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Gemeinsamkeiten: Teil 2 (Thiel/Boerne Slash)

Rating: PG 16 Slash
Länge:  ca. 1.500 Wörter
Handlung: Zwei Wochen später ... als "Gemeinsamkeiten"
Warnungen: just fluff
Kommentar der Autorin: Irgendwie hatte ich dann doch Lust, nach dem Ende weiterzuschreiben. Ist das jetzt noch ein Oneshot? Derzeit noch völlig ohne beta, d.h. Anmerkungen und Kritik sind willkommen. Das Ende ist ein bißchen abrupt.

15.6.: Erste Überarbeitungen sind drin - danke an Farfie und Jo :)

Die nächsten Tage vergingen verflucht langsam. Die Zeit schlich nur so dahin. Thiel konnte sich nicht erinnern, wann ihm zwei Wochen jemals so lange vorgekommen waren - sein letzter Urlaub war im Vergleich dazu jedenfalls wie im Flug vergangen.
Nach der Szene im Präsidium waren seine Kollegen ein paar Tage wie auf rohen Eiern um ihn herumgeschlichen. Allerdings hatte ihn niemand angesprochen oder eine dumme Bemerkung gemacht. Er hatte den starken Verdacht, daß er das Nadeshdas Auftritt Boerne gegenüber zu verdanken hatte. Letztendlich war es ihm aber egal, woran es lag - er war einfach froh, daß ihm irgendwelche Peinlichkeiten erspart blieben. Nach kurzer Zeit entspannten sich alle wieder, und die Zusammenarbeit lief eigentlich wie zuvor. Auch Boerne benahm sich wie immer, allerdings kam es Thiel so vor, als ginge ihm der andere aus dem Weg. Vielleicht lag das aber auch nur daran, daß er zum ersten Mal, seit sie sich kannten, gerne mehr von Boerne gesehen hätte. Die Geschichte mit Stefan hatte er darüber schon fast wieder vergessen.

Am Montagabend, zwei Wochen nach ihrem Gespräch im Präsidium, klingelte er an Boernes Tür. Er hatte mit sich gekämpft, ob er noch länger warten sollte, um nicht ganz so ... eifrig zu wirken. Aber er wollte einfach keinen Tag länger warten, und außerdem hätte Boerne sowieso durchschaut, daß er nur der Form halber jetzt noch einen oder zwei Tage länger gewartet hatte. Das wäre auch nicht besser gewesen.
Es dauerte ganz schön lange, bis Boerne an der Tür war. Der andere sah ihn überrascht an.
  "Was wollen Sie denn hier, Herr Thiel?"
Thiel fühlte sich einen Moment verunsichert. Hatte er da was falsch in Erinnerung? "Die zwei Wochen sind um ..."
  "Sind sie nicht. Wir haben uns montags unterhalten, und ich habe "in zwei Wochen" gesagt. Morgen sind es zwei Wochen!"
  "Wollen Sie jetzt wirklich mit mir über Begrifflichkeiten streiten?" Thiel holte tief Luft. Das war doch ... er hatte zwischenzeitlich ganz vergessen, wie anstrengend Boerne sein konnte. Soviel zur Realität. "Soll ich etwa morgen wiederkommen?!"
  "Nein ..."
  "Na also." Jetzt, da es endlich so weit war, wußte er plötzlich nicht mehr, wie er seine Frage formulieren sollte. Er ging verschiedene Möglichkeiten durch, um dann letztendlich bei einer ziemlich schwachen Alternative zu landen.
  "Und, wie sieht Ihre Antwort aus?"
  "Auf welche Frage?"
  "Boerne ..."
  "Sie können mich zum Essen einladen, wenn Sie wollen."
Thiel war im ersten Moment verwirrt. Was? War das jetzt ein Ja, oder ein Nein, oder ein Vielleicht? "Was soll das werden, Boerne? Vor zwei Wochen klang das aber noch anders. Wieso zieren Sie sich denn jetzt so?"
Boerne sah zu Boden, und Thiel hatte plötzlich den Eindruck, daß der andere ein bißchen verlegen war. Aber warum auf einmal? "Ich dachte, Sie suchen was Festes ...", murmelte Boerne schließlich.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Groschen fiel. Als er fiel, konnte er vor Erleichterung und Freude kaum reden. Er hatte Angst, etwas furchtbar Dummes zu sagen. Boerne sah ihn immer noch nicht an, und ihm wurde plötzlich klar, daß der andere auf eine Antwort wartete. Er räusperte sich.
  "Sie hätten also gerne ... das ganz große Programm, verstehe ich Sie da richtig?"
Boerne nickte.
  "Darf ich Sie dann heute Abend zum Essen einladen?"
  "Gerne. In einer Stunde?"
  "Das paßt. Ich hole Sie ab, in Ordnung?"
  "In Ordnung." Boerne sah erleichtert aus, und Thiel fühlte sich ein bißchen schwindelig vor Aufregung. Jetzt mußte er sich nur noch schnell überlegen, welches Lokal für diesen Anlaß angemessen war ...


***


Es war ihm offensichtlich gelungen, Boernes Geschmack zu treffen - wobei er den Verdacht hatte, daß der andere sich an diesem Abend ausnahmsweise einmal nicht beschwert hätte, selbst wenn er ihn mit zur nächsten Currywurstbude genommen hätte. Er hatte sich für seinen Lieblingsitaliener entschieden, auch, weil er dort häufiger hinging und das Lokal vertraut war. Heute konnte er allerdings vor Aufregung kaum etwas essen.
  "Ist alles in Ordnung, Thiel?" Boerne sah tatsächlich etwas besorgt aus. "Sie rühren Ihr Essen ja kaum an, und das kommt sonst ehrlich gesagt nie vor ..."
Thiel fühlte sich ertappt. War es so offensichtlich, daß er ... "Ich ... ähm, ich bin ein bißchen angespannt."
Boerne sah ihn an und schien nachzudenken. Dann legte er die Gabel beiseite, beugte sich zu Thiel hinüber, und küßte ihn. Thiel war im ersten Moment zu verblüfft, um zu reagieren. Da sie sich in der Öffentlichkeit befanden, war es ein ziemlich unschuldiger Kuß. Und ... irgendwie beruhigend. Er war sich plötzlich sicher, daß alles gut gehen würde. Gerade, als er sich so richtig mit dem Gedanken angefreundet hatte, Boerne zu küssen, ließ der andere ihn wieder los und wich zurück.
  "Besser?"
Thiel mußte kurz die Augen schließen, um sich zu sammeln. Das war doch noch ziemlich ungewohnt. Er hatte das Gefühl, daß ihn alle im Raum anstarrten. Vom Verstecken hielt Boerne offensichtlich wirklich nichts ...  Als er die Augen wieder öffnete, sah ihn natürlich niemand an. Außer Boerne.
  "Ja." Er griff schnell nach seiner Gabel und beschäftigte sich mit seinem Essen, um sich wieder in den Griff zu bekommen. Nachdem sich sein Pulsschlag beruhigt hatte, beschloß er, endlich die Frage zu stellen, die ihm schon den ganzen Abend auf der Zunge lag.

  "Sagen Sie ... wäre es vielleicht möglich, daß ich Sie langsam mal duze?"
  "Ich dachte schon, du fragst nie. Das wäre irgendwann doch ein wenig peinlich geworden." Thiel glaubte im ersten Moment, er hätte sich verhört.
  "Wieso denn ich? Wieso ... hast du denn nicht gefragt, wenn es dir so lieber ist?"
  "Aber Thiel, das geht doch nicht. Du bist älter, und das Du muß immer der Ältere dem Jüngeren anbieten, es sei denn, einer von beiden ist eine Frau, dann muß sie das Du anbieten, unabhängig vom Alter ... natürlich gibt es auch noch kompliziertere Konstellationen, bei denen das nicht so ganz klar ist, aber bei uns ..."
  "Siezen wir uns etwa seit fünf Jahren, weil du dich an irgendwelche bescheuerten Anstandsregeln hälst, die außer dir kein Mensch kennt!?"
Boerne sah ihn überrascht an, und Thiel wurde klar, daß der andere ihn ausnahmsweise nicht auf den Arm nahm. "Aber das weiß doch jeder."
  "Nein ... wirklich nicht."
  "Oh."

Danach wurde der Abend dann deutlich entspannter. Thiel vergaß zwischenzeitlich manchmal fast, daß sie eigentlich eine Verabredung hatten, während er mit Boerne über den aktuellen Fall und die Chancen von St. Pauli beim nächsten Spiel gegen Schalke redete. Aber nur fast, denn er wurde immer wieder daran erinnert, daß dieser Abend anders war. Wenn Boerne ihn anlächelte, und er ein Kribbeln im Bauch spürte zum Beispiel.


***


Er brachte Boerne bis zur Tür, was ein wenig albern war, da sie ja nebeneinander wohnten.
  "Tja dann ... gute Nacht." Thiel zögerte einen Moment. Aber auch wenn der andere die Sache offensichtlich langsam angehen wollte, ein weiterer Kuß - und diesmal ohne Publikum - sollte doch wohl akzeptabel sein. Als er sich vorbeugte, kam ihm Boerne entgegen. Unschuldig war jetzt wirklich nichts mehr. Wer war eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, daß sie das Ganze langsam angehen lassen sollten? Er wurde schließlich nicht jünger, und sie hatten ohnehin schon viel zu viel Zeit verloren ...
  "Weißt du ... eigentlich kennen wir uns ja schon ziemlich lange ..."
  "Komm schon rein ..." Ehe er sich's versah, wurde er in die Wohnung gezogen und gegen die Wand gedrängt. O.K. ... langsam war gestern.

  "Nicht daß ich mich beschweren würde ... aber wolltest du nicht ..." Er wurde unterbrochen, weil Boerne ihn wieder küßte. Als der andere zu seinem Hals wanderte, redete er weiter. "Ich bin nur überrascht ... ich dachte, ich müßte dich jetzt mindestens noch ins Kino, Theater, Oper oder sonstwohin schleppen ... und ganz ehrlich, ich glaube Oper, das schaffe ich nicht ..."
  "Thiel! Du bist doch sonst nicht so gesprächig! Jetzt ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt zum Reden ..."  Boerne sah ihn an, und Thiel mußte ihm ausnahmsweise zustimmen. Er ließ sich Richtung Schlafzimmer ziehen und war zum ersten Mal wirklich dankbar für Boernes Enthusiasmus und Ungeduld.


***


Am nächsten Morgen wurde er viel zu früh durch die Morgensonne geweckt. Boerne hatte nur die Vorhänge vorgezogen - das mußte er ihm noch austreiben, sonst bekam er nie mehr genug Schlaf. Ansonsten hatte er aber keinen Anlaß, sich zu beschweren. Er hätte es nicht für möglich gehalten, aber es gab tatsächlich einen Bereich, in dem Boerne absolut unkompliziert war.
Noch mal einschlafen war nicht zu machen, obwohl es verlockend war, hier in Boernes Armen liegen zu bleiben. Er wollte sich vorsichtig aus der Umarmung winden und ins Bad gehen, aber dabei weckte er den andern anscheinend und wurde festgehalten.
  "Guten Morgen." Sein Ohr bekam einen Kuß ab, und er mußte lachen.
  "Das kitzelt ..."
  "Kaum wach, und schon beschwerst du dich ..." Boerne klang noch ziemlich verschlafen.
  "Ich beschwere mich überhaupt nicht. Ich bin mit der Situation äußerst zufrieden."
  "Nur zufrieden?"
Thiel mußte grinsen. "Was hattest du denn erwartet?"
  "Mehr Superlative ... Lobgesänge ... so was in der Art ..." Boerne hatte sich inzwischen halb aufgerichtet und sah auf ihn herab. Thiel zog ihn zu sich hinunter und küßte ihn.

...

  "War das aussagekräftig genug?"
  "Ich bin mir nicht sicher ... könntest du das nochmal wiederholen?"
  "Später ... Wie sieht es eigentlich mit deiner Freiheitsliebe aus?"
  "Ach ... Freiheit hatte ich eigentlich in den letzten Jahren genug ..."
  "Dachte ich mir doch."
  "Was soll denn das jetzt heißen?" Boerne versuchte empört auszusehen, was ihm aber kläglich mißlang. Stattdessen sah er verdächtig glücklich aus. Und das war auf jeden Fall einen weiteren Kuß wert, fand Thiel.

*Blende*
Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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