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Wege, die sich kreuzen - Kapitel 13

Titel: Wege, die sich kreuzen - Kapitel 13
Beta: joslj - Danke!
Genre: Slash, Krimi, First Time, Drama, h/c und ein wenig Humor
Wortanzahl: 2.653
Zusammenfassung:
Im Laufe des Lebens begegnet man vielen Menschen. Manchen einmal. Manchen mehrmals. Und mit manchen geht man ein Stück des Weges gemeinsam.
Zwei Fälle (wie in einem guten Münsteraner Tatort üblich, hat mindestens einer der Fälle einen direkten Bezug zu einem der Hauptprotagonisten).
Eine Liebesgeschichte. Thiel ist neu in Münster und Boerne hat mehr Leichen im Keller, als man gemeinhin vermuten würde.
Warnungen: Eigentlich nicht. Eher weniger Gewalt als in einem durchschnittlichen Tatort.
Rating: ab 12

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~ Kapitel 13 ~

Thiel überließ die Einsatzleitung bei der Gebäudesicherung Rödermark. Zum einen hatte Rödermark mit so etwas wesentlich mehr Erfahrung als er selbst. Und zum anderen sagte ihm sein Instinkt, daß er auf Boerne achtgeben mußte. In der allgemeinen Hektik hatte selbst der LKA-Mann nicht mehr in Frage gestellt, daß Boerne mitkam. Ihm wäre es zwar lieber gewesen, ihn außerhalb der Gefahrenzone zu wissen. Aber er wußte auch, daß Boerne sich nicht wegschicken lassen würde. Dann war es immer noch am sichersten, wenn er ihn in Sichtweite hatte.

Nadeshda kommentierte Boernes Gegenwart auch nicht, während sie zu dritt im Sichtschutz einer Garagenreihe warteten und das Gebäude beobachteten. Sie hatte in einer Blitzaktion Pläne der alten Seilerei beschafft, und jetzt drangen bewaffnete Einsatzkräfte von verschiedenen Enden in das Gebäude ein. Am Hintereingang ist ein Vorhängeschloß aufgebrochen, war Rödermarks letzte Meldung über Funk gewesen. Thiel versuchte, die Hoffnung nicht zu groß werden zu lassen. Das konnte alles bedeuten. Aber ein Seitenblick auf Boerne zeigt ihm, daß Boerne nicht die gleiche Strategie verfolgte. Er berührte ihn leicht an der Schulter, und Boerne wendete kurz den Blick von der Gebäudefront.

  "Was ist?"    

Thiel zögerte. Mach dir nicht zu große Hoffnungen, kam ihm plötzlich grausam vor.

  "Nichts."

Nadeshda sah kurz zu ihnen beiden und dann wieder weg, zu der alten Fabrik. Thiel zog seine Hand zurück und trat nach kurzem Zögern näher an Boerne heran. Nadeshda wußte ja wahrscheinlich sowieso schon, was los war. Und überhaupt war das jetzt seine geringste Sorge. Die Spannung war greifbar. Er konnte spüren, daß Boerne jeden Muskel angespannt hatte, so als müsse er jede Sekunde losrennen. Einen Moment lang zweifelte er daran, daß Boerne ihn überhaupt noch wahrnahm, aber dann lehnte sich der andere leicht gegen ihn und entspannte sich ein klein wenig.

Er wollte gerade seinen Arm um Boerne legen und ihn noch näher ziehen, als eine Bewegung an der Fensterfront vor ihnen sie beide zusammenfahren ließ. Einer aus Rödermarks Mannschaft hatte das Fenster geöffnet und winkte. Boerne machte einen Satz nach vorne und Thiel war heilfroh, daß er in Griffweite war.

  "Noch nicht!"

Boerne warf ihm einen verzweifelten Blick zu, aber er versuchte zum Glück nicht, sich loszureißen. Thiel griff mit der freien Hand nach dem Funkgerät. "Noch eine Sekunde, wenn alles O.K. ist, wird Rödermark -"

Ein Knistern unterbrach ihn.

  "Alles gesichert", kam Rödermarks Meldung über Funk. "Hier ist ein verlassener Raum mit Matratzen, ansonsten alles leer geräumt. Sie scheinen weg zu sein. ... Von dem Jungen bisher noch keine Spur."

Er ließ Boernes Handgelenk los.


***


  "Ist hier jemand?" Seine Stimme hallte durch die leeren Gänge. Die anderen gingen Raum für Raum vor und durchsuchten jeden Winkel, aber Boerne war einfach drauflosgelaufen und er hinterher. Wenn der Junge hier war, würden sie ihn so oder so finden. Für ihn war im Moment nur wichtig, daß er Boerne nicht alleine ließ. Für den Fall, daß sie nur noch Jonas Leiche fanden. "Hallo?!" Vielleicht hatten sie ja Glück. Vielleicht hatte der Junge ja Glück. Vielleicht ...

  "Da war was", sagte Boerne. "Jonas!?"  

Aus der Ferne konnten sie ein schwaches Geräusch hören, ein Rumpeln, als ob etwas umgestoßen worden sei.

  "Jonas!" rief Boerne, während sie beide auf die Geräuschquelle zuliefen.

Die Antwort war schon viel lauter zu hören, und Boerne stürmte los, so schnell, daß er kaum hinterher kam. Der Junge war inzwischen deutlich zu verstehen. Thiel zitterte fast vor Erleichterung und wurde ein bißchen langsamer. Auf drei Sekunden mehr oder weniger kam es jetzt ja auch nicht mehr an. Als er um die nächste Ecke bog, hatte Boerne schon die Tür zu einem Abstellraum aufgerissen und Jonas erreicht.

Thiel blieb schweratmend im Türrahmen stehen. Boerne hatte ein Bündel im Arm, das unkontrolliert weinte. Aber zum Glück schien der Junge unverletzt. Schmutzig und panisch, aber er lebte. In der Ecke des fensterlosen Raumes stand eine leere Wasserflasche, in einer anderen Ecke ein Eimer mit Deckel. Und da lag der Stuhl, den Jonas wohl gegen die Wand geworfen hatte, um sich bemerkbar zu machen.

  "Kannst du ihn losmachen?" sagte Boerne und strich Jonas, der langsam ruhiger wurde, die Haare aus dem Gesicht. "Alles in Ordnung ... ich bin ja da ... wir haben dich gleich hier raus ..." Der Junge nickte, und er trat einen Schritt näher an die beiden heran.

  "Laß mich mal sehen." Er berührte Boernes Arm, eigentlich nur, um eine bessere Sicht auf die Kette zu bekommen, die von der Wand aus zu Jonas Fußgelenk lief. Aber als er spürte, daß Boerne auch zitterte, nicht nur der Junge, konnte er nicht anders als ihn kurz an sich zu ziehen.

  "Alles O.K.?"

  "Ja", murmelte Boerne. "Ich will ihn nur hier raushaben. Und mir sein Bein ansehen können. Und jemand muß Miriam anrufen. Und seinen ... Vater."

  "Ich gebe Bescheid, daß wir ihn haben. Für die Kette brauchen wir Werkzeug. Kann ich euch einen Moment alleine lassen?"

  "Mhm", sagte Boerne und wendete sich wieder dem Jungen zu. "Tut dir was weh?"

  "Durst", murmelte Jonas. "Und das Bein tut weh."

  "Ich bringe Wasser mit."


***


Der Rest war Trubel.

Nadeshda strahlte. Frau Klemm traf wenige Minuten nach der guten Nachricht ein, um sich selbst ein Bild zu machen. Jonas Eltern, sprachlos vor Erleichterung, waren noch vor ihr da.

Rödermark ließ sich dazu hinreißen, ihm auf die Schulter zu klopfen - wenn das Grinsen von einem Ohr zum anderen etwas zu sagen hatte, war sein Kollege wohl auch mehr als erleichtert über den guten Ausgang.

Jonas ging es gut. Er war dehydriert, hatte Schürfwunden am Fußgelenk, einen Finger weniger und war noch etwas durcheinander. Er nannte immer noch Boerne und Perkun Papa, was in diesem Moment aber niemanden störte.

  "Ich kann nicht mehr Gitarrespielen ...", sagte Jonas gerade verzweifelt, als er wieder zu der kleinen Gruppe stieß. "Was soll ich denn jetzt -"

  "Ach, Gürkchen ... Das kannst du doch lernen." Boerne hatte immer noch oder wieder einen Arm um Jonas gelegt.

  "Django Reinhardt hat mit weniger als neun Fingern Gitarre gespielt", ergänzte Perkun.

  "Und Tony Iommi - was der kann, das schaffst du doch locker", sagte Boerne.

  "Hauptsache, du lebst noch - das mit der Gitarre ist doch jetzt wirklich nicht so wichtig." Thiel sah den Blick, den Boerne und Perkun über den Kopf von Jonas Mutter hinweg wechselten und mußte grinsen. Sah ja alles nach einem echten Happy End aus. Er räusperte sich.

  "Wenn alles so weit O.K. ist ... Ich würde gerne mit Jonas reden. Mit den Angaben von Fadenkrämer alleine kommen wir nicht weit."

  "Ferdinand?" fragte Jonas ungläubig. "Was hat denn Ferdinand mit -" Er verstummte, als ihm offenbar bewußt wurde, was das bedeutete.

  "Wir brauchen alles, woran ... Sie sich erinnern." Zum Glück war ihm wieder eingefallen, daß der Junge zwar momentan sehr jung wirkte, aber eigentlich doch schon halbwegs erwachsen war.

  "Gleich", sagte Boerne. "Ich will noch den Verband wechseln und mir seine Hand ansehen." Er hob Jonas Hand hoch, die mit einer früher einmal weißen Binde umwickelt war. Thiel wurde es schlagartig flau im Magen. "O.K. dann, bis später."


***


In dem Raum, in dem die Entführer offenbar gelebt hatten, war die Spurensicherung bereits am Werk. Es sah alles nach einem recht hastigen Aufbruch aus - vielleicht hatten sie ja Glück.

  "Auf dem porösen Untergrund werden sie vermutlich nicht viele Fingerabdrücke sichern können", seufzte Nadeshda neben ihm. "Falls die Entführer überhaupt so unvorsichtig waren und hier ohne Handschuhe unterwegs."

  "Irgendwas ist garantiert da", antwortete er zuversichtlich. "Die haben hier drei Tage gelebt, vermutlich sogar länger. Wenn sie auf Nummer sicher hätten gehen wollen, hätten sie das Gebäude abfackeln müssen."

Nadeshda schauderte. Er wußte, woran sie dachte. Vielleicht würde die Vernehmung von Jonas klären, was die zwei bewegt hatte, ihn am Leben zu lassen und das damit verbundene Risiko einzugehen. Vielleicht hatte er auch einfach nur großes Glück gehabt und die beiden waren nicht skrupellos genug gewesen, um ihn zu töten.

  "Frau Klemm will Sie sprechen", unterbrach Nadeshda seine Gedanken. "Sie will wissen, ob es Informationen gibt, die zurückgehalten werden müssen, oder ob sie einen Pressetermin machen kann."

Thiel seufzte. "Kann Rödermark nicht ... oder Sie ..."

  "Chef ..." Nadeshda sah ihn mit gespielter Empörung an. "Jetzt stellen Sie sich nicht so an. Sie macht auch nur ihren Job."


***


Auf dem Weg zu Frau Klemm stolperte er fast über Miriam Harfenschläger, die in einer Fensternische im Flur saß.

  "Ist was nicht in Ordnung?" Jonas Mutter sah so blaß aus, daß er sich einen Moment lang Sorgen machte. Aber sie winkte ab.

  "Alles O.K. Nur ... die Aufregung, denke ich. Und Karl verarztet gerade Jonas. Ich war bei sowas schon immer schlecht."

Er sah sie fragend an.

  "Blut ... Verletzungen ... Krankheiten ...", ergänzte sie verlegen, und er mußte grinsen. "Harald ist bei Jonas geblieben, dem macht das nichts aus."

  "Ach so."

Sie sah auf, aber nach wenigen Sekunden merkte er, daß sie nicht ihn ansah, sondern ins Leere starrte. "Soll ich vielleicht -"

  "Als er klein war, hat sich auch immer Karl um ihn gekümmert, wenn ihm was gefehlt hat. Das konnte er wirklich gut."

  "Mhm." Er sah sich suchend um, aber niemand sonst war in der Nähe. Frau Klemm würde warten müssen, denn er hatte den Eindruck, daß er Jonas Mutter jetzt lieber nicht alleine hier lassen sollte. "Wollen Sie nicht mitkommen und sich einen Moment hinlegen? Sie sehen gar nicht gut aus."

  "Es geht schon." Sie lehnte sich gegen den Fensterrahmen und schloß die Augen. "Alles in Ordnung. Alles wieder gut. Nur ein Finger weniger." Sie fing an zu lachen. "Er macht sich Sorgen ums Gitarrespielen."

  "Naja ..." Wo war Nadeshda, wenn er sie brauchte? Der Frau ging es gar nicht gut.

  "Entschuldigung."

  "Was?"

Sie wischte sich über die Augen. "Ich wollte Sie nicht erschrecken. Mir geht es wirklich gut."

Er sah sie zweifelnd an. Sie war die ganze Zeit so ruhig und beherrscht gewesen - es wunderte ihn nicht, daß sie jetzt ... ein wenig neben der Spur war.

  "Die zwei haben sich schon länger wieder gesehen", redete Jonas Mutter unvermittelt weiter, und er wußte im ersten Moment gar nicht, was sie meinte. "Ich wußte immer, wenn Karl mich anlügt. Er wird dann verdächtig einsilbig. Das sollten Sie sich merken, wenn es Ihnen noch nicht aufgefallen ist."

  "Ich -"

  "Vielleicht war das damals ein Fehler. Aber ganz ehrlich - ich hatte in dem Moment andere Sorgen, als mir um Karl Gedanken zu machen. Und ich dachte wirklich ..." Sie sah ihn an. "Ich dachte wirklich, daß es für Jonas so besser sein würde. Und er hat ja nach einer Weile nicht mehr von ihm geredet ... Mir ist erst Jahre später aufgefallen, daß er immer noch einen alten Pulli von Karl in seinem Schrank versteckt hat. Aber da war es auch zu spät, um noch -"

  "Hören Sie, Sie müssen mir nichts -"

  "Ich wollte ihm nicht bewußt wehtun." Sie ließ den Kopf hängen. "Aber vielleicht unbewußt. ... Hat er Ihnen erzählt, warum wir uns getrennt haben?"

  "Ich ..." Thiel kapitulierte. Anscheinend kam er um dieses Gespräch nicht herum. "Ja."

  "Ich war verletzt. Und traurig. Und ich habe mir Sorgen um Jonas gemacht. Ich wollte alles richtig machen, aber wahrscheinlich habe ich alles nur schlimmer gemacht."

  "Sowas kann man gar nicht richtig machen", sagte Thiel und dachte an Lukas. Sie sah ihn an. "Geschieden?"

Er nickte.

  "Kinder?"

Thiel seufzte. "Mein Sohn lebt bei seiner Mutter in Neuseeland."

  "Dann wissen Sie ja, wovon ich rede."

Nur zu gut. Wenn er an Boerne dachte und den Abend, an dem er ihn aus der Rechtsmedizin abgeholt hatte ... in dem Moment war er sehr wütend gewesen. Er konnte wenigstens sagen, daß er sein Kind verloren hatte. Boerne war nicht einmal das geblieben. Aber wenn er Jonas Mutter gegenüberstand, war es schwer, das Gefühl aufrechtzuerhalten.

  "Denken Sie nicht, die sollten langsam fertig sein?"

Sie lächelte. "Kein großer Redner, hm?"

  "Ähm ..."

Jonas Mutter stand auf. "Ich habe mich überhaupt nicht bedankt. Dafür, daß Sie Jonas gefunden haben."

  "Sie müssen nicht ... Das ist meine Arbeit."

  "Trotzdem."

Sie sahen sich einen Moment schweigend an, bis Thiel die Nerven verlor. "Vielleicht sollten wir zu den anderen zurück."


***


Bis sie wieder bei Jonas waren, war Boerne tatsächlich fertig und wirkte ziemlich zufrieden. Jonas Hand war frisch verbunden, und der Junge, der bisher unnatürlich aufgekratzt gewesen war, schien nun ziemlich müde zu sein. Seine Mutter ging zu ihm und nahm ihn in den Arm. "Muß das wirklich heute noch sein mit der Vernehmung, Herr Thiel? Ich glaube, Jonas braucht ein bißchen Ruhe."

Eigentlich hatte es nicht wirklich Zeit. Aber Jonas sah aus, als könnte er jede Minute einschlafen. Es hatte wohl nicht viel Sinn, ihn in dem Zustand zu befragen, also nickte er. "Wir sehen uns morgen früh. Heute passiert sowieso nicht mehr viel." Jonas Eltern sahen erleichtert aus. Er sah zu Boerne, der sein Verbandszeug wegräumte. "Kann ich dich mal kurz ... vor der Tür ..."


***


  "Stimmt was nicht?" fragte Boerne, als sie hinaus auf den Flur gegangen waren.

  "Nein ..." Er hatte einfach nur das Bedürfnis gehabt, zwei Minuten mit Boerne alleine zu sein. Zum Glück war Boerne schnell von Begriff, zumindest deutete der verschmitzte Gesichtsausdruck darauf hin. Er streckte sich ein wenig, und -

  "Herr Thiel!"

Thiel rückte hastig von Boerne ab. Verdammt. Die Staatsanwältin. Das hatte er völlig vergessen.

  "Wir hatten noch einen Termin."

  "Ich -"

  "Aber wie's aussieht, fraternisieren Sie lieber mit der Rechtsmedizin." Frau Klemms Stimme klang schneidend.

  "Das wäre aber reichlich inzestuös", kommentierte Boerne ungerührt, während Thiel am liebsten im Boden versunken wäre.

  "Unter vier Augen, wenn wir hier kurz noch mal professionell werden könnten", brummte Frau Klemm, und diesmal schaffte er es zum Glück, Boernes Kommentar zuvorzukommen.

  "Kannst du bitte draußen warten? Dauert nicht lange."

  "Draußen warten", grummelte Boerne, aber er ging tatsächlich zur Tür. "Als ob es hier irgendwas Geheimnisvolles zu besprechen gäbe ..." Die Tür klappte hinter ihm zu und verschluckte den Rest.

  "'tschuldigung", murmelte Thiel. "Ich habe völlig vergessen -"

  "Na da haben Sie sich ja was aufgeladen", sagte die Staatsanwältin. "Aber das geht mich schließlich nichts an."

  "In der Tat", sagte Thiel und warf ihr einen bösen Blick zu.

Die Staatsanwältin sah so aus, als wollte sie etwas ähnlich Giftiges antworten, nur um dann unvermittelt loszuprusten. "Inzestuös ... " Er sah sie ungläubig an. "Entschuldigung." Die Staatsanwältin wischte sich über die Augen und atmete tief durch. "Wo waren wir?"


***


Zwanzig Minuten später war er endlich fertig. Eigentlich war es nicht wirklich nötig gewesen, daß er die ganzen Ereignisse nochmal für Frau Klemm zusammenfaßte. Aber anscheinend hatte die Staatsanwältin das nötig, um zu demonstrieren, wer hier das Sagen hatte. Weil er keine Lust auf lange Diskussionen hatte, hörte er sich auch noch schweigend die Standpauke darüber an, daß er Boerne mitgenommen hatte. Er wäre vermutlich ziemlich sauer gewesen, wenn Frau Klemm nicht mit "gerade weil es sein Junge ist, hätten Sie ihn nicht mitnehmen dürfen", geendet hätte.

Er atmete erleichtert auf, als Frau Klemm gegangen war. Als er zurück in den Nachbarraum ging, war da nur noch Boerne. Er war so leise gewesen, der andere hatte ihn wohl nicht gehört. Eine Sekunde lang blieb er in der Tür stehen und sah zu Boerne, den die Ereignisse nun wohl endgültig eingeholt hatten. Er sah erschöpft aus, wie ausgeknipst. So alt, wie er wirklich war, nicht jünger, wie er sonst oft wirkte. Thiel zog die Tür hinter sich zu, und Boerne blickte auf. Und lächelte.  

Einen Moment lang verschlug es ihm die Sprache, aber dann sagte er:  "Kommst du?"

Boerne nickte.

  "Ist der Junge mit seinen Eltern heim?"

  "Ja."

Es sah nicht so aus, als wollte Boerne dazu noch mehr sagen. Aber es schien ihm gut zu gehen. Während Boerne wieder in Gedanken versank, suchte Thiel nach seiner Jacke, die hier irgendwo sein mußte. Boerne hatte sie benutzt, um Jonas warmzuhalten. Als er endlich fündig geworden war, mußte er Boerne ein paar Mal ansprechen, bis der reagierte.

  "Laß uns nach Hause."

Boernes Gesicht leuchtete auf. Anscheinend hatte er das richtige gesagt.


*** Fin ***


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Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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