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BT_Wandern

April 2018

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Büttenwarder

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BT_Wandern

Nothelfer

Rating: P 12
Genre: Freundschaft
Länge: 1.700 Wörter
Beta: veradee (Danke!)
A/N: Eine Variante zu Irus Oneshot "Schlagende Argumente" - die Idee hat mich schon vor Monaten überfallen. Lange wußte ich nicht, ob Freundschaft oder Slash draus werden soll, und die Ungewißheit hat mich aufgehalten ;)
Ich habe ihn erst mal kurz friends only gesetzt, damit Vera vor der Freigabe noch Einspruch erheben kann :) - bezüglich der Änderungen gegen Ende, die noch ungebetat sind. O.K. ... erledigt und freigegeben!


***

Thiel war froh, als die Türklingel ihren Streit unterbrach. Egal wer das war, wenigstens verschaffte ihm das eine Pause zum Atemholen. Susanne war so aufgebracht, daß sie ihm mit den Papieren in der Hand zur Tür folgte. "Glaub' bloß nicht, das Thema ist schon abgeschlossen! Ich weiß gar nicht, warum du wieder so stur ..."

Er öffnete die Tür und sah Boerne mit einem Korb voller frischer Brötchen in der Hand und einem unternehmungslustigen Gesichtsausdruck. Sie waren zwar nicht zum Frühstück verabredet gewesen, aber er kannte diese Anfälle von Geselligkeit bei seinem Kollegen inzwischen - vermutlich immer dann, wenn ihm zuhause alleine die Decke auf den Kopf fiel. Jetzt war ihm sowieso alles lieber, als weiter mit Susanne zu streiten.

Boerne sah ihn inzwischen fragend an, und ihm wurde plötzlich bewußt, daß er etwas sagen mußte. Susannes Blick bohrte sich förmlich in seinen Nacken, wahrscheinlich dauerte ihr schon wieder alles viel zu lange.

  "Ähm ... das ist meine geschiedene Frau, Susanne Hellington, und das ist mein ... mein ..." Während er noch verzweifelt nach einem Wort suchte, das sein Verhältnis zu Boerne beschrieb, kam ihm der andere einfach zuvor.

  "Freund." Boerne machte eine Kunstpause. "Professor Dr. Karl Friedrich Boerne, sehr erfreut."

Susannes Blick wurde noch eisiger, und als ihm klar wurde, was sie dachte, wäre er fast rot geworden. Er wollte das Mißverständnis gerade aufklären, als er Boernes Blick sah. Vermutlich hatte der andere etwas von ihrem Streit mitbekommen, es war ja doch recht laut geworden. Und egal aus welchem Grund, es tat gerade ganz gut, Susanne sprachlos zu sehen.

  "Ich habe schon mal Brötchen geholt. Möchten Sie vielleicht zum Frühstück bleiben, Frau Hellington? Es wäre uns eine Freude."

  "Ich habe bereits gefrühstückt." Ihr Ton war mehr als unhöflich.

  "Wie bedauerlich. Einen schönen Tag wünsche ich." Wie Boerne es fertigbrachte, so unnatürlich freundlich zu klingen, war ihm ein Rätsel. Es wirkte jedenfalls: Er konnte sehen, daß Susanne wütend, aber erfolglos nach einer Retourkutsche suchte.

  "Wir beide sprechen uns noch!" Thiel kam gar nicht mehr dazu zu antworten, so schnell war sie aus der Tür. Und Boerne hatte die Gelegenheit genutzt, sich in die Küche abzusetzen. Was ganz gut war, denn jetzt, nachdem Susanne endlich weg war, kamen die ganze Wut, der Ärger und die Trauer mit einem Mal wieder hoch und schnürten ihm fast die Luft ab. Er brauchte eine Weile, um sich wieder einigermaßen zu beruhigen. Was auch immer Boerne zu dieser seltsamen Aktion bewogen hatte, er war jedenfalls froh, daß er ihm Susanne vom Hals geschafft hatte.


***


Als er in die Küche kam, war der Kaffee schon fast durchgelaufen und Boerne hatte inzwischen den Tisch gedeckt.

  "Sie sollten Ihre Haushaltsführung wirklich etwas professionalisieren. Mit dem, was Sie so im Kühlschrank haben, bringt man ja kaum ein Frühstück zustande. Zum Glück habe ich wenigstens noch ein paar Eier entdeckt, die ihr Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten haben."

  "Ich kann mich nicht erinnern, daß ich Sie eingeladen hatte, also beschweren Sie sich nicht."

  "Man sollte immer für einen Überraschungsbesuch gewappnet sein, mein lieber Thiel", erklärte Boerne und fuchtelte ihm mit der Gabel, mit der er gerade die Eier verrührt hatte, vor der Nase herum. "Dann hätten Sie auch vor Ihrer Ex-Frau eine bessere Figur gemacht."

Thiel schnaubte kurz. In Susannes Augen würde ihn in diesem Leben nichts mehr besser aussehen lassen, aber wozu das Boerne zu erklären versuchen? Eigentlich sollte er sich darüber ärgern, daß der andere sich mal wieder ungefragt in etwas eingemischt hatte, das ihn nichts anging, aber er war gerade viel zu erschöpft, um die Energie aufzubringen. Trotzdem hatte er das Gefühl, wenigstens herausfinden zu müssen, warum Boerne sich eingemischt hatte, und dann auch noch auf diese Art und Weise.

  "Warum haben Sie sie angelogen?"

  "Wieso? Wir sind doch befreundet."

  "Sie wissen doch genau, was sie jetzt denkt! Das hat doch so ausgesehen, als ob ... "

  "Na und?" Boerne hatte sich wieder zu ihm umgedreht und sah ihn an. "Ich finde immer, daß es die Stimmung enorm hebt, wenn man bei Begegnungen mit Ex-Frauen nicht gerade selbst solo ist."

War das etwa sowas wie Mitleid im Blick des anderen? So weit kam es noch, ausgerechnet von Boerne hatte er das nun wirklich nicht nötig. Als wäre Boerne auch nur im geringsten besser dran als er selbst. "Ich brauche Ihre Hilfe nicht."

  "Natürlich nicht." Boerne nahm die Kanne aus der Kaffeemaschine. "Jetzt setzen Sie sich schon und frühstücken Sie, wenn ich mir schon die Mühe mache."

  "Und wie kommen Sie überhaupt darauf, daß ich ausgerechnet mit Ihnen besser dastehen würde als solo? Ich meine ..."

  "Pfff ... machen Sie sich nur was vor, wenn Sie sich dann besser fühlen. Als ob Sie auch nur annähernd jemanden von meinem Niveau finden könnten ..."

  "Boerne ..."

  "Kaffee?"


***
 

Er brauchte zwei Brötchenhälften und eine Tasse Kaffee, bis ihm klar wurde, daß er nicht der einzige war, den das Ganze mitgenommen hatte. Und daß Boerne sich vermutlich nur deshalb so auf das Frühstück konzentrierte. Das war auch wirklich keine schöne Szene gewesen. Ihn selbst belasteten solche Auseinandersetzungen auch jedes Mal aufs Neue, und wer wußte, an was das den anderen erinnerte. Jedenfalls hatte Boerne schon seit Minuten nichts mehr gesagt, das machte ihn ganz nervös. Und er selbst hatte noch nicht einmal ... eigentlich war das ja, wenn auch auf eine seltsame Art und Weise, ziemlich nett gewesen. Irgendwie.

  "Danke."

  "Keine Ursache."

Boerne wirkte immer noch merkwürdig verlegen und unruhig. Das würde die Situation vielleicht noch schwieriger machen, als sie sich jetzt schon anfühlte, aber er wollte einfach wissen, woran er war.

  "Sie haben das doch nicht etwa ernst gemeint, oder?"

Vielleicht hätte er das nicht gerade fragen sollen, während Boerne einen Schluck Kaffee nahm ... Aber der Effekt war sehenswert. Und zumindest erhielt er seine klare Antwort, nachdem Boerne wieder Luft genug zum Reden bekam.

  "Nein! Wie kommen Sie denn ... Nein!"

  "Schon gut, schon gut ..." Er mußte lächeln. "Dann ist doch alles in Ordnung, oder?"

  "Sie hat mich wütend gemacht."

Thiel seufzte. "Ja, das kann sie gut. Wobei das selten nach so kurzer Bekanntschaft passiert, muß ich schon sagen."

  "Sie sahen so aus, als ... als ob ... also irgendwie gar nicht gut", murmelte Boerne und wich seinem Blick aus. Thiel fühlte sich plötzlich, als hätte ihn jemand an einem kalten Tag in eine warme Decke gehüllt und ihm einen heißen Kakao in die Hand gedrückt. Obwohl es ihm gleichzeitig etwas peinlich war, daß ausgerechnet Boerne sich dazu berufen fühlte, zu seiner Rettung zu eilen. Nicht, daß er es nötig gehabt hätte gerettet zu werden. Er räusperte sich verlegen und suchte nach einem unverfänglicheren Gesprächsthema, als Boerne ihm zuvorkam.

  "Was wollte sie denn von Ihnen?"

  "Ach ..." Das warme Gefühl löste sich schlagartig in Luft auf. "Sie will meine Zustimmung, daß ihr neuer Mann Lukas adoptieren kann."

  "Da werden Sie doch wohl nicht zustimmen?!" Boerne sah ihn entsetzt an, und Thiel fühlte sich  beruhigt, daß nicht nur er diese Idee unmöglich fand.

  "Natürlich will ich das nicht. Aber sie meint, für Lukas wäre das viel einfacher, wenn er keinen anderen Namen hätte als sein neuer ... Vater, und immer erklären müßte, daß es mich auch noch gibt."

  "Pfff ..." Boerne klang nicht überzeugt, aber natürlich hatte er auch nicht Susannes Schilderung des Sachverhalts gehört.

Thiel kippte Milch in seinen Kaffee und rührte ihn um. "Aber vielleicht hat sie ja doch nicht so ganz unrecht? Ich bin viel zu weit weg, wir telefonieren nur ein paar Mal im Jahr, und eigentlich bin ich ja auch froh, daß er mit Susannes neuem Mann auskommt - ist doch viel besser als umgekehrt."

Boerne schwieg, aber er wirkte alles andere als überzeugt. "Wie alt ist Lukas denn inzwischen?"

  "Sechzehn."

  "Das ist doch dann ziemlich müßig  - in zwei Jahren ist er volljährig, was soll der ganze Aufwand jetzt noch?"

  "Susanne geht es ums Prinzip." Thiel zögerte. "Das war schon immer so. Ganz oder gar nicht ... und so weiter."

  "Und jetzt ist sie nach Deutschland gekommen, um Sie persönlich unter Druck zu setzen?"

  "Unter anderem. Sie besucht ihre Eltern in Lüneburg."

  "Und wieso hat sie Lukas nicht mitgenommen?"

  "Das ging nicht, der ist doch in der Schule."

  "Pff ... das hat sie doch mit Absicht so gelegt!" Boerne klang ehrlich empört, und er fühlte sich dadurch seltsamerweise getröstet. Obwohl er nicht wirklich dachte, daß Susanne so gemein sein würde.

  "Meine Ex-Schwiegermutter hat eben nicht während der neuseeländischen Schulferien Geburtstag."

Boerne sah nicht überzeugt aus, und er hatte plötzlich das Bedürfnis, Susanne in Schutz zu nehmen. Immerhin waren sie doch viele Jahre zusammen glücklich gewesen. Und Boerne hatte jetzt ausgerechnet ihre schlechteste Seite kennengelernt.

  "Sie meint es meistens gar nicht so ... wenn sie sich wieder beruhigt hat, werden wir nochmal vernünftig über die Sache reden. Ohne meine Zustimmung kann sie das mit der Adoption vergessen, und das wird sie schon noch einsehen."

Boerne sah immer noch so aus, als hätte er noch einiges zu dem Thema zu sagen, aber dann sah er nur auf seine Kaffeetasse.

  "Wenn Sie meinen."

  "Tu ich."

Boerne nahm einen Schluck Kaffee. "Und, werden Sie das Mißverständnis aufklären?"

Ihm schoß plötzlich der Gedanke durch den Kopf, daß Boerne, wenn man es genau betrachtete, wirklich das war, was in seinem Leben einer Beziehung am nächsten kam, aber er schob diese Überlegung schnell wieder beiseite.

  "Thiel?" Boerne sah ihn neugierig an.

Das war wirklich ein bißchen kindisch, aber andererseits ... "Hat ja nicht so große Eile, oder? Wenn es Sie nicht stört, daß Ihr Ruf in Wellington und Lüneburg leidet ..."

  "Wozu hat man Freunde, mein lieber Thiel." Boerne goß sich schwungvoll Kaffee nach. "Da muß man schon bereit sein, gelegentlich das ein oder andere kleine Opfer zu bringen."


*** Fin ***

Comments

Ein- .... Nein, kein Einspruch. :) Mir gefallen Deine Ergänzungen zum Schluss, und Thiel gefällt mir so auch besser. ;)

Ich mag es einfach, wenn sich der eine um den anderen ein bisschen sorgt, und Deine Geschichte ist wieder ein tolles Beispiel dafür. Es hat viel Spaß gemacht, sie schon vorab lesen zu können.

"Ich finde immer, daß es die Stimmung enorm hebt, wenn man bei Begegnungen mit Ex-Frauen nicht gerade selbst solo ist."
Thiel fühlte sich plötzlich, als hätte ihn jemand an einem kalten Tag in eine warme Decke gehüllt und ihm einen heißen Kakao in die Hand gedrückt.


Und das sind einfach zwei ganz tolle Sätze - der erste zum Lachen und der zweite zum Träumen.
Na dann bin ich ja beruhigt :)

Eigentlich sollte Thiel schon vorher "so" sein, nur daß das nicht so richtig deutlich wurde. Ich bin jetzt jedenfalls auch glücklicher.

Deine zwei Sätze mag ich auch besonders gerne, muß ich zugeben. Der erste war ganz früh da, den zweiten habe ich relativ spät ergänzt. Und da solche Bilder nicht so meine Stärke sind, war ich recht zufrieden, daß ich eines gefunden habe, das mir gefällt.

Ah, ein PWP (Plot without Porn)

Du weisst ja, dass ich normalerweise sage, friendship ist ja eigentlich auch nur pre-slash. ;)

Aber in diesem Fall gebe ich dir völlig Recht, als Slash-Geschichte wäre sie nicht halb so gut - und sie ist sehr gut.

Ich mag Boernes Aktion und sie ist nur bei friendship so witzig.
Und ich mag Thiels Reaktion. Finde ich ic und kann ich mir gut vorstellen, dass das so ablaufen würde.



Trotzdem Pre-Slash :P

Re: Ah, ein PWP (Plot without Porn)

:) Danke!

Plot without Porn muß ich mir merken :D

Ich freue mich, daß ich Dich doch noch zu Freundschaftsgeschichten überzeugen kann. Wobei Du mir endlich den logischen Grund dafür geliefert hast, weswegen Slash hier nicht so gut gepaßt hätte. Ich habe nämlich wirklich eine Weile hin und her überlegt, und es wollte nicht so recht. Der Witz wäre verschenkt gewesen, Du hast recht.

Morgen versuche ich mich dann wohl mal an "Deiner" Geschichte.

Trotzdem Pre-Slash :P
Du gibst nicht auf :) Aber ich gebe zu, wenn ich Sätze wie Ihm schoß plötzlich der Gedanke durch den Kopf, daß Boerne, wenn man es genau betrachtete, wirklich das war, was in seinem Leben einer Beziehung am nächsten kam (...) einbaue, habe ich mir das selbst zuzuschreiben ;)



Re: Ah, ein PWP (Plot without Porn)

Seh ich jetzt erst: Frau Hellington aus Wellington. *hnhnhn* *grins* Sehr schön!

Re: Ah, ein PWP (Plot without Porn)

Den Namen habe ich von Iru übernommen ;)

Und für meine Fortsetzung zu Familie hatte ich mch mal entschieden, daß Thiels Ex in Wellington wohnt, weil es dort eine Uni gibt für den Sohnemann zum Studieren.

Tja, und dann saß ich da mit Hellington/Wellington ... ich hab's einfach so gelassen ...

Re: Ah, ein PWP (Plot without Porn)

Find ich gut!
Das ist mal eine Geschichte zum Wohlfühlen! Genau so was möchte man lesen, wenn man gerade aus der dunklen, kalten Abendluft ins Warme kommt und seinen Computer einschaltet. ;)

Meine Lieblingssätze sind auch die beiden, die Vera zitiert. Boerne trifft den Nagel auf den Kopf, und das Bild mit der Decke und dem Kakao ist für mich so was wie der Inbegriff des Angenehmen. Außerdem gefällt mir, wie verständnisvoll Boerne in Deiner Geschichte ist. :)
Freut mich :)

Bei dem Kakao habe ich mich im Nachhinein noch gefragt, ob da wirklich Thiel aus Thiel spricht oder ob es da nicht hätte Bier sein müssen ;) Aber Kakao klingt irgendwie tröstlicher.

Ich mochte Boerne hier auch, weil er Thiel ohne Rücksicht auf Verluste unterstützt. Die Anfangszene stand schon ganz lange, aber dann wußte ich erst nicht wohin damit. Bin froh, dß das endlich fertig geworden ist :)
Die Geschichte gefällt mir gut, auch wenn's kein slash ist :-) Natürlich funktioniert sie so viel besser; sonst wäre das Überraschungsmoment weg und Thiels "Erkenntnis" (dass Boerne seine engste Bezugsperson ist) gar nicht möglich.
Ich mag es sehr, wenn die zwei auf einer Linie liegen, sich gegenseitig "lesen" können; alles sehr harmonisch (ok, außer Susanne). Und Hintergrundgeschichten liebe ich ja sowieso.
Wieso kommt eigentlich Thiels Ex in fanfics vor (wenn auch fast immer sehr negativ), Boernes aber nie ? Die müsste doch auch eine interessante Person sein. Immerhin hat sie es geschafft, Boerne bei der Scheidung das Ferienhaus auf Ischia abzunehmen ...
Mir tut es immer ein wenig leid, daß sie so schlecht wegkommt, eigentlich denke ich mir nämlich, daß Thiel ordentlich zu der Trennung beigetragen hat. In der ominösen Neuseeland-Fortsetzung, die einfach nicht fertig werden will, hat Thiels Ex Ähnlichkeit mit Boerne, weswegen die zwei sich erst mal gar nicht verstehen ;) Aber das ist einer der Teile, die ich noch nicht geschrieben habe ...

Ich glaube, Boernes Exfrau kommt nie vor, weil man sich nicht ernsthaft vorstellen kann, daß er mal verheiratet war ;) Sie wird ja auch nur in der ersten Episode erwähnt. Und später wird Boerne eigentlich immer so dargestellt, als hätte er nie 'ne längere Beziehung gehabt. Zum Beispiel in Tempelräuber, diese plötzliche Begeisterung fürs "Familienleben" - als würde er das das erste Mal erleben. Also, wenn Boerne wirklich mal verheiratet war, muß das eine sehr merkwürdige Geschichte gewesen sein ...

Um noch mal auf diese Geschichte zurückzukommen - ich freue mich, daß sie Dir trotz fehlendem Slashfakor gefällt :) Irgendwie hatte ich diese Szene aus "Höllenfahrt" im Kopf, als Thiel Boerne vorstellt und über Partner/Pathologe stolpert ;) Und das hat sich hartnäckig mit Irus Geschichte vermischt.

Und ich merke gerade, daß ich sehr weitschweifig und nicht mehr besonders logisch bin ... *gähn* Blöde Arbeit.
Nur eine kleine Anmerkung zu Boernes Beziehungserfahrung und Familienleben: Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass er mal verheiratet war. Was vermutlich daran liegt, dass ich mindestens 3-4 Boernes in meinem Leben kennen gelernt habe. Ich seh das so, dass seine Ex vermutlich aus gutbürgerlichem Hause kam, auf sowas ist man ja in der Familie Boerne immer sehr bedacht gewesen, und dass sie auch eine gute Ausbildung/Job hatte.

Genau so werden die beiden gelebt haben. Eine Ehe voll mit Statussymbolen, gesellschaftlichen Auftritten und mehr Schein als Sein. Also eine High-Society-Ehe ohne Nestwärme, ohne Familienheimeligkeit, die Boerne ja auch von daheim nie kannte. Da kann man aus diversen Kommentaren schließen, die Boerne im Verlauf von seinem Vater machte, der hat seinen Sohn sicher nie in den Arm genommen und ihm gesagt, dass er ihn lieb hat. Und seine Ex hat ihn sicher nie liebevoll umsorgt, wenn's ihm mal nicht gut ging. Daher war für ihn das Erlebnis in "Tempelräuber" tatsächlich neu.
Interessante Theorie. Das wäre auch so ziemlich das Maximum, was ich mir bei Boerne vorstellen kann ;) So schichtspezifisch habe ich das zwar noch nicht erlebt - ehrlich gesagt kenne ich solche Leute nicht - aber manchmal sieht man ja schon Paare, bei denen man sich fragt, was die eigentlich gemeinsam haben. Die wirken, als würden sie mehr oder weniger nebeneinander her und nicht miteinander leben.

Ich glaube allerdings nicht, daß Boernes Charakter bewußt so konzipiert ist, dazu müßte sich ja jemand episodenübergreifende Gedanken machen. Da kann ich mir schon eher vorstellen, daß die Ex-Frau im ersten Tatort als Gag eingesetzt worden ist, und in den späteren Episoden haben die AutorInnen aus den Augen verloren, daß es sie einmal gab, und Boerne eher als unverträglichen Jungegesellen gezeichnet.

So oder so denke ich langsam doch, man müßte ihr mal eine FF-Episode widmen ;)
Ich kenne solche Leute vermutlich, weil ich aus Wien bin, und ich finde keinen Tatort Wienerischer als den Münsteraner. Ich weiß ja nicht, ob die Verhältnisse, wie sie da geschildert werden (alteingesessene Familien, eingeschworen, sehr auf Elite bedacht, jeder kennt jeden in der Elite) der münsteraner Realität entsprechen, aber auf Wien trifft es jedenfalls zu.

Ich kenne daher auch entsprechend geschiedene Boerne-Typen, und die sind wirklich so, wie unser aller forensischer Pathologe. Für mich ist die Darstellung dieser Figur daher nie überzogen oder unrealistisch gewesen, wie so oft kritisiert. Die Kritiker sollten alle mal nach Wien kommen, da würden sie aber schauen, wie viele Boernes hier rumlaufen. Nicht alle davon sind übrigens schwul, von meinen 4 genannten war es nur einer.
So oder so denke ich langsam doch, man müßte ihr mal eine FF-Episode widmen ;)
Äh, ja ? Bitte :-)
Kann ich mir gut vorstellen. Ich kenne auch ein paar Paare, bei denen das so gelaufen ist/läuft. Da war die Ehe einfach irgendwann im Lebenslauf "dran", der passende Partner schenell gefunden, dann wurden 2 obligatorische Kinder in die Welt gesetzt, und jeder lebt dann sein eigenes Leben (inkl. der Kinder als Statussymbole, falls notwendig). Ansonsten kommuniziert man seine Termine (und die der Kids) übers Handy und sieht sich selten...

Da fehlt dann jegliches Gefühl für "Familienleben", wie bei Boerne. Aber dafür haben wir ja zum Glück unseren bodenständigen Thiel...
Thiels Ex und Ähnlichkeit mit Boerne ??? Naja, passen würde es ja, dass er auf den "Typ" steht :-) Aber das will ich jetzt lesen!

Boernes Ex wird nochmal in "3x schwarzer Kater" erwähnt, als Thiel ihn und Katharina nach dem Joggen abfängt und nach dem Anwalt fragt. Da antwortet Boerne (statt K., an die die Frage ja gerichtet war), er kenne den Anwalt zur Genüge, der habe seiner Frau bei der Scheidung das gemeinsame Haus auf Ischia und den Geländewagen "verschafft". Aber das war auch alles in bezug auf die "Ex-Frau Professor Boerne".

Zu deiner Geschichte: Mir gefällt sehr, wie Thiel dann doch noch fragen muss, ob Boerne das ernst gemeint hat. Das ist so passend, sehr IC. Und dann Boernes erschrockenes "Nein!". Da hat er wieder was losgelassen, ohne an die Konsequenzen zu denken :-)
Naja, passen würde es ja, dass er auf den "Typ" steht :-)
Ich glaube, es war Lukas, der das feststellt (klar, es ist ja weiterhin sein POV). Aber er behält die Erkenntnis lieber für sich ... ;) O.K. O.K., ich sehe schon, ich MUSS diesen Text irgendwann fertigschreiben ... Wenn mir est. relationship und Lukas POV nur nicht so schwerfallen würden!

3 x schwarzer Kater - stimmt. Und das ist auch eine sehr schöne Szene ... :)

Mir gefällt sehr, wie Thiel dann doch noch fragen muss, ob Boerne das ernst gemeint hat.
Ich hatte komischerweise Angst, daß das vielleicht zu viel ist. Schön, daß Du die Szene magst!



Edited at 2012-03-12 05:49 am (UTC)
O.K. O.K., ich sehe schon, ich MUSS diesen Text irgendwann fertigschreiben ...
Yep. Brauchst du 'ne Entschuldigung für die Osterfeierei, damit du Zeit zu schreiben hast ? Schreib ich dir :-)

Wenn mir est. relationship und Lukas POV nur nicht so schwerfallen würden!
Das schreibst du auch aus (in?) Lukas POV ? Wow. Das ist echt schwer, weil man ja so gar nichts über ihn weiß. Und Teenie - hab schon vergessen, wie die Welt so mit 16 funktioniert :-)