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Wölfe sind Rudeltiere

Prompt: Corona – „Willst du bei mir einziehen?“
Team: Enterprise
Fandom: Ein Fall für zwei
Rating: P 6
Genre: Humor, Freundschaft oder Pre-Slash
Handlung: Von wegen einsamer Wolf.
Länge: ~ 600 Wörter
Zeit: ~ 40 Minuten
A/N: Ich musste schon länger überlegen, wann in Hessen Ausgangssperren bei hohen Inzidenzen waren. Ich meine, das war letzten Herbst / Winter.


***


Leo starrte trübsinnig auf den Main hinaus. Selbst auf der Promenade sah man weniger Menschen als üblich. Die Stadt war wie ausgestorben. Aber kein Wunder, wenn alles geschlossen war und das Wetter zu mies, um sich draußen aufzuhalten. Nur der ein oder andere Jogger zog vorbei, die üblichen Hundebesitzer auf Gassirunde und Lieferdienste auf dem Fahrrad. Und ab neun legte sich dann endgültig eine gespenstische Stille über die Stadt. Im Frühjahr hatte das alles ja noch ein gewisses Element der Spannung gehabt, aber jetzt … jetzt war es nur noch deprimierend.

Seufzend griff er nach seinem Handy. Nicht mal auf Facebook und Co. war noch was los. Im Frühjahr hatten plötzlich alle neue Hobbys entdeckt, angefangen zu backen oder zu gärtnern oder Yoga zu machen oder was auch immer, aber selbst das schien vorbei zu sein. Mehr aus Langeweile als aus irgendeinem anderen Grund klickte er Bennis Nummer an. Nicht, daß es gerade irgendwas zu tun gab. Und auf ein Bier konnte man sich auch nicht mehr treffen. Und eigentlich hatten sie heute auch schon dreimal telefoniert, aber –

„Was ist denn jetzt schon wieder?!“

Mann, der hatte ja mal wieder eine Laune. „Was machst du gerade?“ Leo lehnte sich zurück und legte die Füße auf den Tisch. „Ist dir auch so langweilig wie mir?“

„Ich –“, man konnte hören, wie Benni tief durchatmete. Mehrmals. „Ich meditiere, wenn du das genau wissen willst. Wenigstens würde ich das, wenn man mich nicht ständig unterbrechen würde.“

„Klingt langweilig.“

Benni seufzte. „Vielleicht solltest du auch mal irgendwas tun außer rumzusitzen und mich anzurufen.“

Leo seufzte. „Was denn? Ich zähl hier schon den Müll, der vorbeitreibt. Mir fällt echt die Decke auf den Kopf.“

„Geh raus. Bewegung an der frischen Luft –“

„Es regnet. Bindfäden.“

„Dann … lies halt mal was. Oder such‘ dir irgendein anderes Hobby.“

„Was man alleine machen kann?“

„Echt jetzt?“ Benni klang geradezu unverschämt erheitert, und er hatte keine Ahnung, was daran jetzt so witzig gewesen war. „Der Herr einsamer Wolf? Der niemanden braucht?“

„Wölfe sind Rudeltiere.“ Er hatte wirklich ziemlich viele Tierdokus gesehen in letzte Zeit. „Das müßtest du eigentlich wissen.“

Benni seufzte. „Ich find‘ das ja auch nicht mehr lustig. Außer der Verkäuferin beim Bäcker hab‘ ich seit drei Tagen keinen Menschen mehr gesehen. Und auch das nur mit Maske.“

Eine ganze Weile überboten sie sich noch mit den schlimmsten Auswirkungen der Pandemie, die sie in den letzten Tagen erlebt hatten, bis Benni irgendwann sagte: „Ich muß jetzt aber wirklich Schluß machen, ich hab‘ was im Ofen.“

„Kuchen?“

„Quiche.“

Leo schielte zur Uhr. Schon gleich sieben. Wenn er noch was zu Abend essen wollte, sollte er sich da auch so langsam drum kümmern. „Na dann … guten Hunger.“


***


Er war gerade dabei, Nudelwasser aufzusetzen, nachdem ihm eine kurze Hausdurchsuchung bestätigt hatte, daß außer Nudeln, Knoblauch, Olivenöl und einer trockenen Parmesanrinde wirklich nichts mehr im Haus war, als das Telefon klingelte.

„Willst du bei mir einziehen?“



„Leo?“

„Was?“ Er starrte nochmal aufs Display, um sich zu vergewissern, daß der Anruf wirklich von Benni kam. „Wie -“

„Wir haben beide seit Tagen keinen Menschen mehr gesehen. Wir haben beide nichts zu tun, das heißt, was ich zu tun habe, mache ich sowieso alles von zu Hause aus. Und wenn wir zusammenwohnen würden, wären wir ein Haushalt und könnten … uns treffen.“

„Wir würden uns nicht treffen, wir wären die ganze Zeit zusammen.“

„Aber wir müßten weniger telefonieren.“

„Stimmt.“

„Die Quiche ist außerdem viel zu viel für eine Person.“

Leo schielte zu dem Topf mit Nudelwasser, der immer noch leer vor sich her kochte.

„Wenn du dich beeilst, schaffst du es noch vor neun.“

Leo warf einen Blick auf den Seesack, der seit Monaten unbenutzt neben dem Schrank lag.

„Ich bin in einer halben Stunde da.“

„Ich halte die Quiche warm.“


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: ein fall für zwei, g: fanfic, g: slash, p: benni/leo
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