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BT_Wandern

October 2018

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Büttenwarder

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BT_Wandern

Verkleidungen

Rating: P 12
Genre: Friendship / Pre-Slash, Humor
Handlung: Boerne findet heraus, warum Thiel Karneval nicht mag.
Länge: 1.050 Wörter
Beta: kein Beta


***

    „Ich komme nicht mit, und garantiert ziehe ich kein Kostüm an! Jetzt lassen Sie mich endlich mit dem Scheiß in Frieden!“

An Boernes verblüfftem Blick merkte er, daß er viel zu laut und heftig geworden war.

  „Ich habe einfach keine Lust auf irgendwelche Karnevalsfeiern …“ Vielleicht hatte er ja Glück. Nur dieses eine Mal … vielleicht würde Boerne nicht nachhaken, und einfach auf seine Feier gehen. In seiner Verkleidung. Und ihn zur Abwechslung mal in Ruhe lassen.

  „Also Thiel, diese fast schon pathologische Ablehnung von Verkleidungen-“

Thiel seufzte. Warum mußte Boerne nur immer in den falschen Momenten plötzlich aufmerksam sein?

  „Hatten Sie ein traumatisches Undercover-Erlebnis, von dem ich nichts weiß? Oder stimmt sonst was nicht mit Ihnen?“

  „Ich steh’ einfach nicht auf Karneval, das ist alles.“

  „Hmhm. Und warum?“

  „Darum.“

  „Thiel …“

Er sah zur Seite. Boerne hatte sich hingesetzt, und es sah nicht so aus, als würde er ihn so schnell wieder loswerden.

  „Also gut – ich erzähl’s Ihnen, und Sie hören endlich damit auf, mich mit dieser Karnevalsfeier zu nerven.“

  „Mal sehen.“

Thiel verkniff sich weitere Kommentare. „Meine Mutter war mit mir als Kind mal beim Rosenmontagszug in Köln. Und ja, das hat mir nicht gefallen, und seitdem habe ich keine Lust mehr auf Karneval.“

  „Weswegen?“

  „Weswegen?“ Er sah den anderen entnervt an und schnell wieder weg – Boerne sah einfach nicht wie Boerne aus. „Da waren unglaublich viele Menschen, und es war laut, und die meisten waren betrunken, und es war eben nichts für mich.“ Allein die Erinnerung reichte, um das Gefühl von Panik zurückzubringen.

  „Und weiter …?“

War ja klar. Thiel schloß die Augen. „Ich hatte mich verlaufen, und meine Mutter war weg. Ich habe sie gesucht … und dann war da dieser Polizist. Ich dachte, der könnte mir helfen. Nur daß das gar kein Polizist war, sondern eine Frau, im Kostüm, mit angeklebtem Schnurrbart. Und sie hat gelacht, aber das war gar nicht lustig, das war … falsch.“ Er merkte, daß er die Fäuste geballt hatte, und entspannte sich wieder. „Ich war erst fünf.“ Er kam sich ziemlich blöd vor, daß er das wirklich erzählt hatte. Nicht einmal seiner Mutter hatte er damals davon erzählt, als sie ihn wieder gefunden hatte. Es war ja auch gar nichts passiert, er war nur in Panik geraten. Jedes Kind hätte in der Situation Angst bekommen.

  „Kein Wunder, daß Ihnen das den Spaß an der Sache verdorben hat“, sagte Boerne behutsam.

Thiel räusperte sich verlegen.

  „Der Rächer der Enterbten also, hm?“

  „Ich wollte schon als Kind immer mal als Zorro gehen“, erklärte Boerne.

  „Und warum leben Sie das jetzt erst aus? Ist ein bißchen spät, oder?“

  „Ach … meine Familie hatte es nicht so mit dem Karneval.“

  „Aha. Klingt sehr vernünftig.“

Boerne schnaubte. „Ich glaube, das lag nur daran, daß ich mich mit sieben zu Karneval als Pippi Langstrumpf verkleidet habe.“

Thiel lachte.

  „Danach waren Verkleidungen jeglicher Art für meinen Vater tabu.“

  „Tschuldigung.“ Ihm war erst mit Verzögerung aufgefallen, daß Boerne das vermutlich gar nicht so lustig fand. „Aber das Bild …“

Boerne lächelte. „Ich hatte so lange Zöpfe aus roter Wolle.“ Es sah aus, als würde der andere einen sehr großen Fisch beschreiben.  „Und aufgemalte Sommersprossen. Und ein Kleid von meiner Schwester, was vermutlich der Stein des Anstoßes war.“

Thiel schüttelte den Kopf. „Das ist aber ziemlich albern, deswegen einen Aufstand zu machen.“

  „Mein Vater war ein wenig paranoid, was diese Dinge anging.“ Boerne seufzte. „Ich höre ihn heute noch … Wirf den Ball nicht wie ein Mädchen! Das ist doch nicht normal, ein Junge in deinem Alter, der morgens eine geschlagene Stunde im Bad braucht! – Dabei ist doch offensichtlich, warum man mit vierzehn mehr Zeit als gewöhnlich im Bad verbringt, ich meine, darauf hätte er doch-“

  „Zu viel Information, Boerne!“

  „Ach kommen Sie … als wäre das bei Ihnen-“

  „Boerne!“

  „Schon gut, schon gut. Jedenfalls – er hätte sich überhaupt keine Sorgen machen müssen, im nächsten Jahr wollte ich schon Zorro sein, aber da konnte ich das Thema gar nicht mehr ansprechen. Aber wissen Sie, was das Schöne daran ist, erwachsen zu sein?“

  „Nein, Boerne. Aber Sie werden es mir sicher gleich erklären.“

  „Man kann einfach nachholen, was man als Kind verpaßt hat, und es ist niemand da, der einen daran hindert.“

Boerne klang so begeistert, daß er unwillkürlich lächeln mußte. „Na, was für ein Glück für uns alle, daß Sie das mit dem Kleid beizeiten ausgelebt haben.“

  „Pippi Langstrumpf war sowieso die Idee meiner Schwester.“ Boerne schien nachzudenken. „Wenn ich jetzt Heldinnen aus meiner Kindheit ausgraben müßte, würde ich Emma Peel oder so nehmen.“

  „Dafür fehlt Ihnen die richtige Figur.“

  „Och … da läßt sich sicher etwas machen.“ Boerne sah versonnen vor sich hin, und Thiel rieb sich verzweifelt die Augen.

  „Oh nein … warum sagen Sie so was? Das Bild werde ich nie wieder los …“

Er hörte Boerne lachen und seine Hand wurde von seinen Augen weggezogen.

  „Na also. Dagegen ist Zorro doch ganz harmlos, oder?“

Er sah den anderen zum ersten Mal richtig an, nach dem ersten Schreck, als er die Tür geöffnet hatte.

  „Sie sehen ganz ... anders aus, ohne Bart.“

  „Ich bin ja auch Zorro.“ Boerne seufzte. „Das ist der Sinn einer Verkleidung, Thiel. Anders auszusehen.“

  „Ja, aber-“

  „Der Bart wächst in ein bis zwei Wochen wieder nach, wenn Sie das so beunruhigt.“

  „Mir ist doch völlig egal, wie Sie aussehen.“

  „Mhm. Sicher.“ Boerne legte den Kopf zur Seite. „Kommen Sie jetzt mit?“

  „Ich habe Ihnen doch erklärt, warum ich Karneval nicht mag.“

  „Ja, aber das ist doch nur eine ganz kleine Feier. Sie kennen alle, die kommen. Und niemand geht als Polizist verkleidet, darauf können Sie sich verlassen.“

  „Ich habe auch gar kein Kostüm.“

  „Da fällt uns bestimmt noch etwas ein – wir könnten zum Beispiel noch in der Rechtsmedizin vorbeifahren, da gibt es massenhaft Mullbinden, und ich mache eine erstklassige Mumie aus Ihnen!“

  „Das würde Ihnen so passen“, murrte Thiel. „Auf gar keinen Fall.“ Boerne, der ihn mit Mullbinden umwickelte – noch so ein Bild, das er nicht brauchte.

  „Dann kommen Sie einfach so mit. Sie sind sicher nicht der einzige ohne Kostüm. Und die anderen freuen sich auch so, wenn Sie kommen.“

Er sah Boerne zweifelnd an. „Jetzt übertreiben Sie aber langsam.“

  „Ich freue mich, wenn Sie mitkommen.“

Er sah schnell wieder weg.

  „Meinetwegen. Ohne Kostüm und ganz kurz.“

  „Das ist die richtige Einstellung!“ Boerne griff nach seiner Hand und zog ihn hoch. „Hasta la vista, Baby!“

  „Falscher Film, Boerne. Ganz falscher Film.“

*** Fin ***


A/N: Alles nur geklaut:
  • Die Geschichte mit dem falschen Polizisten zu Karneval und dem Verkleidungs-Kindheits-Trauma stammt aus einem schlechten Kinderbuch, in dem es um Pferde (!) ging. Und um ein Mädchen, das sich als Junge ausgegeben hat, weswegen ich das Buch dann doch ziemlich oft gelesen habe …
  • Zorro stammt natürlich aus Satisfaktion.
  • Die Mumie stammt aus veradees Faschingsgeschichte – ich mußte das Bild einfach noch einmal aufgreifen :)
  • Aber Sie werden es mir sicher gleich erklären - sagt Thiel in Höllenfahrt zu Boerne.
  • Der Schlußgag gehört eigentlich dem Terminator.
  • Die Boerne-ohne-Bart-Idee hatte farfarello88 schon einmal.
  • Emma Peel stammt von diesen Fotos mit Prahl & Liefers als diverse andere Krimiheldenduos.  (Für Emma Peel ist Boerne eigentlich zu jung, glaube ich. Als das im deutschen Fernsehen lief, hätte er so was noch nicht sehen dürfen. Aber was soll ich sagen … noch so ein Bild, das ich nicht mehr loswerde … das mußte einfach sein.)




Comments

Das nennt man nicht Klauen, sondern Intertextualität. ;)

Boernes Erinnerungen an seine Verkleidung und die Ansichten seines Vaters sind einfach nur klasse. Und dass er seinen Bart abgenommen hat, ist ja wohl ein echt großes Opfer für eine schnöde Karnevalsfeier.

Besonders schöne Sätze:
„Also Thiel, diese fast schon pathologische Ablehnung von Verkleidungen-“
„Na, was für ein Glück für uns alle, daß Sie das mit dem Kleid beizeiten ausgelebt haben.“
„Ich freue mich, wenn Sie mitkommen.“


Mull wäre natürlich viel stabiler und haltbarer als Toilettenpapier. ;)

„Hatten Sie ein traumatisches Undercover-Erlebnis

Das wäre doch ein schönes Prompt. :)
Und dass er seinen Bart abgenommen hat, ist ja wohl ein echt großes Opfer für eine schnöde Karnevalsfeier.
Boerne macht keine halben Sachen ;) Und Zorro hat nun mal nur einen Schnurrbart ...

Ich freue mich, daß Du Spaß dran hattest - war ein Schnellschuß heute früh, ohne groß zu überlegen.

Das nennt man nicht Klauen, sondern Intertextualität. ;)
Das muß ich mir merken :D

Eine richtig ernsthafte Karnevalsgeschichte - was mich bei dir allerdings nicht wundert :-) Sie gefällt mir jedenfalls sehr gut. Armer Thiel, da hat er ja echt ein Kindheitstrauma; fast ein Wunder, dass er dann doch selbst Polizist geworden ist.

Warum mußte Boerne nur immer in den falschen Momenten plötzlich aufmerksam sein?
Man kennt sich ganz gut, hm ?

„Tschuldigung.“ Ihm war erst mit Verzögerung aufgefallen, daß Boerne das vermutlich gar nicht so lustig fand. „Aber das Bild …“
Oh, sensibler Thiel, very sweet :-)

Boerne als Pippi Langstrumpf: das geht mir nicht mehr aus dem Kopf :-) Da hat Thiel ja Glück, dass Boerne das schon im Kindesalter ausgelebt hat. Allerdings gibt es auch heute noch Väter, die ihre Söhne ausschimpfen, wenn sie sich im Kindergartenalter als Mädchen verkleiden (wollen), habe ich selbst erlebt.

„Mein Vater war ein wenig paranoid,...„Zu viel Information, Boerne!“
Jetzt muss ich an einen 14jährigen Boerne im Bad denken - ohoh. Und Thiel wahrscheinlich auch.

Boerne als Zorro: ♥

„Der Bart wächst in ein bis zwei Wochen wieder nach, wenn Sie das so beunruhigt.“
„Mir ist doch völlig egal, wie Sie aussehen.“

♥♥

„Ich freue mich, wenn Sie mitkommen.“
Das wird noch was mit den beiden heute Abend ... wann kommt der Epilog ?

(Für Emma Peel ist Boerne eigentlich zu jung, glaube ich. )
Nee, hab ich damals auch leidenschaftlich geguckt, und ich bin noch ein paar Jährchen jünger als JJL :-)
Oh wie schön - Du hast extra ein Zorro-Icon rausgesucht :D

Ich bin gerade auf dem Sprung zu meinem Stammtisch, deshalb nur ganz kurz -

- schön, daß es Dir gefällt! Bei solchen Schnellschüssen ohne Beta frage ich mich hinterher oft, was habe ich da gerade eben überhaupt zusammengequirlt ...

Das wird noch was mit den beiden heute Abend ... wann kommt der Epilog ?
*hüstel* ... ja, wenn ich mir das nochmal so durchlese, muß ich das Genre vielleicht doch zu Pre-Slash ändern. War gar nicht unbedingt meine Absicht, ist einfach so durchgekommen *am Kopf kratz*
So, und jetzt nochmal mit etwas Zeit ;)

Eine richtig ernsthafte Karnevalsgeschichte
Eigentlich sollte es ja eher humorvoll werden, aber irgendwie hat sich der ernsthaftere Ton dazwischen geschlichen.

Ich glaube, Ausgangspunkt war ein Kommentar zu Veradees Flucht der Mumie, daß Boerne mit Sicherheit Spaß an Verkleidungen und Kostümen haben dürfte. Und von da an ging's bergab ... ;)

Pippi Langstrumpf
Die Idee poppte plötzlich auf, und das Bild ließ sich nicht mehr verscheuchen :)

Interessanterweise kriegen Eltern ja meistens die Krise, wenn Jungs sich als Mädchen verkleiden, während dasselbe umgekehrt halb so wild ist. Dazu gibt es auch ganz spannende Theorien, für deren Wiedergabe ich aber doch zu müde bin im Moment.
Ich war, oh Wunder, die Kindheit durch immer Cowboy, Pirat usw. ;) Und das ohne Streß. Nur im Alltag wurde gelegentlich gemurrt, weil ich eisern an Jungsklamotten festhielt. Aber mit der richtigen Überzeugung läßt einen so was kalt ;)

Jetzt muss ich an einen 14jährigen Boerne im Bad denken
*grin* - freut mich. Die Stelle hätte ich vermutlich wieder zensiert, wenn ich länger drüber nachgedacht hatte. Jetzt bleibt sie aber drin.

Boerne als Zorro
Aber hallo - mit Umhang, Maske und allem Drum und Dran :) Ich denke, Boerne hätte großen Spaß an solchen Charakteren. Emma Peel paßt da irgendwie auch ganz gut.

Wenn das mit Frau Peel doch paßt - um so besser. Ich hatte nur nach der Erstausstrahlung geguckt, und das wäre wohl zu früh gewesen (späte 60er).

Guten Abend. Dein Stammtisch ist aber früh zu Ende ;-)

Eigentlich sollte es ja eher humorvoll werden,
Nur lustig hätte mich bei dir auch erstaunt. Die Geschichte ist ja nicht traurig und hat auch witzige Stellen, das passt schon. Und du weißt ja, dass mir Enthüllungen aus der Jugend immer gefallen.

Die Stelle hätte ich vermutlich wieder zensiert,
Warum denn ? Das passt doch sehr gut zu Boerne, der mal wieder die allgemein anerkannte Grenze zum Privaten nicht kennt oder einfach ignoriert. Und solange ihm das nicht peinlich ist ... Außerdem sagst du ja gar nichts Konkretes - das findet alles nur in der Fantasie der Leser statt. Und dafür kannst du ja wirklich nichts.

Ich freue mich jedenfalls immer über deine Geschichten (und mir fällt gerade ein, dass ich deine 2. Valentinsgeschichte noch gar nicht kommentiert habe ...)
Ja, man wird nicht jünger ... Inzwischen sind wir meistens noch vor zehn wieder zuhause - alle müssen früh raus. Und wir sehen uns ja jede Woche, da hat man sich wie in einer alten Ehe nicht mehr so viel zu sagen ;)

Enthüllungen aus der Jugend
mir auch ;)

Warum denn ?
Weil ich überlegt habe, ob das zu übertrieben ist. Einerseits paßt es natürlich zu Boerne, aber ich will ihn auch nicht zur Karikatur überzeichnen. Und da bin ich mir nicht immer sicher, ob ich zu weit gehe. Aber wenn ich dann erst mal Rückmeldung habe, paßt das schon :)

So, und jetzt sollte ich wirklich Schluß machen ...
Einerseits paßt es natürlich zu Boerne, aber ich will ihn auch nicht zur Karikatur überzeichnen.
Keine Sorge, das Überzeichnen erledigen sie schon im TV.
Solange Boerne solche Dinge "im Vorbeigehen" erwähnt, finde ich das glaubwürdig; ich denke nicht, dass ihm bewusst ist, dass die meisten Menschen da andere Schamgrenzen haben. Hängt vielleicht auch mit dem Job zusammen; insbesondere Notfall-Mediziner haben aus meiner Erfahrung manchmal ein seltsames Weltbild.