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Nach dem Kampf

Prompt: h/c - PTSD
Team: Enterprise
Fandom: Cobra Kai
Rating: P 12
Genre: Freundschaft, h/c, Episodenbezug: "December 19"
Handlung: Es ist für sie beide nicht leicht.
Länge: ~ 1000 Wörter
Zeit: 110 Minuten
A/N: Als ich das Prompt gesehen habe, habe ich sofort an Johnny gedacht. Beim Schreiben habe ich gemerkt, daß es nicht nur Johnny ist. (Außerdem habe ich mit der zeit gekämpft. Nach dem ersten Absatz wird es besser ...)


***

Er braucht ein paar Minuten, bis sich sein Kopf wieder klärt, aber dann ist er tatsächlich froh, daß Sam und Miguel in diesem Moment aufgetaucht sind. Es hat nicht viel gefehlt, und er hätte ... hätte er Kreese wirklich töten können? Die Wut war so groß gewesen, wie ein Ball aus Eis in seinem Magen seit dem Augenblick, in dem er nach Hause gekommen ist - sein Heim, verwüstet, seine Tochter, seine Schüler, verletzt. Er hat nichts anderes denken können als Kreese in seine Finger zu kriegen und ihm heimzuzahlen, was er ihnen, was er ihm angetan hat. Trotzdem war da noch ein Rest von Selbstkontrolle gewesen, bis er durch die Tür gestürmt war und Johnny gesehen hatte. Ihm war beinahe übel geworden bei dem Anblick, weil die Erinnerung an diese Szene nach dem All Valley Turnier mit aller Wucht zurückgekommen war. Johnny, im Würgegriff, die Rufe der anderen Cobra Kais, und wie ihm plötzlich bewußt wurde, daß Kreese dazu imstande war. Daß er wirklich dazu imstande war Johnny zu töten. Daß das wirklich passierte, vor seinen Augen, jetzt. Damals war er wie gelähmt gewesen, und wäre Mr. Miyagi nicht dagewesen ... das ist ein Gedanke, den er jedesmal wieder unterdrücken muß, wenn er sich an diesen Tag erinnert.

Was sie dazu gebracht hat, auf Kreeses Vorschlag einzugehen, kann er im Nachhinein selbst nicht mehr sagen. Er ist zu beschäftigt damit, das alles zu verarbeiten. Robby, der hinter Kreese steht. Sam, die Kreese die Stirn bietet, die Angst, die sie so lange im Griff hatte vergessen. Johnny. Der seinen Sohn ansieht, aber kein Wort sagt und er weiß einfach, daß er den anderen jetzt hier wegbringen muß.


***


Zurück zuhause hat Amanda die Situation schon wieder einigermaßen unter Kontrolle. Die Kinder sind verarztet, und wer dazu in der Lage ist, hilft beim Aufräumen. Er sieht Hawk und Demetri, die die Scherben des Glastisches zusammenfegen, während andere, die bei dem Kampf stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden, im schon fast wieder bewohnbaren Wohnzimmer zusammensitzen. Miyagi-Do und ehemalige Cobra Kais aus Johnnys neuem Dojo bunt gemischt. Amanda lächelt ihm zu, als er zur Tür hereinkommen, und dann fällt ihr Blick auf Johnny und wird ernst.

"Alles in Ordnung?" Sie beugt sich vor und küßt ihn auf die Wange. "Was ...?"

"Später." Er lächelt oder versucht es zumindest. Unmöglich kann er jetzt erzählen, was passiert ist. Mit Kreese und vor allem mit Robby. Amanda hängt an Robby, es wird ihr das Herz brechen zu hören, daß Robby bei Kreese geblieben ist.

Amanda nickt nur, und dann sagt sie "Kümmerst du dich um ihn?" und ihm wird erst jetzt bewußt, daß Johnny kein Wort mehr gesagt hat, seit sie Kreese den Rücken gekehrt haben. Er ist ihm gefolgt, ja, er hat sich ohne Protest in Daniels Wagen verfrachten lassen und ist mit hierher gekommen, aber er hat kein Wort gesagt. Und als er jetzt zur Seite sieht wird ihm klar, warum Amanda so besorgt klingt. Äußerlich sieht er soweit in Ordnung aus, kein Blut, keine sichtbaren Verletzungen, von dem dunklen Schatten am Hals abgesehen. Aber das ist auch schon das einzige, was in Ordnung ist. Johnnys Blick geht starr in die Ferne, so als wäre er gar nicht hier. Oder nicht jetzt. Die Kinder sollten ihn so nicht sehen, Amanda muß das gar nicht sagen, das versteht er auch ohne Worte.


***


Er nimmt Johnny mit in ihr Bad, weg von dem Trubel im Wohnbereich. Hier gibt es auch einen Verbandskasten - Amanda zieht ihn immer auf, daß er Verbandszeug im Haus hat, um eine Armee zu versorgen, aber diesmal ist seine Neigung zur Übervorsichtlichkeit wirklich praktisch.

"Setz dich." Er muß Johnny leicht anstupsen, bis der ihn hört und reagiert.

"Wo hat er dich erwischt?" Johnnys Blick ist immer noch abwesend. "Johnny? Hast du Schmerzen?"

"Halb so wild."

Er berührt Johnnys Kinn, hebt es leicht an, um einen besseren Blick auf seinen Hals werfen zu können, und der andere zuckt zusammen. "Mir geht's gut."

"Ja klar." Miguel hat ihm erzählt, wie Johnny den Kopf gegen den Handtuchspender im Krankenhaus geknallt hat, um zu ihm in die Intensivstation zu kommen. Er weiß, daß Johnny hart im Nehmen ist, aber gesund ist das nicht. Und außerdem ... das eben war etwas anderes. Kreese hat ihn fast erwürgt. Ihm wird regelrecht schlecht bei dem Gedanken und für einen Moment befürchtet er, sich übergeben zu müssen. Er dreht sich um, stützt sich aufs Waschbecken ... Atmen, sagt Mr. Miyagis Stimme in seinem Kopf. Einatmen. Ausatmen. So ist es gut, Daniel-San. Die Übelkeit läßt langsam nach und er wäscht sich das Gesicht mit kaltem Wasser, bis er das Gefühl hat, sich wieder halbwegs unter Kontrolle zu haben.

"Daniel."

Es ist das zweite Mal, daß Johnny ihn bei seinem Namen nennt. Beim ersten Mal hat er gedacht, daß sich jetzt vielleicht wirklich etwas ändert, daß sie diesen alten Streit endlich beilegen. Jetzt hört er nur die nackte Verzweiflung und weiß instinktiv, an wen Johnny denkt.

"Er ist ein guter Junge. Er wird sich richtig entscheiden."

Als er sich wieder umdreht, hat Johnny den Kopf in seine Hände gelegt. Es ist schlimm, ihn so zu sehen, aber es ist immer noch besser als die Leere von eben. Das ist etwas, mit dem er umgehen kann. Trauer. Angst. Wut. Er versteht nur zu gut, was Johnny fühlt.

Das nächste, was er tut, ist auch instinktiv. Auch etwas, womit Amanda ihn gerne aufzieht, aber ja, er ist ein Umarmer. Vermutlich sind es seine italienischen Wurzeln, aber wenn er jemanden sieht, der leidet, umarmt er ihn. Johnny ist da definitv wie in so vielen Dingen sein exaktes Gegenteil - oder zumindest ist er kein Freund davon, umarmt zu werden. Präzisier gesagt: Von ihm umarmt zu werden. Aber im Moment ist er wirklich nicht mehr in der Lage, sich zu wehren. Und das ist gut so, denn er ist sich sicher, daß Johnny das jetzt brauchen kann, eine Umarmung. Und wenn er ehrlich ist, braucht er selbst das vielleicht sogar noch ein bißchen mehr.

Johnny weint wegen Robby, aber er ist froh, daß er weint, daß er da ist, daß er nicht losgezogen ist um zu trinken, daß er atmet, daß er lebt.


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: cobra kai, g: fanfic
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