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BT_Wandern

September 2018

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Büttenwarder

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BT_Winter

Kälteeinbruch

Rating: P 6 / 12
Genre: Freundschaft  (Teil  I) / evtl. Pre-Slash (Teil II)
Beta: ohne
Handlung: Es ist kalt. Und Boerne hat den Wechsel der Jahreszeiten verpaßt.
Länge: ~ 1000 Wörter
Weihnachtsbingo-Prompt:[Spoiler (click to open)]Die Kleider des Partners tragen (Joker)
A/N: Eigentlich ist das nicht unbedingt adventlich. Aber winterlich. Und das Bild wollte ich schon immer gerne mal sehen in einem Münsteraner Tatort ... Ach ja, und geklaut habe ich bei ncb und baggi ;) Passend zum Thema ist der Kälteeinbruch im RL übrigens gerade über Nacht gekommen.


*** Teil I ***


  "Psst!"

  "Ich sag doch gar nichts."

  "Klappern Sie nicht so laut mit den Zähnen! Ich versteh nur die Hälfte!" zischte Thiel.

  "Mir ist kalt", flüsterte Boerne, und sein Atem bildete für einen Moment eine Wolke aus Raureif. "Zähneklappern ist im übrigen eine unwillkürliche körperliche Reaktion, das kann man nicht steuern, weshalb Ihre Vorwürfe auch völlig -"

  "Wieso mußten Sie auch unbedingt mitkommen!?"

  "Weil es meine Idee war! Wieso sollen Sie denn den ganzen Spaß alleine haben?"

Spaß ... Thiel rollte die Augen und spitzte gleichzeitig angestrengt die Ohren. Aber im Nachbarraum des verlassenen Hauses war es still geworden. Anscheinend waren die beiden nach nebenan gegangen. Da blieb nur abzuwarten, bis sich wieder etwas tat.

  "Was passiert jetzt?" fragte Boerne neben ihm.

  "Woher soll ich das denn wissen! Sie haben doch genausoviel gehört wie ich!"

...

  "Denken Sie, das dauert noch lange?"

Das Klappern war wieder lauter geworden. Thiel seufzte. "Es ist doch gar nicht so kalt, ich weiß echt nicht, was Sie haben." Sie waren hier schließlich windgeschützt, und ihm war in seinem Winterpulli sogar fast noch zu warm.

  "Kein Wunder, daß Ihnen nicht kalt ist." Boerne nieste. "An Ihnen ist ja auch mehr dran."

  "Danke für die Blumen", brummte Thiel. "Selbst schuld, wenn Sie noch in Ihrem Sommermantel unterwegs sind."

  "Wer konnte denn ahnen, daß es gleich so einen heftigen Kälteeinbruch geben würde." Boerne war vor Zähneklappern kaum noch zu verstehen, und als Thiel zur Seite sah, hatte er den Eindruck, daß seine Lippen sich schon leicht bläulich verfärbten. Alarmiert griff er nach Boernes Hand, die sich eiskalt anfühlte.

  "Gehen Sie zurück ins Auto und machen Sie die Heizung an! Sie holen sich ja noch den Tod."

  "Das geht jetzt nicht mehr", murmelte Boerne und zog die Hand zurück. "Man könnte mich vom Gebäude aus sehen."

  "Auch nicht auffälliger, als wenn Sie hier rumklappern und niesen."

  "Niesen ist ebenfalls ein unwillkürlicher -"

  "Boerne!" Er warf einen bösen Blick zur Seite. "Das ist das letzte Mal, daß ich Sie mit zu einer Observierung nehme!"

Boerne schwieg beleidigt.

Thiel konzentrierte sich wieder auf den Nebenraum. Aber auch wenn Boerne nicht mehr redete, das Zähneklappern war immer noch zu hören.

  "Ziehen Sie den Mantel aus." Daß er da aber auch nicht früher drauf gekommen war.

  "Was? Wollen Sie, daß ich noch schneller erfriere, bloß damit Sie Ihre Ruhe haben?"

  "Wir tauschen. Machen Sie schon, bevor die zwei wiederkommen!" zischte Thiel und zerrte sich seinen dicken Winterpulli über den Kopf.

  "Wann haben Sie den denn zum letzten Mal gewaschen?" flüsterte Boerne, als er ihm den Pulli in die Hände drückte.

  "Klappe und her mit dem Mantel, bevor ich es mir anders überlege!"

...

  "Besser?" Das Zähneklappern hatte zumindest nachgelassen.

  "Mhm ..."

Er sah zur Seite und mußt unwillkürlich lächeln, weil Boerne in seinem Strickpulli ziemlich albern aussah.

  "Ist Ihnen jetzt nicht kalt?"

  "Geht schon." Er hörte das Quietschen einer Tür und legte den Finger an die Lippen. Boerne nickte und rückte näher, um mitzubekommen, was nebenan passierte.

Genaugenommen war ihm jetzt sogar fast noch wärmer.


*** Teil II ***



  "Boerne!" Thiel warf ihm einen bösen Blick zu. "Das ist das letzte Mal, daß ich Sie mit zu einer Observation nehme!"

Das wurde ja immer besser, dachte Boerne. Ohne ihn wäre Thiel überhaupt nicht hier. Aber er sagte nichts weiter und sparte sich seinen Atem lieber. Seine restliche Energie brauchte er, um hier nicht völlig zu unterkühlen. Er zog den dünnen Mantel so gut es ging um sich und versuchte, wieder warm zu werden. Aber es half alles nichts, er war schon zu sehr ausgekühlt. So sehr, daß er vom Zittern regelrecht geschüttelt wurde. Der letzte Versuch des Körpers, durch Bewegungsenergie wieder Wärme zu erzeugen. Wenn er hier noch lange still in der Kälte stehen mußte, würde er sich an Ende noch ernsthaft verkühlen. Aber wenn Thiel dachte, er sei so unprofessionell, daß er einen Polizeieinsatz gefährden würde, bloß weil -

  "Ziehen Sie den Mantel aus."

Im ersten Moment verstand er überhaupt nicht, was Thiel mit dieser widersinnigen Bemerkung bezweckte. Aber er kam kaum dazu nachzufragen, da unterbrach ihn Thiel schon wieder ungeduldig und zerrte sich seinen Pullover über den Kopf und das halbe T-Shirt gleich mit.

Er starrte Thiel an, der sein T-Shirt wieder nach unten zog und dem anscheinend überhaupt nicht kalt war. Natürlich, ein kälteoptimiertes Verhältnis von Volumen zu Oberfläche half da durchaus, aber trotzdem war es nicht normal, daß Thiel nicht fror. Er griff automatisch nach dem Pullover, der in seine Hand gedrückt wurde, obwohl ihm unwohl war bei dem Gedanken, etwas von Thiel anzuziehen.

  "Wann haben Sie den denn zum letzten Mal gewaschen?"

Etwas, was Thiel gerade eben noch selbst getragen hatte.

  "Klappe und her mit dem Mantel, bevor ich es mir anders überlege!"

Er zog mit steifen Fingern seinen Mantel aus und schlüpfte hastig in Thiels Pullover, weil er nicht wußte, wie er dieses merkwürdig widerstrebende Gefühl erklären sollte. Und weil ihm unglaublich kalt war. Verzweifelte Situationen erforderten verzweifelte Maßnahmen. Und der Pullover war unbestreitbar warm. Dicke, warme Wolle. Und Thiels Köperwärme, die ihn umhüllte. Ein Geruch nach Schaf, und Winterluft, und Thiel. Er zog die Ärmel über die Hände und schlang die Arme um sich selbst, um die Wärme festzuhalten. Sein Körper entspannte sich langsam wieder und das Zittern ließ nach.

  "Besser?"

  "Mhm ..."

Thiel sah zu ihm herüber und lächelte.

Vermutlich sah er auch lächerlich aus in diesem unförmigen Ding, das ihm viel zu weit war. Aber Thiel sah genauso lächerlich aus in seinem Mantel, der ihm zu lang war. Und ein bißchen zu eng.

  "Ist Ihnen jetzt nicht kalt?"

  "Geht schon." Thiel legte einen Finger an die Lippen, als aus dem Nachbarraum ein Türquietschen herüberklang. Er nickte und lehnte sich automatisch zu Thiel hinüber, um besser zu hören. Was natürlich Unsinn war, er hörte nicht mehr, bloß weil er ein paar Zentimeter näher an der Tür war. Aber Thiel war nicht weggerückt. Und es war wärmer so. Und er wollte nicht, daß Thiel seinetwegen fror. Dafür gab es  auch eine völlig rationale Erklärung. Die ihm ohne Zweifel noch einfallen würde, wenn ihm erst wieder richtig warm war.


*** Fin ***


>> alle 24 Türchen im Adventskalenderpost

Comments

<3
Wunderbar :) Du hast die beiden ganz toll getroffen.
Danke :)

Ich habe ja mittlerweile einige zehntausend Wörter Übung ... *hust* Mein größtes Problem ist, daß ich mich wiederhole. Aber die wenigsten haben alles gelesen bzw. so oft gelesen, daß es auffällt. Hoffe ich ;)
Ach, ein frierender Boerne ist doch einfach zu süß, was man mit dem alles machen kann....
Ich liebe es!!
(Dir ist aber schon klar, dass ich zu meinem Thema Heizungsausfall jetzt nicht plötzlich irgendwie großartig neue geniale Ideen liefern kann?!*räusper*)

Mein größter Brüller:
"Ziehen Sie den Mantel aus." Daß er da aber auch nicht früher drauf gekommen war.
"Was? Wollen Sie, daß ich noch schneller erfriere, bloß damit Sie Ihre Ruhe haben?"

Einfach nur herrlich!!
Ich weiß gar nicht, wie du die beiden immer so auf den Punkt bringst. Das kann ich nicht. Neid!

"Wann haben Sie den denn zum letzten Mal gewaschen?"
Ohne Worte *rotfl*


Und gestern Abend habe ich für deinen Adventskalender noch ganz kurzfristig einen Weihnachtsfeier-Oneshot geschrieben, erst die eine, dann die andere Perspektive. Du machst mich fertig, jetzt ist hier im Prinzip die gleiche Geschichte, nur anderes Thema.

Nun, ich hoffe, die Leser sind geduldig und vermuten nicht gleich Ideenklau, das war Zufall. Zum Glück ist das Thema ja ein ganz anderes. *am-Kopf-kratz*

Edited at 2012-12-01 11:05 am (UTC)
Ach was - Ideenklau ... Die gleiche Szene aus zwei POVs, das ist ja keine Idee, sondern eher eine (gern verwendete) Technik. Ich bin schon neugierig :)

Ich hab' meinerseits mehr bei Dir geklaut, z.B. bei Höllennacht. Und bei dem Text morgen wirst Du auch was wiedererkennen ... (Es steckte in meinem Kopf und mußte unbedingt raus.)

Freut mich, daß es Dir gefällt! Mir kam's schon wieder viel zu langweilig vor, auch, weil es schon eine Weile rumliegt. Ich mag die Klamottentausch-Idee einfach sehr gerne. Und Boernes Satz zum Thema waschen, den mag ich auch ;)
Hier, für dich. Boerne im Original-Thiel-Pullover.
http://ic.pics.livejournal.com/baggeli/50656199/79393/79393_original.jpg

(Aber Thiel in einen zu engen Mantel zu stecken, hat meine Manipulationsfähigkeiten komplett überfordert. Und ein passendes Bild mit T-Shirt hatte ich auch nicht, deshalb ist es ein kurzärmeliges Hemd geworden - der Mann hat echt IMMER eine Jacke an, unglaublich! Und dass das Licht ums verrecken nicht passt, muss ich nicht extra erwähnen. Egal.)

So hat Boerne es jedenfalls kuschelig warm. =D

Edited at 2012-12-01 11:41 pm (UTC)
Danke :D

Boerne sieht gleich viel rundlicher aus ;) Und daß es nicht klappt, Thiel in den engeren Mantel zu photoshoppen ist irgendwie logisch ... Dazu bräuchtest Du wohl eine Vorlage mit jemanden ähnlicher Statur, der in einen Mantel gequetscht ist.

In "Zwischen den Ohren" versucht Thiel ja, Boerne dazu zu bringen, seinen Pulli anzuziehen ...
Ja, da wirkt er gleich etwas bolleriger drin, dabei habe ich den Pulli noch extra gestreckt. :D

Das mit der Pulli-Auszieh-Idee ist einer der lustigsten Sachen in "Zwischen den Ohren"
Aber da gibt es ja auch schon einige schöne Geschichten dazu. :D
Was für ein schöner Auftakt!

Mit gefällt dieser Gegensatz, dass Thiel ganz unbekümmert seinen Pulli auszieht, während Boerne darauf viel emotionaler reagiert. Boernes Gedanken kann man sehr gut nachempfinden, denn wenn (unbewusste) Gefühle im Spiel sind, wird eine so harmlose Geste wie der Pullovertausch natürlich gleich viel emotional aufgeladener.

Obwohl ich trotz Deiner Kategorie "Freundschaft" auch den letzten Satz aus Thiels Perspektive so interpretiere, dass ihm Boerne im wahrsten Sinne des Wortes auch ein bisschen näher steht. :)
Danke :)

Ich hatte ein bißchen Angst, weil Wiederholung usw. Und insgesamt habe ich in diesem Jahr gar nicht so sehr die lustigen Weihnachtssachen geschrieben (im November bin ich eher deprimiert ...). Aber egal . wenn's gefällt, dann bin ich froh!

Was das jetzt genau ist, das ist natürlich die Frage. Ich denke, den Text kann wer will auch als reinen Freundschaftstext lesen. Selbst Boernes Seite. Aber man kann es naürlich auch gut anders lesen. Auch Thiels Seite :)

btw "sich näher stehen" - auch ein schönes mehrdeutiges Prompt ...</i>
btw "sich näher stehen" - auch ein schönes mehrdeutiges Prompt ...

Habe ich vorhin auch gedacht, als ich es geschrieben habe. :)
Ich kann vera nur zustimmen; der Gegensatz zwischen Thiels und Boernes Sichtweise ist sehr reizvoll. Und sehr IC.
Hat mir gut gefallen, deine fanfic, auch wenn mir jetzt kalt ist ...
Merkwürdig - habe ich den Kommentar seinerzeit nicht gesehen? Jedenfalls danke :)

Ich lese gerade Kältegeschicht, um mich abzukühlen ... nee, ernsthaft, ich habe einfach nur auf die alte Bingokarte geschaut und mich gefragt, was der Joker war. Eigentlich suche ich nach Ideen für meine Sommer-Bingo-Karte, habe heute einen freien Tag (Überstundenabbau) und genieße das schöne Wetter.
Hach, wirklich schön. Den Perspektivwechsel fand ich sehr gelungen und machte die Sache rund. Wirklich schön. Ich hoffe ja, dass Boerne keine rationale Erklräung einfällt. :D
Huhu, lange nicht gesehen! Schön, daß es Dir gefallen hat. Der Perspektivwechsel war anfangs gar nicht geplant gewesen, aber am Ende von Thiels Teil ist mir aufgefallen, daß noch irgendwas fehlt.

Ich hoffe ja, dass Boerne keine rationale Erklräung einfällt. :D
Nicht in meiner Welt ;)
Moin!
Wenn man nach einem sehr frustrierenden Tag nach Hause kommt und als Erstes so eine schöne Geschichte liest, ist der Abend schon mal gerettet. Mir gefällt Dein ruhiger Schreibstil und wie Du die Stimmen der Figuren einfängst (allmählich freunde ich mich mit den Münsteranern doch an).
Lieblingsstelle: der letzte Absatz, weil er in schlichten Worten alles Wichtige sagt.

Edited at 2012-12-01 05:46 pm (UTC)
Na das liest man doch gern! :)

Wenn ich Deinen Tag ein bißchen verbessern konnte, ist das doch toll. Und wenn Du Dich doch noch mit den Münsteranern anfreundest, freut mich das umso mehr ;)

Was den letzten Absatz angeht - mit dem habe ich ja am meisten gekämpft, irgendwie finde ich, daß der immer noch holpert. Aber inhaltlich war es das, was ich an der Stelle haben wollte, also habe ich es schließlich einfach gelassen.
Hatte gestern keine Zeit zum Kommentieren, deshalb nun jetzt :)
Ich hab schon allein beim Lesen fast angefangen zu frieren, so gut hast du die Kälte beschrieben! Und schöne Idee, das mit dem Kleidertausch. Da weiß Boerne ja in Zukunft, wie er leicht an Thiels Klamotten kommt^^

"Ziehen Sie den Mantel aus."
"Was? Wollen Sie, daß ich noch schneller erfriere, bloß damit Sie Ihre Ruhe haben?"

Einfach herrlich, dieser Dialog, danke für den Lacher! Das könnte definitiv auch in einem Drehbuch stehen, ich kann ihre beiden Stimmen förmlich hören...
Danke :) Du weißt ja, ich freue mich jederzeit über Kommentare ;)

Das mit dem Kleidertausch spukt mir schon lange im Kopf herum. Wahrscheinlich, weil ich das immer schon ziemlich romantisch gefunden habe ... Naja, und jetzt hat es eben eine winterliche Umsetzung erfahren. Irgendene Ausrede brauchen die zwei brauche ich ja ;)

Schön, daß es Dir gefallen hat - und meinetwegen dürfen ich auch jederzeit angehende Tatort-Drehbuchautor(inn)en an den Dialogen bedienen ... ich würde die nämlich auch gerne mal hören *seufz*
LOL Der ist gut! Ich kenne die beiden zwar nicht, aber ich konnte der Fic gut folgen. Hihi, klingt für mich irgendwie vertraut, was Boerne da abzieht. Suß!
Du kämpfst Dich ja echt durch - Respekt! ;)

Freut mich zu lesen, daß es durchaus auch ohne die Vorlage zu kennen funktioniert.

Wenn Du aber einen kurzen Einblick nehmen willst - die ARD hat anläßlich des Jubiläums (10 Jahre Münster) ein 8-minütiges-"Fanvid" produziert, das den beiden durchaus gerecht wird: http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/2012/das-wunder-von-wolbeck-100.html