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Klaustrophobie (Thiel / Boerne Slash) - Kapitel 1

Rating: P 12
Genre: First Time, h/c (ein kleines bißchen), angst (ein wenig, auf Thiels Seite), Humor (nicht so viel wie sonst, aber auch nicht ganz ohne)
Länge: 3.500 Wörter (verteilt auf 3 Kapitel)
Beta: readonly56
Handlung: Eine smutfreie Fahrstuhlgeschichte - zur Abwechslung ;)
A/N: Zum Glück hat mich ReadOnly angestupst, und so ist aus dieser alten Idee doch noch ein kleiner Dreiteiler geworden. Diesem Fandom fehlte ganz eindeutig noch eine "einer der beiden leidet unter Klaustrophobie"-Geschichte ;) Finde ich jedenfalls.  




*** Kapitel 1 ***


Der Fahrstuhl ruckelt bedenklich.

  "Ich habe Ihnen doch gleich gesagt, wir hätten die Treppe nehmen sollen! Etwas Bewegung wäre sowieso besser für Sie."

Thiel wirft Boerne einen giftigen Seitenblick zu. Seit er heute Morgen beim Aufstehen über seine Jeans gestolpert und längslang auf den Boden geknallt ist, hat sich dieser Tag noch kein bißchen gebessert.

Der Fahrstuhl ruckelt zum zweiten Mal, nur um mit einem knirschenden Geräusch abrupt abzustoppen.

Auch das noch.



***


  "Ganz ruhig ..." Seinen ersten Impuls, Boerne in den Arm zu nehmen, hatte er schnell verworfen. Das machte es vermutlich noch schlimmer. Stattdessen griff er nach Boernes Hand. "Machen Sie die Augen zu."

  "Was?!" Boerne klang immer noch panisch.

  "Vertrauen Sie mir ... machen Sie die Augen zu." Boerne schloß die Augen und klammerte sich an seiner Hand fest.

  "Und jetzt denken Sie an irgendwas weites, offenes. Irgendwo draußen. Ganz viel Platz."

Boerne sagte nichts, aber Thiels Hand wurde nicht mehr ganz so schmerzhaft gequetscht.

  "Woran denken Sie?"

  "Eine Wiese."

Thiel atmete erleichtert auf. Das schien zu funktionieren. Boernes Gesichtsausdruck war sehr konzentriert, als wäre es eine enorme Anstrengung, sich eine Wiese vorzustellen. Vielleicht half es, wenn er ...

  "Hören Sie das Zirpen?"

Boerne entspannte sich. "Ja."

  "Es ist warm ..." Er konzentrierte sich selbst auf ein Bild, das ein Gefühl von Weite vermittelte. "Das Gras bewegt sich im Wind ... am Himmel sind nur ein paar kleine Wölkchen. Wir sind weit weg von allem ... man kann bis zum Horizont sehen ..."

  "Da ist eine Lerche."

  "Genau. Eine Lerche." Was auch immer half.

  "Man hört sie immer ewig, bevor man sie sieht ..." Boerne klang abwesend, aber inzwischen ganz ruhig. "Da, der kleine Punkt da oben, sehen Sie ihn?" Erst als Boerne ohne die Augen zu öffnen zur Decke des Fahrstuhls deutete, wurde ihm bewußt, daß hier irgendetwas schief gelaufen war. Entweder hatte er hypnotische Fähigkeiten, von denen er bisher nichts geahnt hatte, oder Boerne hatte sich von alleine so tief in seiner Vorstellung verkrochen, daß er jetzt ... wo auch immer war.

  "Sehen Sie sie?"

  "Ja." Er griff nach Boernes Hand und zog sie wieder zu sich. "Jetzt schon." Die Panikattacke war vergessen, und vielleicht war es das beste, Boerne in diesem Zustand zu halten. Er hoffte bloß, daß er da auch wieder rauskommen würde. Vielleicht war das ja wie eine Art Schlaf. Oder ein Traum. Sicher nichts Gefährliches. Hoffentlich nichts Gefährliches. Jedenfalls würde er nicht jetzt versuchen, Boerne zu wecken. Das war immer noch besser, als wenn er sich den Kopf an der Fahrstuhlwand einschlug. Der Ort, an dem er jetzt war, schien definitiv netter zu sein.

  "Was machen wir denn zu zweit auf einer Wiese?" Boerne klang mit einem Mal ratlos und er reagierte sofort, bevor der andere anfing an seiner Vorstellung zu zweifeln. "Ein Picknick."

  "Ein Picknick?" Das hörte sich ein bißchen zweifelnd an. "Wie nett." Thiel atmete erleichtert auf. Mission accomplished. Das sollte ihn eine Weile beschäftigen.

Boerne lehnte gegen seine Schulter und murmelte etwas.

  "Was?"

  "War das Ihre Idee?"

  "Das mit dem Picknick?" Er fühlte sich langsam ein wenig wie Alice im Wunderland. Zum Glück schien es relativ egal zu sein, ob das was er sagte Sinn ergab. Wahrscheinlich mußte er nur irgendwie auf Boerne reagieren. Obwohl, sicher war sicher ...

  "Sehe ich aus, als würde ich Picknicks planen? Das war natürlich Ihre Idee."

  "Nett, daß Sie mitgekommen sind."

Boerne war in diesem Zustand offensichtlich nicht er selbst, dachte Thiel amüsiert. So offen würde er das in echt nie sagen.

  "Klar." Er drückte Boernes Hand, die immer noch in seiner lag. "Warum denn nicht."

Boerne bewegte sich und drehte sich halb zu ihm. Thiel reagierte sofort und legte einen Arm um seine Schulter. Keine gute Idee, ihn aufstehen zu lassen. Wenn er mit einer Fahrstuhlwand zusammenstieß, war es mit der weiten offenen Wiese garantiert vorbei.

  "Thiel?"

Boerne sah ihn an, oder auch nicht. Das war ein bißchen unheimlich, denn obwohl die Augen des anderen jetzt offen waren, schien er ihn nicht wirklich zu sehen. Oder nicht wirklich ihn.

  "Thiel ..."

  "Ganz ruhig. Alles ist in Ordnung."

Boerne hatte wieder diesen hochkonzentrierten Gesichtsausdruck. "Ich muß Ihnen unbedingt etwas sagen."

Oh nein. Das war keine gute Idee ihn weiterreden zu lassen, worum auch immer es ging. Wenn er sich eine solche Situation je vorgestellt hätte, hätte er die Idee vermutlich lustig gefunden, daß Boerne ihm etwas verraten könnte, was er ihm wach nie sagen würde. Aber jetzt fühlte sich das gar nicht lustig an, stattdessen hatte er das starke Bedürfnis Boerne zu schützen.

  "Nein. Sie müssen mir gar nichts sagen."

  "Aber es ist sehr wichtig, ich muß unbedingt ..."

  "Alles in Ordnung. Ich weiß es schon." Das sollte helfen, dachte Thiel erleichtert. Und tatsächlich schien eine Last von Boerne abzufallen. Er lächelte. An dem Lächeln war nichts auszusetzen, außer daß es ein wenig unheimlich war, weil Boerne sonst nie so … offen lächelte.

  "Das ist viel einfacher, als ich gedacht hatte ..."

Thiel nickte und wollte etwas sagen, als Boerne plötzlich näher kam. Er brauchte einige Sekunden um zu verstehen, was gerade passierte, aber spätestens als Boernes Lippen seine berührten, fiel der Groschen. Hatte Boerne ihm das sagen wollen? Oder war das jetzt ein anderer Traum, und er vielleicht auch ein anderer? Er hatte zu große Angst, Boerne zu wecken, um irgendetwas zu tun. Zum Glück schien Boerne zumindest in diesem Zustand kein stürmischer Küsser zu sein. Eher sanft, und - Bevor er auf andere Gedanken kommen konnte, griff Thiel nach der Hand, die sich in seinen Haaren vergraben hatte, drehte seinen Kopf leicht zur Seite und zog Boerne in seine Arme. Das war alles in allem doch die harmlosere Variante, dachte er, während sich sein Herzschlag langsam wieder normalisierte.

  "Thiel?"

Soviel zu seiner Hoffnung, daß Boerne vielleicht an jemand anderen gedacht haben könnte.

  "Sch ... alles in Ordnung."

  "Das ist ein luzider Traum", erklärte Boerne plötzlich. "Deshalb fühlt sich alles so echt an."

  "Was?"

  "Du bist nicht echt ..." Boernes Finger glitten zwischen seine. "Es ist alles viel zu einfach. Du bist nicht real. Die Wiese ist nicht real. Nichts hier ist ..."

  "Red' keinen Unsinn." Ausgerechnet jetzt sollte Boerne auf keinen Fall wach werden. Das wäre zu ... "Wir sitzen hier an einem schönen Sommernachmittag in der freien Natur, und alles ist gut."

  "Wunschträume ...", murmelte Boerne gegen seine Schulter. "Ich finde das ganz schön schwach von meinem Unterbewußtsein. Blümchen, zirpende Insekten ... warum träume ich nie etwas, was sich wirklich lohnt? Wir kommen nie weiter ... das ist ganz schön frustrierend. Oder passiert das in den Träumen, an die ich mich nicht erinnere?"

  "Ich ... keine Ahnung." Ihm war ziemlich heiß geworden. Boernes Atem auf seiner Haut machte das ganze nicht einfacher.

  "Wie solltest du auch. Du bist ich, und was ich nicht weiß, weißt du auch nicht. Das ist völlig logisch."

  "Aha."

  "Ich bin müde."

  "Schlaf ein bißchen." Vielleicht war das die Lösung. Wenn Boerne wirklich einschlief, konnte er zumindest nicht mehr reden.

  "Nein ..."

  "Warum nicht?"

  "Wenn ich im Traum einschlafe, dann wechsle ich in die Tiefschlafphase. Der Traum endet." Boerne schmiegte sich enger an ihn. "Ich will aber nicht, daß der Traum endet ..."

  "Aber ich bin doch gar nicht real." Zumindest in diesem Zustand sollte es ihm doch wohl möglich sein, Boerne von etwas zu überzeugen.

  "Das ist mir egal." Boernes Stimme war nur noch ein Flüstern. "Realer als jetzt wird es nie."

Thiel schluckte. Er schloß die Arme fester um den anderen und versuchte es noch einmal.

  "Ich bleibe hier, du kannst ruhig einschlafen. Es ist alles in Ordnung."

  "Das sagst du jedesmal. Aber du bist nie da, wenn ich wach werde."

Boerne klang so traurig, daß er instinktiv die Hand hob und durch sein Haar strich.

  "Diesmal bin ich da. Versprochen." Hoffentlich würde Boerne sich später an nichts erinnern. Das wäre ihm sicher mehr als peinlich. "Schlaf jetzt ein."

Es funktionierte.

*** tbc ***




>> Kapitel 2
Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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