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Missing Scene zu "Verschleppt" (Franz / Stefan)

Rating: P 12
Genre: good oldfashioned h/c / Freundschaft (denke ich ...)
Beta: ohne
Länge: ca. 900 Wörter
A/N:
Ich glaube fast, das ist mein erster veröffentlichter Text, den ich nicht zum Tatort Münster geschrieben habe ... Keine Ahnung, ob ich die zwei so gut getroffen habe. Für mich ist Deiniger definitiv der interessantere und tiefergehende Charakter. Wobei mir Kappl nicht unsympathisch ist - er kommt mir nur einfacher gestrickt vor - ganz gutwillig eigentlich und manchmal ein bißchen ungeschickt. Ich hoffe, das kommt so in etwa hin :)
Saarländisch zu schreiben ist ein Graus. Es gibt zwar DialektschriftstellerInnen, aber ich habe jetzt nicht nachgesehen, wie man einzelne Ausdrücke transkribiert, sondern einfach "nach Gehör" geschrieben. Ich hoffe, das liest sich halbwegs.
Achja, und ich habe die Handlung nur noch grob im Kopf, und der Bösewicht hieß natürlich nicht Müller - wenn sich jemand an den Namen erinnert, ändere ich das gerne :) Auch sonstige beta-Anmerkungen werden gerne angenommen.
<rant>Nach diesem unrühmlichen Abgang gestern bin ich übrigens sehr versucht, den beiden noch ein post-ep zu schreiben, in dem sie zu neuen - beruflichen - Ufern aufbrechen. Oder sowas. Ich finde, aus den Charakteren hätte man noch sehr viel mehr herausholen können - warum man die zwei ersetzen mußte, ist mir ein Rätsel. Daß Gregor Weber sich zunehmend nur noch wie der Dialekt-Depp gefühlt hat, kann ich aber gut nachvollziehen - dabei hätte Deiningers Figur echt Möglichkeiten geboten. :( </rant>



***


Wo war Stefan denn schon wieder hinverschwunden? Während die Kollegen um ihn herum ein Puzzleteilchen nach dem nächsten zusammensetzten, fragte er sich, wann er den anderen eigentlich zuletzt gesehen hatte. Der Fall war schlimm genug, auch ohne einen Kollegen, der bei jeder Gelegenheit ausrastete und andauernd Alleingänge unternahm. Irgendetwas stimmte in den letzten Tagen nicht mit Stefan. Natürlich war er oft ... aber doch nicht so. Franz hatte schon seit Tagen das Gefühl, auf den anderen aufpassen zu müssen. Und das kannte er normalerweise wirklich nicht.

  "Wir hatten diesen Rudolf Müller damals auch schon im Visier."

Die Aussage riß ihn aus seinen Überlegungen. Gleichzeitig verstärkte sich das ungute Gefühl, daß etwas nicht in Ordnung war. Franz ging kurz durch, was als nächstes zu tun war, und verteilte die Aufgaben. Er selbst würde erst einmal ...

  "Herr Kappl? Ich muß Ihne mol grad was zeihe."

  "Was?" Frau Braun zog ihn zur Seite und senkte die Stimme.

  "Das Haus hätt' eischentlisch domols schon durchsucht werre solle. Awwer irschendwie is das wohl ... vergesse worre." Er konnte merken, wie schwer ihr das fiel, und sah auf die Unterlagen, die sie herausgesucht hatte.

  "Wer war denn damals dafür zuständig?" Er wußte die Antwort schon, bevor er sie hörte.

  "De Stefan." Frau Braun sah ihn betrübt an. Schöne Scheiße. Da war ein Vernehmungsprotokoll, abgezeichnet von Stefan. Und ein Aktenvermerk zum weiteren Vorgehen. Und dann - nichts mehr. Er fuhr sich durch die Haare.

  "Danke. Ich ... kümmer mich drum."

  "Allee dann." Ein Klapps auf die Schulter - manchmal hatte er  das Gefühl, daß Frau Braun ihre mütterlichen Gefühle mittlerweile auch auf ihn ausgedehnt hatte. Meistens brachte ihn das zum Grinsen, aber jetzt konnte er tatsächlich ein bißchen Aufmunterung brauchen. Er nickte ihr zu und ging los. Wo Stefan war, konnte er sich inzwischen denken.


***


Er fand Stefan in Müllers Wohnzimmer. Die Kollegen suchten immer noch fieberhaft den Keller und die Umgebung des Hauses ab, aber Stefan saß einfach nur auf der Couch. Franz hätte sich selbst jetzt nicht als unglaublich sensibel eingeschätzt - aber die Verzweiflung war so deutlich zu spüren, als er den Raum betrat; man hätte blind und taub sein müssen, um das nicht zu bemerken. Kein Wunder, daß Stefan schon die ganze Zeit so dünnhäutig gewesen war. Er hatte mit der Zeit gelernt, daß der andere trotz seiner poltrigen und manchmal recht aggressiven Art emotionale Belastungen nicht unbedingt gut verkraftete. Und wenn das jetzt keine Belastung war, wußte er auch nicht. Er räusperte sich, aber Stefan reagierte nicht.

  "Was ist denn los? Ich such' dich schon die ganze Zeit." Das klang selbst in seinen Ohren eher vorwurfsvoll als hilfreich.  Vielleicht hätte er Rhea mitnehmen sollen - die hatte mehr Talent als er, mit solchen Situationen umzugehen. Und mit Stefan.

  "Stefan?"

  "Ich hann do gesitzt ... Ich hann do gesitzt unn denne Müller vernomme. Awwer e anner Spur war heißer, unn ... No zwei Woche is das im Sand verlaaf, awwer ich ... ich hann das Haus vergeß." Stefan schlug die Hände vors Gesicht. "Ich hann's eenfach vergeß."

  "Stefan ..." Er streckte die Hand aus, um den anderen zu berühren, und zog sie wieder zurück. Es war schwer, da etwas Tröstliches zu finden. Das war ein katastrophaler Fehler gewesen. Ein Kind war tot, und die anderen ... "Ihr hättet damals doch wahrscheinlich genauso wenig gefunden wie wir jetzt."

Stefan schien ihn nicht zu hören. Rationale Erklärungen halfen jetzt vermutlich auch überhaupt nicht weiter. Franz sah hilflos zu, wie der andere weinte - er hatte wirklich kein Talent für sowas. Vielleicht sollte er versuchen .. ach, verflucht. Er setzte sich zu Stefan und legte den Arm um ihn. "Das bringt doch jetzt nix. Der Fehler ist passiert, und das läßt sich nicht mehr ändern. Aber wir müssen jetzt weitermachen. Weitersuchen. Du kannst jetzt nicht einfach ... du mußt ..."

Er redete Unsinn, das war ihm klar.

  "Du mußt dich jetzt wieder zusammenreißen. Komm, Stefan. Denkst du, du bist der einzige, dem so ein Fehler schonmal passiert ist? Das kann doch jedem passieren ..."

Plattitüden, nix als Plattitüden. Er hätte Rhea mitnehmen sollen, dachte Franz resigniert. Er strich dem dem andern durch die kurzen Haare und hielt ihn noch ein bißchen fester. Dabei konnte er wenigstens nichts falsch machen.

  "Komm jetzt, Stefan, bitte."

Gottseidank. Stefan wurde endlich ein bißchen ruhiger und sein Atem ging wieder gleichmäßiger. Er hatte schon Angst gehabt, er müßte doch noch jemanden zu Hilfe rufen. Er strich über Stefans Rücken in der Hoffnung, das würde den anderen weiter beruhigen, bis der sich von ihm weg schob.

  "Wieder besser?"

  "Nein." Stefan klang heiser. "Awwer mir müsse weitersuche, du hast recht."

  "Gut." Er kramte in seiner Jackentasche nach einem Taschentuch. "Gut."

Stefan nahm das Taschentuch kommentarlos, und Franz sah verlegen zur Seite. Er war echt ein Idiot. Als wäre es schlimm, daß Stefan geweint hatte. Er hatte schließlich Grund genug.

  "Wie weit sinn dann die Kollegen?" Der Dialekt war schwächer geworden, ein sicheres Zeichen dafür, daß sich sein Kollege wieder mehr im Griff hatte.

  "Das erzähle ich dir gleich. Komm, laß uns erst mal hier raus." Er streckte Stefan die Hand entgegen und zog ihn von der Couch hoch. Er wollte raus aus dieser Wohnung und dieser beklemmenden Atmosphäre. Der andere nickte, und er streckte noch einmal die Hand aus. Rückte Stefans Brille zurecht und klopfte ihm nach kurzem Zögern ein wenig unbeholfen auf die Schulter.

  "Komm."

*** endet hier ***

Tags: f: tatort saarbrücken, g: fanfic, p: franz / stefan
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