuten
A/N: Der erste Text seit Monaten, in einem neuen Fandom, das ich noch dazu auf englisch schaue. ich bin froh, daß es überhaupt was geworden ist ;)

***

Er muß sich wirklich angewöhnen, anzuklopfen, bevor er diese spezielle Tür öffnet. In seinem eigenen Dojo sollte er nicht anklopfen müssen, aber andererseits hätte er sich so so manche peinliche Szene erspart, bei der Teenager in unterschiedlichen Stadien der Entkleidung auseinanderspringen. Und wenn er bisher dachte, er hätte mit Sam und Miguel das schlimmste gesehen, schlimmer könne es gar nicht kommen - diesmal ist es noch schlimmer.

"Carmen?"

"Daniel." Sie lächelt ihn verlegen an. "Ich war gerade dabei mich zu verabschieden."

Johnny räuspert sich. Daniel schaut stur geradeaus, zu Carmen. Das ist ganz eindeutig das kleinere Übel als Johnny, die Haare ganz zerwühlt, und ... nein, er schaut lieber zu Carmen.

"Meine Schicht -", sie schaut auf ihr Handgelenk, "- fängt in zwanzig Minuten an."

Den Rest versteht er nicht, und er vermutet, Johnny versteht auch nicht viel, aber eines versteht er doch. Mi amor. Und dann huscht sie auch schon an ihm vorbei und ist aus der Tür, bevor er noch etwas sagen kann, und er ist allein mit Johnny, mit dem er sich heute morgen hier treffen wollte, um den Unterricht zu planen. Johnnny ist überraschend gewissenhaft, was das angeht. Viel gewissenhafter, als er das vermutet hätte. Daß er eine halbe Stunde zu früh hier sein würde, damit hatte er dennoch nicht gerechnet.

"Der Wagen ist in der Werkstatt", sagt Johnny.

"Ah." Er gibt sich einen Ruck. Es ist ja nicht so, als hätten die beiden ... und selbst wenn. Beide sind erwachsen, beide ungebunden, und Carmen ist vermutlich das beste, was Johnny seit Jahren passiert ist. Er sollte sich freuen, jetzt, wo sie so etwas wie Freunde sind. Und das tut er auch, er mag Carmen, sie ist ein toller Mensch. Aber gleichzeitig ist da diese Schwere, als wollte sein eigenes Herz ihn zu Boden ziehen. Dieses Gefühl, das er immer wieder hat, wenn er mit Johnny zusammen ist, und seit sie zusammenarbeiten, ist es nur noch schlimmer geworden. Davor hat er sich schon fast daran gewöhnt, weil es fast immer da ist, wenn er den anderen sieht, manchmal sogar, wenn er nur an ihn denkt. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie. Es fällt sogar Johnny auf, der ihn schon ganz komisch ansieht, oder wird er jetzt paranoid? Vermutlich schaut der andere so komisch, weil er so einsilbig ist; wie lange steht er jetzt eigentlich schon hier mit dem neuen Bonsai in der Hand und sagt nichts? "Ich wußte gar nicht, daß es so ernst ist mit euch beiden. Seit wann ..."

Jetzt guckt Johnny verlegen zur Seite. "Ein paar Wochen." So als wäre das keine große Sache. Aber er könnte wetten, daß es eine große Sache ist, daß Johnny genau weiß, wieviele Wochen, Tage und Stunden das alt ist. Und da ist sie wieder, diese Schwere, die ihn zu Boden ringen will.

"Schön. Das ist schön." Seine Stimme klingt irgendwie schrill und falsch in seinen Ohren, obwohl er es genauso meint. "Weiß Miguel ... Ich meine, ist das -"

"Ich glaube, er kann es sich denken." Johnny sieht jetzt definitiv noch verlegener aus. "Wir ... also, geredet haben wir noch nicht drüber."

"Klar." Er stellt den Bonsai ab und bereut es in der nächsten Sekunde, weil er jetzt nichts mehr hat, um seine Hände zu beschäftigen. "Das ist doch alles wunderbar. Ganz wunderbar. Wir sollten mal wieder ausgehen zusammen, Amanda würde sich freuen. Ich meine, das ist doch wirklich ein Grund zu feiern, oder? Wir -"

"Ich mag sie wirklich sehr."

"Natürlich." Hände. Verdammt. Er steckt eine Hand in die Hosentasche, dann kann wenigstens nur noch eine gestikulieren. Balance, von wegen. Manchmal fragt er sich, was er eigentlich getan hat die letzten Jahrzehnte, warum Johnny Lawrence ihn immer noch so mühelos aus der Balance bringen kann. Atmen. Leicht gesagt, wenn man an einem so schönen Morgen komplett ohne Vorwarnung -

"Aber sie ist nicht der einzige Mensch, der mir wichtig ist."

Er nickt. Selbstverständlich. Miguel. Robby. Vermutlich sogar Shannon. Und natürlich Ali. Das war ja nicht zu übersehen gewesen auf der Weihnachtsfeier im Club, wie nah die beiden sich immer noch waren, und das nach all diesen Jahren. Und dann schaut er auf, und Johnny sieht ihn an mit einem ganz merkwürdigen Blick. Nicht der einzige Mensch. Die Worte klingen in seinen Ohren nach. Nicht der einzige. Mit einmal ist die Schwere weg, ganz leicht fühlt er sich plötzlich, ganz ... er kann gar nicht sagen, wie. Und gleichzeitig ziemlich albern, weil sie hier stehen wie in einer Seifenoper und bedeutungsschwangere Sätze austauschen. Ist das das ganze Teenage-Drama um sie herum, das ansteckend ist? Oder liegt es daran, daß er sich jedesmal, wenn er mit Johnny zusammen ist, gleich 30 Jahre jünger fühlt, genauso emotional und leicht aus der Ruhe zu bringen wie damals? Und gleichzeitig fragt er sich, wie das passieren konnte, wann das passiert ist, wann Johnny, ausgerechnet Johnny Lawrence, so reif geworden ist, daß er so etwas tatsächlich ausspricht, ohne einen Witz draus zu machen.

"O.K.?"

"O.K." Er ist fast erleichtert, als Johnny den Blickkontakt unterbricht, bevor er noch etwas ganz dummes sagt. Oder tut. Und dann macht er einfach da weiter, wo er stehen geblieben war, bevor er die Tür geöffnet hat, bevor das alles passiert ist.

"Ich dachte, wir sollte heute wieder mehr Meditationseinheiten einbauen ins Training. Was wir brauchen, ist -"

"- mehr Schlagkraft! Meditieren können die, so viel sie wollen, sobald wir das Turnier gewonnen haben!"

Er wirft die Hände in die Luft, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber jetzt fühlt sich das wieder ganz richtig und normal an. "Johnny, wir waren uns doch einig, daß ..."
* Blende*
Tags: !120 minuten, f: cobra kai, g: fanfic, g: slash
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