?

Log in

No account? Create an account
BT_Wandern

December 2018

S M T W T F S
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031     

Büttenwarder

Powered by LiveJournal.com
BT_Arm

Kopfhörer (Thiel & Boerne)

Rating: P 6
Genre: Freundschaft
Handlung: Der Moment, in dem Thiel erkennt, daß Boerne und ihn mehr verbindet als Nachbarschaft.
Episodenbezug: Inspiriert von der Anfangsszene aus "Hinkebein", hat aber ansonsten nichts mit der Episode zu tun.
Länge: 905 Wörter
Beta: Ohne (wenn jemandem noch was auffällt, nur zu!)
A/N: Ich hätte ja echt besseres zu tun ... Aber was kann man schon machen, wenn man faul auf der Terrasse im Schatten sitzt, die Hitze genießt und Eis ißt ;) Nix besonderes, nur etwas, was mir schon damals bei Hinkebein aufgefallen ist. Freundschaftsfluff. Ohne platonisches Kuscheln ;)




***


  "Kopfhörer! Herrgott, Boerne, wie oft habe ich Ihnen das schon gesagt, benutzen Sie Kopfhörer!!"

Er knallte die Tür hinter sich zu und stapfte ins Bad. Das Rauschen der Dusche verschluckte den infernalischen Lärm aus der Nachbarwohnung, und Thiel seufzte erleichtert auf. Daß sie diese Diskussion aber auch immer wieder führen mußten! Es war ja nicht nur, daß sie in Fragen des Musikgeschmacks einfach nicht zusammenkamen. Vor allem raubte es ihm den letzten Nerv, daß Boerne keinerlei Rücksicht auf seine Umwelt nahm. Also auf ihn. Der Rest der Hausbewohner schien schwerhörig zu sein.

Als er die Dusche wieder abdrehte, war es endlich ruhig.


***


Zehn Minuten später klingelte er wieder an Boernes Tür. Aber niemand reagierte. Thiel runzelte die Stirn. War sein Kollege jetzt etwa alleine losgefahren? Sie hatten doch abgesprochen, daß er ihn zu ihrem gemeinsamen Außentermin mitnehmen würde. Mit dem Rad war das kaum zu schaffen. Er warf einen Blick aus dem Fenster im Treppenhaus - Boernes Wagen stand noch da. Spielte der Herr Professor jetzt die beleidigte Leberwurst oder was?

Er klingelte noch einmal, bis es ihm zu bunt wurde. Immerhin hatte er seit einiger Zeit Boernes Zweitschlüssel. Das kam ihm nur fair vor, da er es nie geschafft hatte, Boerne den Zweitschlüssel zu seiner eigenen Wohnung abzunehmen. Geschweige denn, ihn davon abzuhalten, ihn zu benutzen. Thiel seufzte, während er in seiner Krimskrams-Schublade nach Boernes Schlüssel wühlte. Als Vermieter war Boerne echt unmöglich. Wobei von allen Mietern nur er unerwarteten Besuch bekam. Vermutlich, weil Boerne dachte, bei ihm könne er sich das erlauben. Weil er dachte, sie seien sowas wie ... Da war der Schlüssel.


***


Sie würden noch zu spät kommen. Bloß weil Boerne morgens Opern in dreifacher Zimmerlautstärke hören mußte.

  "Boerne!?"

Keine Antwort. Thiel fluchte leise. Aber er fing auch langsam an, sich ein wenig Sorgen zu machen.

  "Jetzt hören Sie schon auf mit den albernen Spielchen, wir werden noch zu spät -"

Er stockte, als er um die Ecke bog und Boerne am Küchentisch sitzen sah. Mit Kopfhörern auf den Ohren. Und nach dem Gesichtsausdruck zu urteilen, irgendwo weit weg, jedenfalls nicht im hier und jetzt.

Mit einem Mal hatte er ein ganz merkwürdiges Gefühl im Magen. Er konnte sich nicht erinnern, wann Boerne jemals getan hatte, worum er ihn gebeten hatte. Daß er tatsächlich ihm zuliebe etwas getan hatte.

Außer, daß er letztens das St. Pauli Spiel mit angesehen hatte, erinnerte ihn eine Stimme, die merkwürdigerweise wie Frau Haller klang. Und daß er nach dem Ende des Haverkamp-Falls ein Bier (das er nicht mochte) nach dem anderen mit ihm getrunken und sich angehört hatte, was er von Männern, die ihre Frauen mißhandelten, der Welt im allgemeinen und der Gesetzgebung im besonderen hielt. Und daß er im letzten Winter, als er mit einer Grippe zuhause gelegen hatte, für ihn eingekauft hatte. Und mit seinem Zweitschlüssel in seiner Wohnung ein und ausgegangen war wie er wollte und ihn mit guten Ratschlägen beglückt hatte, O.K. Aber er hatte auch Tee gekocht, ihm Aspirin vorbeigebracht und für ihn im Präsidium angerufen, um ihn krank zu melden. Thiel schluckte. Wieso war ihm das eigentlich nicht früher -

  "WOLLEN SIE MICH ZU TODE ERSCHRECKEN!" brüllte Boerne und ließ ihn vor Schreck einen halben Meter zurückspringen. Der andere war selbst auch zurückgewichen, als er den Kopf gedreht und ihn in der Tür hatte stehen sehen. "WAS MACHEN SIE DENN HIER!?"

  "SIE MÜSSEN NICHT SO SCHREIEN, ICH HÖRE SIE SEHR GUT!" brüllte Thiel zurück.

  "ICH HABE GEFRAGT, WAS ..." Boerne zog sich die Kopfhörer von den Ohren. "... was Sie hier machen?!"

  "Die Kopfhörer ...", sagte Thiel schwach.

  "Ja und? Sie wollten doch, daß ich Kopfhörer benutze", entgegnete Boerne verständnislos.

  "Ja." Er sah Boerne an, der immer ungeduldiger wurde. Es war vermutlich sinnlos, ihm erklären zu wollen, daß ihm gerade aufgefallen war, daß sie nicht nur Nachbarn waren. Nicht nur Kollegen. Boerne hätte vermutlich gar nicht kapiert, wovon er redete. "Wir müssen los, sonst kommen wir zu spät", sagte er deshalb einfach nur.

Boerne warf einen Blick auf die Uhr. "Sagen Sie das doch gleich! Wieso holen Sie mich denn jetzt erst ab?"

  "Ich habe schon vor fünf Minuten geklingelt!" erklärte Thiel empört. "Das ist nur Ihre Schuld, weil Sie nichts gehört haben!"

  "Also bitte ..." brummte der andere und griff im Gehen den Schlüsselbund. "Ich höre noch sehr gut."

  "Kaum zu glauben, bei dem Krach ständig", sagte Thiel halblaut.

  "Wie meinen?"

Thiel grinste. "Kommen Sie endlich und halten Sie uns nicht noch länger auf."

  "Moment." Boerne stoppte ihn und griff nach seinem Jackett. "Falsch zugeknöpft. Wirklich, Thiel, man kann Sie nicht alleine aus dem Haus lassen."

Er hatte wieder dieses merkwürdige Gefühl, das ihn einen Moment sprachlos zurückließ. Dann griff er nach Boernes Hand, bevor der auch noch seinen Hemdkragen in Ordnung brachte. "Is' gut jetzt. Lassen Sie uns endlich los."

Die Hand in seiner zuckte kurz, und er wußte, wie schwer es Boerne fiel, irgendetwas unordentlich zu lassen. Aber als er die Hand losließ, griff der andere nach der Tür.

Keine halbe Stunde vorher hatten sie sich noch im Flur angebrüllt, dachte Thiel, als sie einträchtig zusammen die Treppe nach unten gingen.

  "Thiel ..."

  "Ja?"

  "Könnten Sie vielleicht ..."

  "Was denn?"

  "... der Hemdkragen ..."

Thiel verdrehte die Augen, aber er griff nach dem Kragen und zupfte, bis er ordentlich unter dem Jackettkragen lag. "Besser?"

Boerne lächelte.

Sie waren schon fast am Ziel, als ihm auffiel, daß er Boerne zuliebe noch viel mehr Konzessionen machte als umgekehrt.


*** Fin ***

Comments

So, jetzt komm ich endlich mal dazu wenigstens eine deiner FFs zu kommentieren, go me /coughs

Ich liebe es einfach wie du immer diese Dynamik zwischen Thiel/Boerne darstellst, es ist einfach perfekt ♥

Aber armer Boerne, ich kenne das Problem wenn man Kopfhörer aufhat und plötzlich jemand hinter einem steht (und womöglich noch antippt). Ich schramme jedes Mal halb am Herzinfarkt vorbei ;)

(und im Gegensatz zu Thiel mag ich Opern im Hintergrund - mein Chef diktiert manchmal zuhause seine Diktate und da läuft dann immer Klassik im Hintergrund. Ist irgendwie beruhigend ;p)
Oh, Danke, nichts geht über Generallob :) *freu*

Ich wußte gar nicht, daß Du überhaupt noch Thiel/Boerne liest, solche Vorliebe ändern sich ja manchmal schnell ;) (Keine Kritik an mangelnden Kommentaren, ist mir nur gerade aufgefallen)

Die Kopfhörerszene war ein bißchen geklaut, aus "Das ewig Böse" - da liest Thiel mit Ohrenstöpseln. Und die zwei erschrecken sich beide so niedlich gegenseitig :)

Klassische Musik ist nicht so meins, deshalb ist Thiel da auch so ungnädig ... mich macht das eher reizbar. Ich habe mal neben einer Musikhochschule gearbeitet, ständig angehende OpersängerInnen beim Üben - ein Graus.

off topic: Dein Chef diktiert noch? Wie schrill, ich dachte, sowas gibt es gar nicht mehr. Wie alt ist der denn?
Ich lese definitiv noch Thiel/Boerne, ich bin nur ein extrem kommentarfauler Mensch xDD
(+ leide ich unter Tatort-Entzug in der Sommerpause ;w;)

Oh Gott, da kann ich jede Antisympathien verstehen, das Gesinge bei Opern ist auch nicht so meins (besonders in den Tonhöhen die da manchmal zu erklimmen sind) oO Ich mag klassische Musik sehr gerne zum Entspannen im Mix mit Rammstein (so komisch es klingt aber das ist wirklich beruhigend xD)

Mein Chef ist 58 und Anwalt - und diese Zunft diktiert immernoch liebend gerne ;p
kommentarfauler Mensch
Macht nix, Hauptsache, Du hast Spaß beim Lesen!

Was Opern angeht - mir graust es auch v.a. vor dem Sopran. Und beim Üben ... klar, ohne geht es nicht. Aber es strengt schon an, wenn man jemanden immer wieder dieselbe Stelle singen und den selben Fehler machen hört ...

Im öffentlichen Dienst kenne ich das mit dem Diktieren gar nicht mehr. Da hat man eigentlich überall Schreibkräfte eingespart, und jeder tippt seine Texte gleich selbst. Ich könnte das auch gar nicht - Diktieren. Ich brauche die Tastatur vor mir, damit der Text fließt :) Für einige ältere Kollegen war die Umstellung schwerer, weil sie nicht so schnell tippen können. Aber selbst die haben sich umgewöhnt.
Spaß hab ich auf alle Fälle, ich freu mich immer wenn deine Text auf meiner F-list aufploppen :3

Ich fürchte wenn man Anwälte ihre Texte selber Tippen lassen würde, wäre dass eine sehr grausame Tortur (für die Angestellten die sich mit dem Endresultat herumschlagen müssen).
Meine zwei Chefs tippen im RAF-System (jeden Tag ein Anschlag /coughs) und von Word haben sie keine Ahnung (dafür gibts ja Angestellte) - ergo würden die alleine keine Frist einhalte können weil lahm wie noch was etc. xD
Ach cricri, das ist wieder süß!
Er stockte, als er um die Ecke bog und Boerne am Küchentisch sitzen sah. Mit Kopfhörern auf den Ohren. Und nach dem Gesichtsausdruck zu urteilen, irgendwo weit weg, jedenfalls nicht im hier und jetzt.
Das Gefühl kenne ich, man kann wirklich mit Musik wegtreten... schön beschrieben, wie Boerne da sitzt.

...erinnerte ihn eine Stimme, die merkwürdigerweise wie Frau Haller klang.
Ja, Frau Haller ist für die Stimme der Vernunft/Erkenntnis einfach immer gut geeignet!

"Moment." Boerne stoppte ihn und griff nach seinem Jackett. "Falsch zugeknöpft. Wirklich, Thiel, man kann Sie nicht alleine aus dem Haus lassen."
*lol*

Ich wiederhole mich: sehr süß. Machen immer gute Laune und ein Lächeln, deine Geschichten!
Danke :)

Machen immer gute Laune und ein Lächeln
Das hört man doch gerne :)

Manchmal flutscht so eine Idee ganz einfach. Und hier habe ich mal das Gefühl, daß ich die Freundschaftsebene ganz gut getroffen habe (das fällt mir grundsätzlich ja schwerer als Slash).

Frau Haller als Stimme der Vernunft habe ich glaube ich bei Dir geklaut :) Also, die Idee. Das paßt einfach.
hat aber ansonsten nichts mit der Episode zu tun.

Stimmt, ich habe mich gerade nochmal vergewissert. Thiel ist ja schon im Anzug, als er bei Boerne klingelt. ;)

Eine sehr schöne Szene, die ganz wunderbar den Kern ihrer Beziehung widerspiegelt, denn ob sie es wahr haben wollen oder nicht, sind sie ja mehr als Kollegen und Nachbarn.
Ich hatte mir die Szene gar nicht nochmal angesehen, weil ich eh wußte, daß ich mich da sehr von entferne ;) Aber ich fand es schon beim ersten Ansehen von Hinkebein bemerkenswert, daß Boerne tatsächlich Kopfhörer holt (kann auch sein, daß das damals jemand anderes kommentiert hat ...)

Eine sehr schöne Szene, die ganz wunderbar den Kern ihrer Beziehung widerspiegelt
Danke! *blush*
Kam ja heute praktischerweise eh im Fernsehen. :)

Und morgen kommt "Herrenabend".
Hab' ich leider verpaßt :(

Andererseits haben wir bis zum Dunkelwerden draußen gesessen. Was in diesem Sommer auch noch nicht oft vorgekommen ist, so ein richtiger Sommertag, der noch spätabends warm ist. Da wird Hinkebein vermutlich vorher nochmal wiederholt, bevor so ein schöner Tag wiederkommt ;)
aaawww.
Wirklich sehr schön. Auch, wie alles klar ist ohne ausgesprochen zu werden.
Danke :)

Mir fällt es ja oft schwerer, die "Freundschaftsebene" zu treffen, als Slash zu schreiben. Wobei ich das etwas undefinierte Verhältnis, daß die zwei im Canon haben, sehr gerne mag. Inklusive aller nicht ausgesprochenen Dinge ;) Anscheinend habe ich das diesmal ganz gut getroffen, was mich sehr freut. Sonnige Wochenenden steigern die Kreativität :)

Sag ich vermutlich jedes zweite Mal, aber ich freue mich immer über Dein Icon. Und denke, ich sollte mal wieder was im Stargate-Bereich lesen. Oder selbst schreiben - nachdem ich meine Schreibhemmung überwunden habe. Ich fand immer, es gibt zu wenig Geschichten mit Radek ...