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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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Klaustrophobie (Thiel / Boerne Slash) - Kapitel 2



***


Thiel dachte an gar nichts. Die Minuten verstrichen, bis er schließlich gedämpfte Stimmen hörte, was hoffentlich bedeutete, daß Hilfe unterwegs war. Sie waren wahrscheinlich fast auf der Höhe einer Etage steckengeblieben, sonst würde er nichts hören. Vielleicht fehlten nur ein paar Zentimeter, und deshalb öffnete sich die Tür nicht. Das war das einzige, was ihm durch den Kopf ging. Das ... Gespräch - es war nicht richtig, daß er das gehört hatte. Es wäre besser, wenn er es nie gehört hätte. Wenn er sich nur genug anstrengte, konnte er das auch wieder vergessen. Was außer ihm selbst niemand wußte ... das existierte auch nicht. So einfach. Thiel dachte an gar nichts. Er wünschte nur, er könnte auch nichts fühlen.

Es war viel schwerer, den warmen Körper in seinen Armen zu ignorieren als die Gedanken. Aber er traute sich nicht, Boerne loszulassen, weil er Angst hatte, daß er dabei wieder wach werden könnte. Bevor man sie hier rausholte. Und er hatte versprochen ... Der Fahrstuhl bewegte sich mit einem ächzenden Geräusch einige Zentimeter, und Thiel hielt vor Schreck den Atem an.

  "Alles in Ordnung da drin?" Die Stimme war immer noch sehr gedämpft, aber verständlich. Thiel nickte, bis ihm einfiel, daß das nichts brachte. Aber er wollte nicht rufen und Boerne zu früh wecken.

  "Wir hebeln die Tür jetzt auf!"

Er hörte ein Knarren und sah, wie die Fahrstuhltür sich einen Spalt öffnete. Das beendete wenigstens die Untätigkeit. Er berührte Boerne vorsichtig an der Schulter.

  "Boerne?"

...

  "Boerne!"

  "Hm ...?" Boerne blinzelte ihn verwirrt an und ihm wurde vor Erleichterung ganz schlecht. Ganz hinten in seinem Kopf war die ganze Zeit die irrationale Angst gewesen, daß das kein normaler Schlaf war und Boerne vielleicht nicht mehr wach werden würde.

  "Was machen Sie denn da?!" Boerne wand sich ungeduldig aus seinem Arm.

  "Ich ..." Thiel war einen Moment lang sprachlos. "Sie hatten einen Anfall von Platzangst, und -"

  "Klaustrophobie", verbesserte ihn Boerne unwirsch. "Platzangst ist das Gegenteil." Thiel hätte ihm am liebsten einen Tritt verpaßt, aber als er sah, daß Boernes Augen schon wieder hektisch von einer Ecke des Fahrstuhls in die andere huschten, war ein anderer Impuls stärker.

  "Die Tür wird gerade aufgehebelt. Sehen Sie da, den Spalt? Wir sind gleich hier raus."

Er griff wieder nach Boernes Hand, das hatte beim ersten Mal auch geholfen.

Boernes Blick kam auf der Tür, die sich Zentimeter um Zentimeter öffnete, zum Stillstand. Die Berührung schien er gar nicht wahrzunehmen.

  "Wieso bin ich denn eingeschlafen?" Boerne klang plötzlich verwirrt.

Thiel zog unwillkürlich den Kopf tiefer zwischen die Schultern. Er hatte gehofft, daß Boerne das vielleicht entgehen würde. Oder daß die Fragen wenigstens nicht so schnell kommen würden.

  "Sie haben sich ... also, sie haben sich einen anderen Ort vorgestellt, zur Beruhigung, und dann sind Sie ... irgendwie ... eingeschlafen."

  "Und Sie dachten, es hilft gegen die Klaustrophobie, wenn Sie mich noch mehr einengen oder was?!" entgegnete Boerne so giftig, daß Thiel überrascht seine Hand los ließ.

  "Ich -"

Aber in dem Moment öffnete sich die Tür endlich weiter, und Boerne war so schnell aus dem Fahrstuhl, daß er seinen Satz nicht mehr beenden konnte.


***


Thiel war wie vor den Kopf geschlagen. Erst hatte Boerne ... und jetzt ... Offensichtlich erinnerte er sich nicht. Vielleicht wußte er ja nicht einmal, was er träumte. Er hätte erleichtert sein sollen. Stattdessen fühlte er sich auf merkwürdige Art und Weise verletzt.

Aber er hatte nicht lange Zeit, darüber nachzudenken, weil ihn mehrere Leute gleichzeitig fragten, was passiert war und ob es ihm gut ging. Er entschuldigte sich für Boerne, der in seiner unnachahmlichen Art ohne ein Wort des Dankes ins Freie gestürzt war - "Platzangst, er mußte dringend raus." - erklärte, daß sie nichts Ungewöhnliches getan hatten, sondern daß der Fahrstuhl einfach von sich aus gestockt hatte - "Wir sind nicht auf und ab gehüpft, wenn Sie das meinen." - und daß ihm nichts fehlte - "Nein, ich brauche keinen Arzt."

Nachdem er sich noch einmal für die schnelle Hilfe bedankt hatte, ging er los, Boerne suchen.

Erst unterwegs fragte er sich, warum er das immer wieder machte. Boerne war ziemlich unfreundlich gewesen. Wenn es ihm dafür gut genug ging, brauchte er wohl kaum Hilfe. Andererseits brauchte er Boerne. Also, Boernes Auto.  

Thiel schüttelte ungeduldig den Kopf. Er hatte doch beschlossen, nicht weiter darüber nachzudenken. Er würde jetzt einfach Boerne einsammeln, damit der ihn beim Polizeipräsidium absetzte. Und Schluß.

Er mußt eine Weile suchen, bis er Boerne am Rand des Parkplatzes auf einer Mauer sitzend fand. Als er näher kam, sah er, daß der andere ziemlich blaß war, und sein Ärger legte sich wieder.

  "Alles in Ordnung mit Ihnen?"

  "Selbstverständlich."

Thiel seufzte. Aber andererseits - es war ja nun nicht so, als hätte er das Bedürfnis, Boernes Ängste zu analysieren. Wenn er sagte, daß es ihm gut ging, dann sollte ihm das reichen.

  "Können wir fahren?"

  "Ich ..." Boerne wirkte plötzlich verlegen. "Ich würde gerne noch einen Moment an der frischen Luft ..."

  "Mhm."

  "Was?"

  "Schon gut. Ich bin eh schon zu spät, da kommt es auf fünf Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr an."

Er stemmte sich hoch, um sich neben Boerne zu setzen, und wäre fast von der Mauer gekippt, weil er zu viel Schwung genommen hatte. Boernes Arm stoppte ihn und war im nächsten Moment wieder weg, so schnell, daß er fast daran zweifelte, daß es die Berührung wirklich gegeben hatte. Thiel räusperte sich.

  "Niemand ist gerne in engen Räumen eingesperrt." Keine besonders geistreiche Bemerkung, aber bevor sie hier schweigend nebeneinander saßen.

  "Mhm." Boerne sah in die Ferne.

  "Erinnern ... erinnern Sie sich an etwas?"

  "Woran sollte ich mich denn erinnern?" Boerne sah ihn überrascht an.

  "Nur ... was Sie sich vorgestellt haben, damit Sie eingeschlafen sind." Thiels wurde es schlagartig heiß. Wieso fragte er überhaupt? Das wirkte doch erst recht verdächtig. "Weil das ziemlich unheimlich war ... irgendwie." Das stimmte auf jeden Fall.

Boerne runzelte die Stirn. "Ich kann mich nur an eine Wiese erinnern. Die Kraft der Autosuggestion ist schon etwas Faszinierendes."

Thiels Herzschlag beruhigte sich wieder. Gut. Oder?

  "Meinetwegen können wir dann fahren", sagte Boerne bestimmt, und er nickte.


*** tbc ***




>> Kapitel 3

Comments

Waaah, was ist denn das jetzt für ein Cliffhanger bitteschön? D:

Und wenn man Boerne im ersten Kapitel noch knuddeln wollte, dann würde man ihm jetzt am liebsten einmal mit Anlauf in den Hintern treten. Jetzt ist auf jeden Fall Thiel derjenige, den man gerne trösten möchte.

Ich hoffe mal, dass du das in Kapitel 3 alles wieder gerade biegst. :P

OMG, noch gut 24 Stunden bis zum nächsten Kapitel... wie soll ich ds bloß aushalten?! GNARF!
Ähm... ich habe gerade erst beim Lesen der Kommentare auf FF.de gemerkt, dass mir hier anscheinend ein entscheidender Teil entgangen ist... *hust* Ich war wohl so belämmert, dass ich ab dem ersten Trennzeichen auf nen anderen Tab gesprungen bin und gar nicht gesehen habe, dass der Text noch weiter ging xD Also nehme mein Geschimpfe bitte nicht ernst, war echt ein gutes Kapitel.

Und der Tritt mit ANlauf für Boerne wird jetzt auch nur ein leichter Klaps auf den HInterkopf ; )
Oh sorry, das war meine Schuld, nicht Deine. ich hatte erst nur einen Teil des Textes reinkopiert, versehentlich, mich dann gewundert, warum das Kapitel so kurz ist, und dann schnell den Rest ergänzt *hust*

Und ja ... DAS wäre wirklich ein fieser Hänger gewesen :)
Und ich dachte schon...
Vielleicht sollte ich dich das nächste Mal nicht so hetzen :P

Mal sehen, ob ich zur Überbrückung noch ein paar kleine, selbstständige Szen(ch)en schreibe. Soundtracks können unheimlich animierend sein... und zu längeren, zusammenhängenden Texten fehlt mir im Moment einfach die Konzentration.
:)

Du weißt doch, das ist der Liebesgeschichten-Dreisatz: erst nähern sie sich an, dann streiten sie sich, und dann kriegen sie sich ;)

Und ja, Boerne ist gerade nicht so nett. Aber ReadOnly meinte, er müsse nach dem Aufwachen sein "altes garstiges Selbst" sein, und ich hab' das genauso gesehen ;)

Vielleicht schaffe ich es ja, es morgen früh schon einzustellen ...
Huhu!

Ich bin auch der Meinung Boerne sollte nach den aufwachen sein "altes garstiges Selbst"
(Den Ausdruck finde ich übrigens genial.^^)
sein.
Es passt einfach zu ihn sich erstmal eine Schutzwand zu bauen, nachdem er so viel von sich selber preisgegeben hat.

Besonders gut gefällt mir an diesen Kapitel die Szene auf der Mauer. Erstens das Bild, wie Boerne mit seinen gepflegten Anzug auf einer dreckigen Maue sitzt und zweitens Thiel der sich hochstemmt, fast runterfällt und dann unaufällig von Boerne gerettet wird.
Sehr schön.

"Andererseits brauchte er Boerne. Also, Boernes Auto."
Ich mag es immer wieder, wenn du solche Sätze einbaust.^^

So werde jetzt gleich mal Kapitel drei lesen gehen.^^
Bis gleich!
Danke :)

Das "alte garstige selbst" ist von Boerne über Boerne (aus Der dunkele Fleck), und wirklich sehr passend ;)

Bei der Mauerszene sehe ich ihn mit baumelnden Füßen da sitzen, was ich auch ein sehr hübsches Bild finde. Erinnert mich an eines, das einige hier als Icon haben (wo die zwei auf einem Steg (?) nebeneinander sitzen)

An sich sind Kapitel 2 und 3 ja nur noch so ein bißchen Geplänkel, schön, daß sie Dich trotzdem unterhalten.

Ich mag es immer wieder, wenn du solche Sätze einbaust.
Ich auch :)

Edited at 2012-06-30 08:53 pm (UTC)
Was außer ihm selbst niemand wußte ... das existierte auch nicht. So einfach. Thiel dachte an gar nichts. Er wünschte nur, er könnte auch nichts fühlen.

Meine Lieblingsstelle in diesem Kapitel kommt gleich zu Beginn. Da leidet man doch glatt mit. :)
Ja, hier kann man abwechselnd mit Boerne und mit Thiel leiden ;)

Aber im nächsten Kapitel löst sich ja schon alles in Wohlgefallen auf *hust*

Ich habe ja ein wenig das Gefühl, daß ich es hier mir (und Thiel) zu einfach gemacht habe. Aber was hilft's - ich hätte keine großartigen weiteren Ideen für diesen Anfang ...