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Undercover - Kapitel 1 (Thiel / Boerne Slash)

Rating: P 12
Genre: First Time, Humor
Handlung: Ein Besuch von Boernes Mutter hat Folgen.
Länge: 2.200 Wörter
Timeline: Spielt ca. 2004, d.h. kurz nachdem Thiel Boernes Mutter das erste Mal getroffen hat. Daß sie im Tatort-Kanon irgendwann sang- und klanglos verstirbt, ignoriere ich mal wieder.
Beta: veradee - Danke!
A/N: Also falls noch jemandem ein passenderer Titel einfallen würde *hust* Edit: hat sich erledigt ;)




Kapitel 1 von 6


***


  "Oh ... hallo ... das ist ja ..." Er ließ die Jacke sinken, die er seinem Nachbarn hatte in die Hand drücken wollen. "Ich wußte gar nicht, daß Boerne Besuch-"

  "Herr Thiel, nicht wahr?" Boernes Mutter lächelte ihn an, und er lächelte unsicher zurück. Ihm wurde schlagartig bewußt, daß er barfuß, in seiner ältesten Jeans, die er nur noch zuhause trug, und einem ebenso alten, verwaschenen T-Shirt nicht gerade einen seriösen Eindruck machte.

  "Ich wollte Boerne nur die Jacke zurückbringen, die er mir gestern früh-"

  "Thiel! Was machen Sie denn hier?"

Er drehte sich leicht genervt um zu Boerne, der überraschend lautlos die Treppe herauf gekommen war und jetzt mit einer Tüte in der Hand hinter ihm stand. Natürlich ebenso makellos gekleidet wie seine Mutter, und das an einem Sonntag Morgen um halb acht. "Ich wohne hier, Boerne."

Boerne schnaubte und sah dann, was er in der Hand hatte. "Ah, meine Jacke. Das hätte aber wirklich keine Eile gehabt." Die Jacke wurde ihm aus der Hand genommen, und er fühlte sich schlagartig noch ein wenig unwohler, ohne so genau sagen zu können weshalb.

  "Ja dann ... ich wollte nicht stören, ich meine-"

  "Wollen Sie denn nicht zum Frühstück bleiben?" Boernes Mutter strahlte ihn an, was ihn einen Moment aus dem Konzept brachte.

  "Ich wollte eigentlich nur -"

  "Ich würde mich sehr freuen."

  "Aber -"

  "Nun zieren Sie sich nicht so, Herr Thiel, Sie werden doch sicher öfter hier frühstücken." Boernes Mutter drehte sich um und ging Richtung Küche. "Ich habe selbstgemachte Marmelade mitgebracht, und Karl-Friedrich hat sowieso viel zu viele Brötchen gekauft."

Er sah zu Boerne, der auch etwas verwirrt wirkte, aber nur mit den Achseln zuckte. "Am besten bleiben Sie auf eine Tasse Kaffee. Meine Mutter kann sehr hartnäckig sein."

Thiel verkniff sich ein Grinsen. Das kam ihm irgendwie bekannt vor ... bisher war ihm Boernes Mutter ja recht umgänglich vorgekommen, und er hatte vermutet, daß Boerne all seine nervtötenden Eigenschaften von seinem Vater geerbt haben mußte.

  "Was ist jetzt, Thiel? Rein oder raus?"

Der Duft frischer Brötchen aus der Tüte, die Boerne in der Hand hielt, beschleunigte seine Entscheidung. Vielleicht auch die Erinnerung daran, daß er es gestern nicht mehr geschafft hatte einzukaufen und in seinem Kühlschrank außer einem vertrockneten Käserest und einem Glas Pepperoni vermutlich nichts Eßbares mehr zu finden war.


***


  "Mit fünf haben wir ihn dabei erwischt, wie er im Garten nach allen Regeln der Kunst eine tote Maus seziert -"

  "Mama! Das interessiert doch niemanden!"

Boernes Mutter ignorierte ihren Sohn einfach und redete weiter. Das alleine war das ganze Frühstück wert, dachte Thiel und grinste. Wenn Boerne ihm das nächste Mal Schwierigkeiten machte, konnte er jetzt jedenfalls auf jede Menge Material zurückgreifen. Einige der Geschichten, die er heute gehört hatte, wüßte Boerne garantiert nicht gerne in der Hand anderer Menschen ... zum Beispiel in der von Frau Haller ...

  "- sein Vater war nicht erbaut, daß er dazu sein bestes Skalpell genommen hat."

Boerne seufzte. "Ich setze mal frischen Kaffee auf. Ihr zwei unterhaltet euch ja auch ohne mich bestens."

Frau Boerne lächelte ihren Sohn an. "Mach das, mein Hase."

Thiel täuschte einen Hustenanfall vor, um sein Lachen zu kaschieren, während Boerne fluchtartig den Raum verließ.

  "Sagen Sie mal", fragte er, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, "jetzt wo wir unter uns sind - gibt es eigentlich ein Geheimrezept, um ihn zum Schweigen zu bringen?"

Sie lächelte. "Nicht wirklich. Aber es gibt Schlimmeres, finde ich."

  "Ich meinte nicht ..." Er mochte Boernes Mutter, und er wollte sie wirklich nicht kränken. Sicher war es anstrengend genug, Boerne als Sohn -

  "Das weiß ich doch." Sie griff nach seiner Hand, was ihn einen Moment aus der Fassung brachte. Was sollte das denn werden? Als er eben gedacht hatte, daß er Boernes Mutter mochte, hatte er keinesfalls gedacht, daß ... auch wenn sie für ihr Alter eine recht attraktive Frau war ... aber das wäre auf so vielen Ebenen falsch, er wußte gar nicht wo anfangen -

  "... jedenfalls schön, daß er nicht mehr alleine ist."

  "Was?"

Sie tätschelte seine Hand. "Schon gut, schon gut. Sie müssen mir nichts erklären."

  "Aber -"

In dem Moment kam Boerne wieder zurück und sah sie alarmiert an.

  "Was hast du ihm jetzt schon wieder erzählt? Er hat ganz rote Ohren. Doch nicht etwa die Geschichte -"

  "Jetzt beruhige dich schon, Karl-Friedrich. Wir haben uns ganz nett unterhalten." Sie lächelte Thiel zu. "Gieß mir lieber Kaffee nach."

Der Rest des Frühstücks rauschte nur noch an ihm vorbei.


***


  "Soll ich dich wirklich nicht zum Bahnhof bringen?"

  "So alt bin ich noch nicht, daß ich das nicht mehr alleine schaffe." Boernes Mutter griff nach ihrem Mantel. "Ich mache noch einen kurzen Spaziergang durch die Innenstadt bei dem schönen Wetter."

  "Ich kann auch noch -"

  "Ich wollte dich nicht das ganze Wochenende in Beschlag nehmen, mein Lieber. Macht ihr zwei euch doch noch einen schönen Sonntag."

Boerne runzelte die Stirn und setzte zu einer Frage an, was Thiel aus seiner Erstarrung riß.

  "Kommen Sie gut nach Hause, Frau Boerne." Boerne wirkte irritiert, weil er ihm ins Wort gefallen war, aber das war ihm jetzt immer noch lieber als langwierige Diskussionen über Boerne und ihn. Über das Mißverständnis konnten sich die beiden bitte bei anderer Gelegenheit streiten, wenn er nicht dabei war.

Boerne setzte zum zweiten Mal an, etwas zu sagen, aber diesmal kam ihm seine Mutter zuvor. "Mach's gut, mein Schatz. Wir sehen uns ja schon in zwei Wochen bei Tante Gerdas Geburtstag." Er sah kurz einen gequälten Gesichtsausdruck auf Boernes Gesicht aufblitzen, der sich vermutlich auf Tante Gerda bezog, und verkniff sich ein Grinsen, als Boerne geknuddelt wurde. Manchmal vermißte er seine Mutter. Sie hatte zwar auch furchtbar peinlich sein können, aber trotzdem ... das würde er gerne wieder in Kauf nehmen. Gott, das war jetzt schon wieviele Jahre her? Er mußte tatsächlich nachrechnen, so lange -

Eine freundliche Umarmung unterbrach seine Gedanken. "Schön, daß wir uns endlich auch einmal kennengelernt haben."

  "Äh ... ja."

  "Passen Sie gut auf meinen Sohn auf. Er hat wirklich ein großes Talent dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen, ich weiß, das kann recht anstrengend sein, aber wem erzähle ich das ..."

  "Äh ... ja." Er schielte zur Seite und sah die steile Falte, die sich zwischen Boernes Augenbrauen gebildet hatte. "Hat mich auch gefreut, Frau Boerne."

Noch ein kurzes Winken, und die Tür fiel zu. Thiel war kurz davor, verzweifelt die Hände vors Gesicht zu schlagen. Oder in hysterisches Lachen auszubrechen. Eins von beidem. Vor allem beim Anblick seines Nachbarn, der die Hände in die Hüften gestützt hatte und entgeistert die geschlossene Tür anstarrte.

  "Irgendetwas stimmt hier nicht. Thiel? Haben Sie nicht auch den Eindruck, daß mit meiner Mutter etwas nicht stimmt? Sie ist ja schon manchmal etwas exzentrisch, aber das war heute wirklich sehr merkwürdig ..."

Er mußte sich setzen.

  "Thiel?"

  "Ähm ..."

  "Ist irgendetwas passiert, während ich neuen Kaffee geholt habe? Ich war nur zwei Minuten weg, wie kann sie es in der kurzen Zeit geschafft haben ... Was hat sie Ihnen erzählt?!"

  "Ähm ..."

  "Thiel ... jetzt hören Sie auf rumzustottern und erzählen Sie mir endlich, was hier los ist!"


***


Boerne hatte mehrere Minuten gar nichts gesagt und ihn nur angesehen, als er endlich verstanden hatte, was für ein Mißverständnis sich ereignet hatte. Ihm war noch nie bewußt geworden, wie lange sich die Zeit dehnen konnte, wenn Boerne einfach nur schwieg. Er räusperte sich unruhig. "Ist alles in Ordnung mit Ihnen?"

  "So was kann doch auch nur Ihnen passieren!"

  "Also hören Sie mal, ich-"

  "Wie konnten Sie sie denn bloß in dem Glauben lassen! Ein oder zwei Sätze, Thiel, das ist ja wohl nicht zu viel verlangt! Mehr hätte es doch gar nicht gebraucht, um den Irrtum höflich aufzuklären!! Wenn Sie nicht immer-"

  "Ich bin überhaupt nicht zu Wort-"

  "Das ist Ihre norddeutsche Maulfaulheit, die uns diese Misere eingebrockt hat! Sie hätten ihr doch nur sagen müssen, daß Sie wirklich nur wegen der Jacke vorbeigekommen -"

  "Ich bin überhaupt nicht zu-"

  "Das wird doch nur umso peinlicher aufzuklären, je länger das dauert, haben Sie daran vielleicht einmal einen Gedanken verschwendet!"

  "Sie sind doch in dem Moment schon wieder -" Boerne wollte weiterreden, aber diesmal ließ er sich nicht unterbrechen. "Nein, Sie halten jetzt endlich den Mund und lassen mich ausreden!!!"

Boerne zuckte zusammen. "Kein Grund, mich so anzuschreien ..."

  "Kann ich jetzt vielleicht endlich mal ausreden?"

Boerne sah immer noch reichlich beleidigt aus, aber er nickte.

  "Als ich verstanden habe, was sie meint, sind Sie doch gerade schon wieder zur Tür herein gekommen und dann ... es gab irgendwie keine Gelegenheit mehr, das aufzuklären ... ich meine ..." Jetzt, wo er endlich reden konnte, fiel ihm nicht mehr ein, was er eigentlich sagen wollte. So richtig erklären konnte er das ja auch nicht. Er hatte einfach den richtigen Augenblick verpaßt, in dem er das Mißverständnis noch ohne größere Peinlichkeit für beide Seiten hätte aufklären können. Das war so ähnlich gewesen wie diese Momente, wenn man jemanden traf, an dessen Namen man sich nicht mehr erinnerte. In den ersten drei Sekunden konnte man noch fragen, aber wenn man erst einmal angefangen hatte, sich zu unterhalten, konnte man nicht mehr zurück und zugeben, daß man den Namen vergessen hatte, ohne daß es peinlich wurde. Nur daß das hier viel schlimmer war als ein vergessener Name - nachdem er erst nichts gesagt hatte, würde sie zu recht verletzt sein, wenn herauskam, daß das alles gar nicht stimmte. Dabei war es gar nicht seine Absicht gewesen -

  "Vielleicht ist das gar nicht so schlecht ..." Er sah überrascht auf. Boerne hatte einen versonnenen Gesichtsausdruck angenommen.

  "Wie bitte?! Ich glaube, ich hör' nicht recht!"

  "Jetzt seien Sie mal nicht so spießig, Thiel." Boerne lächelte plötzlich wie eine Katze, die den Sahnetopf gefunden hatte. "Und außerdem muß davon doch hier in Münster gar niemand etwas erfahren."

  "Wovon ... Boerne, es gibt überhaupt nichts, wovon jemand etwas ... was soll der Unsinn?"

   "Bitte ..." Boerne sah ihn über den Rand seiner Brille hinweg an. "Sie müssen auch gar nichts tun, lassen Sie sie einfach in dem Glauben."

  "Warum sollte ich ..." Er hatte etwas die Orientierung verloren, weil er Boernes 180-Grad-Wendung nicht so schnell nachvollziehen konnte. "Das ist die schwachsinnigste Idee, die Sie je -"

  "Thiel! Jedesmal, wenn ich meine Mutter besuche, stellt sie mir unter fadenscheinigen Vorwänden Töchter von Freundinnen vor! Haben Sie eine Vorstellung davon, wie anstrengend das ist!?"

Aha. Von daher wehte der Wind.

  "Wegen so etwas belügt man seine Mutter aber nicht", erklärte er streng. "Und sie meint es doch sicher nur gut."

  "Wer sagt denn etwas von belügen ... wenn sie etwas mißverstanden hat, dann ist das doch keine Lüge ..."

  "Ach, jetzt fangen Sie nicht mit solchen Haarspaltereien an, Sie wissen doch genau -"

  "Jedesmal, Thiel! Seit Jahren! Und eine ist schlimmer als die andere!"

 "So schlimm wird es schon nicht sein ..."

  "Doch! Die letzte war Grundschullehrerin und - ich sage es nicht gern, aber das ist die reine Wahrheit - strohdumm."

Boerne konnte echt ein Snob sein. "Dann kann ich ja froh sein, daß Sie sich mit jemandem, der das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt hat, überhaupt unterhalten."

Boerne sah ihn überrascht an. "Das kann man doch nicht vergleichen. Sie sind nicht dumm -"

  "Dan-"

  "- nur ungebildet."

  "-ke. ... Das nehme ich wieder zurück."

  "Was?" Boerne sah ihn irritiert an. "Die Frau hat mir jedenfalls den ganzen Abend etwas über Homöopathie erzählt. Mir. Über Homöopathie. Können Sie sich das vorstellen?"

  "Da gibt es doch wirklich Schlimmeres, ich meine-"

  "Und über heilkräftige Edelsteine - wie kann ein halbwegs rationaler Mensch -" Boerne unterbrach sich selbst. "Sie könnten doch gar nicht bemerkt haben, was meine Mutter denkt. Und es ist ja nicht so, als würden sie beide sich ständig begegnen und hätten Grund dazu sich aus heiterem Himmel darüber auszutauschen, daß wir beide kein Paar sind. Wie oft haben Sie denn meine Mutter in den zweieinhalb Jahren, die wir uns jetzt kennen, getroffen?" Er wollte etwas sagen, aber Boerne redete gleich weiter. "Ein einziges Mal, genau, und das auch nur zufällig. Und mich wird sie aus Höflichkeit nicht fragen, wenn ich ihr nicht selbst etwas erzähle. Was ich natürlich nicht tun werde, weil ich ja auch keine Ahnung habe, was für eine alberne Idee sie da hatte. Das ist perfekt, Thiel. Perfekt. Wir müssen gar nichts tun. Meine Mutter ist glücklich, und ich habe meine Ruhe."

  "Aber ..."

Boerne sah ihn kritisch an. "Was wollen Sie denn tun? Sie anrufen und sie darauf ansprechen? Also ich erzähle ihr nichts."

Thiel seufzte. Natürlich hatte er keine Lust auf so ein Gespräch mit Boernes Mutter. Aber so sehr Boerne ihm auch einzureden versuchte, daß das alles ganz unproblematisch sein würde - er hatte ein verdammt ungutes Gefühl.

  "Das funktioniert nie im Leben, Boerne."

  "Ach was. Was soll denn da schon schiefgehen."

Er hatte gar kein gutes Gefühl bei der Sache. Aber andererseits ... "Machen Sie doch, was Sie wollen. Ist ja schließlich nicht meine Mutter."

*** tbc ***



O.K. --- Kap. 2 steht schon, 3-4 so halb. D.h. die Geschichte wird sicher fertig, aber die Updates können jeweils ein paar Tage brauchen :) Edit Ende Juni 2012: ist fertig!

>> Kapitel 2
Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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