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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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BT_Blick 1

Unterwegs

Rating: P 12
Genre: Slash
Warnungen: traurig,[diese Warnung ist leider gleichzeitig ein Spoiler](very) minor character death
Beta: ohne
Länge: ~ 650 Wörter
Bingo-Prompt: Roadtrip


***

Es war ein schöner Frühsommertag. Wie gemacht für einen Ausflug. Noch ein wenig zu kühl, um das Verdeck zu öffnen, aber der Blick aus dem Autofenster entschädigte ihn mit einer sonnendurchfluteten Landschaft.

Boerne fuhr und redete, aber er hörte nicht zu. Ließ sich von dem vertrauten Tonfall umspülen und lehnte den Kopf gegen die Fensterscheibe. Er fuhr gerne - genaugenommen ließ er sich noch lieber fahren. Unterwegssein und nichts tun können. Nichts tun müssen. Er mochte das Gefühl. Nicht mehr hier und noch nicht dort.

Über die Jahre hatte er ziemlich viel Zeit mit Boerne im Auto verbracht.

Er sah zur Seite, zu Boerne im dunklen Anzug. Das stand ihm gut. Ganz im Gegensatz zu ihm selbst - schwarz war einfach nicht seine Farbe.

  "Alles in Ordnung?"

Boerne wirkte ein wenig besorgt, und er beeilte sich zu nicken.

  "Es ist nicht mehr weit", sagte Boerne, und er nickte ein zweites Mal.

Thiel sah wieder aus dem Fenster. Seinetwegen konnten sie gerne noch eine Weile weiterfahren. Das erinnerte ihn an seine ersten Wochen in Münster. Irgendwie hatte sich alles gegen ihn verschworen; sein Rad war entweder platt, gerade gestohlen, oder es regnete. Damit hatte alles angefangen. Irgendwann war es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, daß Boerne ihn mitnahm.

  "Vorsicht! Da ist ein Rad!"

Boerne wich dem Hindernis mit einem rasanten Schlenker auf die Gegenfahrbahn aus.  "Beifahrer ..."

Mit allen damit verbundenen Nachteilen. Thiel seufzte. Aber andererseits ... Er versuchte, sich andere Ausflüge ins Gedächtnis zurückzurufen, aber seine Gedanken drifteten immer wieder ab, wanderten weiter zurück in die Vergangenheit. Bis eine Hand sein Knie berührte und ihn wieder zurückholte.

  "Wir sind da", sagte Boerne.

Er nickte und löste den Gurt. Angekommen. Solange sie unterwegs gewesen waren, war es nicht real gewesen. Aber jetzt ließ es sich nicht mehr beiseite schieben. Daß ihn das nach all den Jahren so mitnehmen würde, damit hatte er nicht gerechnet. Boerne war inzwischen auf seine Seite gekommen, um seine Tür zu öffnen, und er quälte sich schwerfällig aus dem Sitz. Der Wagen lag ja ganz nett in der Kurve, aber vielleicht sollte Boerne doch so langsam mal etwas seinem Alter angemessenes anschaffen.

Über Boernes Schulter sah er die Menschen, die sich versammelt hatten, und hätte am liebsten wieder kehrt gemacht. Aber Boerne war schon dabei, sein Jackett in Form zu zupfen, und hatte die Tür hinter ihm geschlossen.

  "Lukas wird froh sein, daß du hier bist."

Thiel nickte. Es war merkwürdig, hier zu sein. Mehr als zehn Jahre, nachdem Susanne und er sich getrennt hatten. Sie hatten kaum mehr als ein paar Worte gewechselt in den letzten Jahren, und auch das fast nur, wenn er Lukas hatte anrufen wollen und Susanne am Telefon gewesen war. So richtig entspannt hatte sich ihr Verhältnis nie mehr. Auch nachdem Susanne wieder verheiratet war. Auch nachdem er wieder ... auch nach Boerne. Aber im Moment dachte er nicht an diese Zeit, sondern an den Anfang. Als sie sich kennengelernt hatten. Als Lukas geboren wurde. Als sie noch dachten, sie würden eine Familie bleiben. Boernes Hand strich an seinem Jackettärmel nach unten, und warme Finger berührten seine kalten.

  "Komm jetzt", sagte Boerne.

Wie merkwürdig, daß Susanne nach all den Jahren in Deutschland hatte beerdigt werden wollen. Aber das war eben doch zuhause. Der Friedhof, auf dem auch ihr Vater und ihre Großeltern begraben worden waren. Die Kirche, in der Susanne und er geheiratet hatten. Er blinzelte im hellen Sonnenlicht. In der Gruppe vor der Kirche sah er Lukas, die blonden Haare leuchteten unnatürlich hell vor all dem Schwarz. Und Susannes Mann.

Er straffte die Schultern und ging los. Für Lukas war das viel schlimmer. Und für John. Trotzdem war er froh, daß Boerne da war, einen halben Schritt hinter ihm, schweigend, aber da.

Es war ein wunderschöner Tag, wie gemacht für einen Ausflug. Er wünschte sich, sie könnten immer unterwegs sein. Niemals ankommen.  


*** Fin ***

Comments

Oje, der arme Thiel... was für eine Idee von dir.
War das der Nebencharakter, von dem du kürzlich mal geredet hast? Oder hast du dahingehend noch mehr Ideen? Wenn man einmal den Anfang gemacht hat, wird es einfacher... ;o)

Ich möchte Thiel gerne knuddeln, kann aber zum Glück sagen, dass die Story mich jetzt nicht so sehr betroffen zurücklässt; einfach weil Thiel doch gut aufgehoben ist, er hat ja Boerne.
Und weil mir Susanne nie sehr ans Herz gewachsen ist.
Aber schön geschrieben; mir gefällt besonders das Unterwegssein und nichts tun können. Nichts tun müssen. Er mochte das Gefühl. Nicht mehr hier und noch nicht dort.
Das Gefühl kenne ich auch.
dass die Story mich jetzt nicht so sehr betroffen zurücklässt; einfach weil Thiel doch gut aufgehoben ist, er hat ja Boerne.
Das freut mich :) Ich denke auch, daß der Text damit eine positive Seite hat; an sich ist die Fahrt zu einer Beerdigung ja schon eine eher deprimierende Vorstellung.

Ich bin auch gerne unterwegs :)

Nein, das war ein anderer Nebencharakter, sorry ... aber ich weiß noch nicht, ob ich den Text schreibe.
die Fahrt zu einer Beerdigung ja schon eine eher deprimierende Vorstellung.
Absolut. Ich weiß auch nicht, wie ich reagiert hätte, wenn es jemand anderen erwischt hätte; von Boerne, Alberich oder Nadeshda will ich mal gar nicht reden, aber bei Herbert und Frau Klemm hätte ich auch schon entschieden heftiger geschluckt.

Aber mit Susanne verbinde ich irgendwie mehr Negatives als mit allen anderen Charakteren, die so rumschwirren in "unserer" Tatort-Welt. Ähnliches gilt für Boernes Verflossene. Deshalb fällt es mir hier einfach nicht so schwer.

Ansonsten kann ich mich von solchen Geschichten sehr mitnehmen lassen.
Auch wenn ich es nicht wahrhaben will, denke ich schon, dass Thiel das nahegehen würde. Immerhin haben sie ein Kind zusammen.

Boerne war inzwischen auf seine Seite gekommen, um seine Tür zu öffnen,

Vielleicht macht Boerne das ja immer, seit sie zusammen sind, aber in dieser Situation wirkt es irgendwie besonders fürsorglich von ihm. :)

Ist es nicht eigenartig, dass schon seit langem der Sohn in den Filmen überhaupt kein Thema mehr ist? Spricht das egegn Thiel als guter Vater oder gegen die Drehbuchsschreiber?
Spricht das egegn Thiel als guter Vater oder gegen die Drehbuchsschreiber?
So niedlich, wie die Figur Thiel im Wunder von Wolbeck im Umgang mit dem Baby und in Fakten Fakten mit dem kleinen Jungen (Max?) angelegt war, spricht das für mich voll gegen die Drehbuchautoren. Absolut. ;o)
Ich glaube, Familie ist kein Thema mehr für die Münsteraner Drehbuchautoren. Thiel ist darauf angelegt solo zu bleiben, und die Scheidungs-Vorgeschichte war anscheinend nur für die ersten Episoden von Interesse.
Naja, aber da ist auch die Folge, in der Thiel das Geburtstagsgeschenk seines Sohnes selbst am Geburtstag immer noch nicht abgeschickt hat. Das spricht leider gegen Thiel. :(
Ich fürchte, da hast du Recht.
Aber immerhin hat er ein Geschenk... :D
Das will ich doch hoffen - ich kann mir immer nur schwer vorstellen, daß man sich von jemandem, mit dem man mal glücklich war, trennt und dann so gar nichts übrig bleibt. Vor allem, wenn es gemeinsame Kinder gibt.

Vielleicht macht Boerne das ja immer, seit sie zusammen sind,
Das habe ich mich ehrlich gesagt auch gefragt ;) Es wäre nur fair, wenn er Thiel zwingt in einem Auto mitzufahren, aus dem man mit 50 nicht mehr hoch kommt ... Aber geschrieben habe ich es mit dem Hintergedanken "fürsorglich".

Was den Sohn angeht - vielleicht haben die Drehbuchschreiber ihn vergessen. Außerdem ist er ja inzwischen schon lange kein Kind mehr. Was dafür spräche, ihn mal auftauchen zu lassen, man könnte sich ja schon vorstellen, daß er erwachsen den eingeschlafenen Kontakt wieder aufnimmt.
Was dafür spräche, ihn mal auftauchen zu lassen,

Da bist Du ja schon erfolgreich in die Bresche gesprungen. :)
Was dafür spräche, ihn mal auftauchen zu lassen, man könnte sich ja schon vorstellen, daß er erwachsen den eingeschlafenen Kontakt wieder aufnimmt.
So wie Thiel damals auch, der ja lange keinen Kontakt zu seinem Vater hatte. Das wäre natürlich klasse, aber leider geht die Kontinuität wohl nicht so weit, denn dazu müsste ja einer der Autoren die alten Folgen kennen. Da müssten wohl schon AP und JJL den Faden wieder aufgreifen ...

In deiner Geschichte haben sie sich aber schon mal wieder gesehen, nicht wahr ? Oder hat Thiel Lukas anlässlich der Beerdigung erst wieder getroffen ? Hm, du schaffst es mal wieder, so viel Hintergrunggeschichte anzudeuten in ein paar Sätzen, dass ich wieder viel mehr wissen will!

Dabei fällt mir ein: Gab es da nicht mal eine Lukas-Story, der noch ein 2. Teil fehlt ? :-) Jedenfalls lese ich sehr gerne mehr über Thiels Familie!
Also, in dieser Geschichte gehe ich davon aus, daß die beiden wieder Kontakt haben und sich auch wieder gesehen haben - wenn auch vielleicht erst kurz vor der Beerdigung. Ungefragt und uneingeladen wäre Thiel nicht gegangen.Was mich an eine Freundin erinnert, die nach der Beerdigung ihres Vaters erzählt hat, daß sie die ganze Zeit das Gefühl hatte, eigentlich müßte jetzt ihre geschiedene Mutter dabeisein, dringender als sie selbst.

Und was "Familie" angeht ... *Haare rauf* Ich könnte Kapitel 2 für eines meiner Bingo-Prompts gebrauchen, weshalb ich die vage Hoffnung habe, daß es vielleicht doch noch (fertig)geschrieben wird ;)