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Undercover - Kapitel 3 (Thiel / Boerne Slash)

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Sieht so aus, als müßte es bei dem Titel bleiben - wenn ich selbst nicht noch einen kreativen Einfall habe. Edit: Der Einfall von joslj hat dann doch das Rennen gemacht - Raider heißt jetzt Twix, ähm ...  "Mutterliebe" heißt jetzt "Undercover". Vielen Dank Euch allen für die Vorschläge (anja79, notcolourblind und readonly56)!

Länge: 1.850 Wörter
Beta: veradee :)
A/N: Eigentlich gehörte das alles mal zu Kapitel 2. Aber es wurde einfach zu viel. Ein Zwischenkapitel, sozusagen.



*** Kap. 3 ***


Boerne hatte tatsächlich Ernst gemacht und ihn ein paar Tage später zum Münsteraner Herrenausstatter Nummer eins geschleift. Thiels Proteste waren ungehört verhallt; Boerne hatte schlichtweg behauptet, daß sein Hochzeitsanzug nicht mehr tragbar sei. Als wäre ein Anzug, der für seine Hochzeitsfeier schick genug gewesen war, für eine popelige Geburtstagsfeier bei Boernes nicht gut genug. Er hätte zwar ein klein wenig den Bauch einziehen müssen, und zuzuknöpfen war das Jackett auch nicht mehr, aber der Anzug paßte noch. Boernes Blick hatte etwas anderes gesagt, aber wenigstens hatte er sich nicht getraut, das laut auszusprechen. Stattdessen hatte er behauptet, daß der Anzug völlig unmodern sei und man kein Kenner der Herrenmode sein müsse, um zu sehen, daß er aus den späten Achtzigern stammte. Dabei war ein Anzug in Thiels Augen ein Anzug, und Klamotten für Männer hatten nichts mit Mode zu tun. Dummerweise konnte Boerne unheimlich beharrlich sein, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte. Nach mehreren Tagen mit zähen Diskussionen in jeder freien Minute war Thiels Widerstand gebrochen und er hatte der Einkaufstour zugestimmt. Um endlich wieder seine Ruhe zu haben. Boerne hatte sich immerhin bereit erklärt, den Anzug zu bezahlen, und das einzige, was diese Aktion Thiel kosten würde, war eine Stunde seiner Lebenszeit.

Und seine Würde, ganz offensichtlich.

Das wurde ihm aber erst jetzt klar, als sie im Laden standen und Boerne über seinen Kopf hinweg mit dem Verkäufer verhandelte.

  "Ich hatte an einen leichten Sommeranzug gedacht, am besten etwas in -"

  "Boerne!"

  "Thiel, jetzt unterbrechen Sie mich nicht ständig, das dauert so doch nur länger." Boerne wandte sich wieder dem Verkäufer zu. "Wenn Sie wüßten, was für ein Aufwand das war, ihn überhaupt hierher zu bekommen. Also, wo war ich stehen geblieben -"

  "Das reicht jetzt wirklich."

  "Wie bitte?"

  "Vielen Dank für die Mühe, aber ich finde mich schon allein zurecht." Der Verkäufer wirkte etwas irritiert, als er Boerne am Handgelenk packte und zur Seite zog. "Sind Sie noch ganz bei Trost?"

  "Thiel, was -"

  "Ich suche jetzt einen Anzug, das Ding wird gekauft, und wir verschwinden hier wieder! Und wenn ich Sie noch einmal mit einem Verkäufer über 'Problemzonen' reden höre, können Sie die Feier vergessen!"

  "Thiel, jetzt seien Sie doch nicht -"

  "Kein Wort mehr!"

Er stapfte wütend los und griff den erstbesten Anzug in seiner Größe. Boerne war und blieb doch echt ein Vollpfosten. Manchmal fragte er sich, warum er überhaupt ... Hätte er bloß an diesem unseligen Morgen nicht bei Boerne geklingelt! An allem war nur die Jacke schuld. Gut, er war nach seinem Sturz in den Aasee - an dem sein Kollege nebenbei gesagt nicht ganz unschuldig war - klatschnaß gewesen und hatte im frischen Wind gefroren wie ein Schneider, aber hätte er gewußt, wohin das alles führen würde, hätte er sich lieber eine Lungenentzündung geholt, als Boernes Jacke anzunehmen.

Sein Ärger war eher noch gewachsen, als Boerne ihn vor der Umkleidekabine abfing.

  "Was ist das denn?" Der andere warf einen kritischen Blick auf den Anzug, den Thiel herausgesucht hatte. "Der paßt Ihnen doch nicht."

Ja super. Das hatte ihm gerade noch gefehlt, daß ihm Boerne unter die Nase rieb, daß bei ihm das Verhältnis von Größe und Breite nicht unbedingt dem Standardmaß entsprach. "Das ist meine Größe! Besser wird's nicht!"

  "Sie brauchen eine Zwischengröße."

  "Zwischenwas?"

Boerne sah ihn entgeistert an. "Zwischengröße - das ist doch sonnenklar. Das hören Sie doch wohl nicht zum ersten Mal."

Thiel atmete tief durch, um sich zu beruhigen. "Ich habe keine Ahnung, was Sie sich vorstellen - aber Anzüge kaufen gehört nicht zu meinen Hobbys!"

  "Ja, aber -"

  "Und ich weiß selbst, daß ich ... daß ich ..."

  "Was?" Boerne sah ihn fragend an.

  "Nichts." Er hätte sich lieber weiter geärgert, statt sich elend zu fühlen. Mußte er Boerne wirklich erklären, daß es kein Spaß war, Klamotten einzukaufen, wenn einem ständig alles zu groß und zu eng war?

Offensichtlich nicht, denn Boerne sah so aus, als sei ihm eben ein Licht aufgegangen. Er legte sich schon eine giftige Antwort zurecht, aber erstaunlicherweise ritt sein Kollege nicht mehr weiter auf dem Thema herum.

  "Jetzt gehen Sie eben in die Umkleidekabine, und ich suche Ihnen etwas Passendes raus. Es ist doch nicht zu fassen ..."

Das erinnerte ihn alles verdammt an Einkaufstouren mit Susanne. Warum hatte er sich nur auf diese ganze Sache eingelassen ...


***


Boerne hatte ihm drei Anzüge mitgebracht mit einer Größenangabe, die er noch nie gesehen hatte. "Was ist das denn?"

  "Die Zwischengröße, sag ich doch." Boerne rollte mit den Augen. "Probieren Sie den mal an, der dürfte Ihnen gut stehen."

Der Vorhang wurde mit einem lauten Geräusch zugezogen, und er stand plötzlich wieder alleine vor dem Spiegel.

  "Ich bin wirklich in der Lage, alleine einen Anzug zu kaufen." Irgendwie hatte er das Gefühl, daß er diesen Punkt unbedingt klarstellen mußte.

  "Offensichtlich nicht", drang ein leises Murmeln an sein Ohr, aber bevor er das kommentieren konnte, fuhr Boerne lauter fort: "Wenn ich Sie schon mitnehme, möchte ich, daß Sie passabel aussehen. Immerhin wird der Rest meiner Verwandtschaft glauben, wir wären zusammen."

Thiel seufzte gequält. Den Gedanken hatte er schon fast wieder erfolgreich verdrängt gehabt. "Aber wir trennen uns doch in Kürze."

  "Trotzdem."

Trotzdem. Zum Glück war er nicht wirklich mit Boerne zusammen und mußte das verstehen. Er sah in den Spiegel und stellte überrascht fest, daß der Anzug paßte.

  "Fertig?"

Boerne schob den Vorhang wieder zurück, bevor er antworten konnte. "Er paßt", erklärte Thiel immer noch verblüfft. Der Anzug saß auf jeden Fall besser als jeder andere, den er seit seinem Konfirmationsanzug gekauft hatte.

  "Hm." Boerne beugte sich nach unten und zog an seinem Hosenbein.

  "He!"

  "Die lassen wir noch einen Zentimeter kürzen, ansonsten sitzt er." Boernes Gesicht tauchte hinter ihm im Spiegel auf. "Sieht doch gut aus."


***


Nachdem das mit dem Anzug geschafft war, hatte Thiel die Zähne zusammengebissen und Boerne Hemd, Krawatte und was ihm sonst noch fehlte aussuchen lassen. Je weniger er sich sträubte, desto schneller kamen sie aus dem Laden wieder raus. Boernes Stammkundenstatus hatte dazu geführt, daß die Hose seines neuen Anzugs gekürzt war, bevor sie den Rest der Sachen zusammenhatten. Das bedeutete, daß er sich hier glücklicherweise nicht noch einmal blicken lassen mußte. Er fühlte sich ohnehin schon wie Boernes … Spielzeug, und er hoffte, keinem der Menschen, die ihn in dieser Lage gesehen hatten, noch einmal wiederzubegegnen.

  "Vielen Dank, Professor Boerne, und beehren Sie uns bald wieder."

Ihm war etwas schwindelig geworden, als die Summe des Einkaufs auf der Kasse erschienen war, aber Boerne zahlte, ohne mit der Wimper zu zucken.


***


  "Eigentlich könnte ich den Anzug nach der Feier doch einfach wieder zurückgeben, oder?"

Boerne sah ihn entsetzt an.

  "Naja, ich dachte, wenn ich vorsichtig bin … dann ist der doch noch so gut wie … neu …"

Boerne nahm ihm die Tasche ab und legte sie vorsichtig in den Kofferraum.

  "Thiel."

  "Ja?"

  "Reden Sie nicht solchen Unsinn. Ich hätte nicht gesagt, daß ich den Anzug bezahle, wenn ich mir das nicht leisten könnte."

  "Ich meinte ja nur -"

  "Wir sollten heute Abend üben."

  "Üben?"

  "Unseren Auftritt. Wäre doch schlecht, wenn wir uns nach dem ganzen Aufwand vor der Verwandtschaft selbst enttarnen."

Thiel stöhnte.


***


  "Vielleicht sollten wir eine Hintergrundgeschichte abstimmen – damit wir uns nicht widersprechen, falls wir getrennt verhört werden."

Für sein Gefühl machte die Sache Boerne eindeutig zu viel Spaß. "Verhört?"

  "Du weißt schon, du wirst von Tante Gisela in die Mangel genommen und ich von Onkel Heinz."

  "Hast du nicht gesagt, deine Verwandtschaft redet nicht über Privates?"

Boerne goß ihm Wein nach. "Bestimmt fragt niemand nach Details, aber wir sollten schon wissen, wie lange wir zusammen sind und so weiter. Ich habe da mal ein kleines Dossier ausgearbeitet …"

  "Hast du noch alle Tassen im Schrank?" Thiel schob den Packen Papier, den Boerne ihm gegeben hatte, entschieden beiseite. "Das artet langsam in Arbeit aus."

  "Ich wollte doch nur sichergehen, daß wir -"

Thiel seufzte. "Die einfachsten Lügen sind die, die am nächsten an der Wahrheit sind. Dann ist das Risiko am geringsten, daß man sich widerspricht. Dafür brauchst du keine hundert Seiten."

  "Das waren nur dreiund -"

  "O.K., die Basisdaten." Thiel fuhr sich durch die Haare. "Seit wann kennen wir uns? Seit zweieinhalb Jahren. Seit wann sind wir zusammen? Seit einem halben Jahr – alles andere wäre unwahrscheinlich, Sie würden es nie schaffen, so etwas länger für sich zu behalten."

  "Du. Wenn du da schon Fehler machst, sieht es schlecht aus."

Er ignorierte den Einwurf. "Wir wohnen immer noch getrennt, weil man in unserem Alter nicht mal eben zusammen zieht. Und auf der Arbeit weiß noch niemand was von der Sache, weil das nur die Arbeitsbeziehungen komplizierter machen würde."

Boerne hatte angefangen, sich Notizen zu machen. "Wer hat wen angesprochen?"

  "Was?"

  "Wer hat den ersten Schritt gemacht?"

  "Ach so." Thiel überlegte. Am wahrscheinlichsten erschien es ihm –

  "Klingt mehr nach mir", beendete Boerne seinen Gedanken, und Thiel runzelte die Stirn.

  "Soweit kommt's noch. Ich bin aber nicht die Frau in dieser Beziehung."

  "Pff … laß' das mal lieber nicht deine Frauenbeauftragte hören." Boerne lächelte amüsiert. "Außerdem glaube ich, du hast da was fundamental falsch verstanden, was homosexuelle Beziehungen angeht."

  "Als hättest du da so viel mehr Ahnung von", brummte Thiel.

  "Ich weiß jedenfalls – Vorsicht, die Krawatte!" Boerne stoppte ihn, zwei Zentimeter bevor die Krawatte im Teller hing.

  "Mistding", fluchte Thiel. "Ich habe doch gesagt, Tomatensoße ist eine schlechte Idee."

  "Nach diesem Training wird dir übermorgen alles ganz harmlos vorkommen“, erklärte Boerne gut gelaunt.

Thiel mußte zugeben, daß die Idee, den neuen Anzug gleich heute Abend 'einzutragen', gar nicht so schlecht gewesen war. Er fühlte sich schon deutlich weniger steif. Und vielleicht gewöhnte er sich auch noch irgendwann daran, auf Krawattenenden und Jackettärmel aufzupassen, ohne daß Boerne ihm ständig zu Hilfe eilen mußte.


***


  "Ich weiß ja nicht so genau, ob das jetzt wirklich was bringt. Eigentlich unterscheidet sich der Abend überhaupt nicht von einem der anderen Abende, die wir in den letzten Monaten zusammen verbracht haben. Bis auf den Anzug natürlich." Komisch, daß ihm das jetzt erst auffiel, nachdem sie gegessen, ihre Coverstory abgesprochen hatten und jetzt bei einem letzten Glas Wein auf dem Sofa saßen.

Boerne sah zur Seite. "Wir duzen uns."

  "Ja schon ..."

  "Was stellst du dir denn sonst vor, wie ein Paar den Feierabend verbringt?"

Er versuchte, sich an Abende mit Susanne zu erinnern, bevor Lukas zur Welt gekommen war. Meistens hatten sie zusammen gekocht, gegessen und ferngesehen. Und … nunja. Das kam jetzt natürlich wirklich nicht in Frage. Ein Punkt für Boerne.

  "Trotzdem finde ich, daß der Übungseffekt-"

Boerne legte einen Arm um seine Schulter und zog ihn näher.

  "Besser?"

  "Ähm ... " Er vermied es zur Seite zu sehen. "Wieso legst ... du den Arm um mich und nicht umgekehrt?"

  "Weil ich größer bin."

  "Aha."

...

  "Wir kommen damit nie durch, Boerne. Nie im Leben."

  "Solange du dich nicht verplapperst, beim Du bleibst und mich Karl-Friedrich nennst, klappt das", erklärte Boerne mit übertriebener Zuversicht in der Stimme. "Du mußt dir das einfach nur als Undercover-Einsatz vorstellen. Werdet ihr für so etwas nicht ausgebildet?"

Thiel seufzte. "Für sowas ganz sicher nicht."


*** tbc ***



>> Kapitel 4
Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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