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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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BT_Kiesgrube

Kindheitserinnerungen (Thiel & Boerne)

Rating: P 12
Genre: Freundschaft, h/c
Bingo-Prompt:[Spoiler (click to open)]Peitsche
Warnungen: Andeutungen von Kindesmißhandlung, AU was Boernes familiäre Verhältnisse angeht
Handlung: "Ihre Kindheit möchte ich nicht geschenkt haben." (Thiel zu Boerne, Zwischen den Ohren)
Beta: ohne
Länge: ~ 1.500
A/N: Das ist nun wirklich etwas, was ich sicher nicht geschrieben hätte, wenn ich nicht meine Bingokarte vollbekommen wollen würde. Das Thema bereitet mir selbst Unbehagen. Naja, und so richtig Anfang und Ende hat das ganze auch nicht *seufz* Aber die 500-Wort-Grenze für ein Bingo-Fill habe ich überschritten ...


***


  "Wo ist jetzt dieses Foto, von dem Sie geredet haben?"

Ohne ihn zu beachten wühlte Boerne weiter in einem der Stapel, den er in einem Regal im Arbeitszimmer seines Vaters gefunden hatte.

  "Boerne! Ich hab' nicht ewig Zeit!"

  "Jetzt seien Sie mal nicht so ungeduldig. Wenn ich sage, das Foto existiert, dann existiert es auch!"

Thiel seufzte. Natürlich würde es seinen aktuellen Fall weiterbringen, wenn er über dieses Foto einer Boerneschen Gartenparty vor dreißig Jahren beweisen konnte, daß Singer und Karmann alte Bekannte waren. Aber hätte Boerne nicht alleine suchen können? Ohne ihn? Er verschwendete hier doch nur seine Zeit. Entnervt ließ er seinen Blick durch das verstaubte Zimmer schweifen.

  "Soll ich nicht schon mal mit den Kartons dahinten -"

  "Sie bringen nur alles durcheinander!" unterbrach ihn Boerne scharf, ohne sich umzudrehen.

Durcheinander ... Sonderlich ordentlich war Boernes Vater nicht gewesen, ganz anders als sein penibler Sohn. Er drehte zum wiederholten Mal eine Runde durch das Zimmer, sah in alle Ecken und Winkel in der Hoffnung, etwas zu finden, ohne das ... Ablagesystem durcheinanderzubringen. Aber da war nichts, jedenfalls nichts, was einem Papierabzug ähnlich sah. Gelangweilt griff er nach dem Gegenstand neben dem Bücherregal und ließ ihn durch die Luft sausen.

  "Was hat das denn hier zu suchen, gehört das -" nicht eher in den Pferdestall verschluckte er, als  Boerne bei dem Zischen heftig zusammenzuckte und sich blitzartig umdrehte.

  "Fassen Sie das nicht an", sagte Boerne nach unerträglich langen, stillen Sekunden. Und drehte sich wieder um, während Thiel die Welle von Übelkeit niederkämpfte, die ihn plötzlich überfallen hatte, und das Ding - wie nannte man sowas? Reitgerte? - wieder an seinen Platz zurücklegte.

Boerne sah oberflächlich betrachtet aus wie vorher, während er weitersuchte. Nur daß seine Bewegungen jetzt knapp und konzentriert waren, so als würde er jeden Muskel in seinem Körper unter Kontrolle halten. Er hätte gerne etwas gesagt, irgendetwas, wenn ihm nur irgendetwas Sinnvolles eingefallen wäre. So sagte er schließlich nach Minuten des drückenden Schweigens nur "Ich geh' mal raus, an die frische Luft. Wenn ich eh nicht helfen kann."

Boerne nickte, und er flüchtete in den Garten.


***


Es wurde schon langsam dunkel, als Boerne auch nach draußen kam und sich zu ihm auf die Veranda setzte.

  "Und?"

  "Nichts."

  "Wollen wir nachhause fahren?"

Boerne schüttelte den Kopf. "Ich bin noch nicht fertig. Ich brauche nur fünf Minuten Pause an der frischen Luft."

  "Boerne ..."

  "Ich finde das Bild." Boerne wirkte entschlossen, aber auch ziemlich erschöpft.

Vielleicht war das der Grund, oder weil er an Lukas gedacht hatte, jedenfalls sagte er einfach, was ihm durch den Kopf ging. "Es tut mir -"

  "Das geht Sie nichts an."

Offensichtlich würde er nicht sagen, was ihm durch den Kopf ging. Thiel unterdrückte ein Seufzen. "Soll ich Ihnen nicht doch helfen? Ich kenne mich super aus mit Papierstapeln, glauben Sie mir."

  "Mein Vater mag es nicht, wenn jemand Unordnung in sein Arbeitszimmer bringt", sagte Boerne entschieden, und ihm stellten sich die Nackenhaare auf. Das wurde ihm langsam zu psychomäßig hier, am Ende fand sich im Keller noch - "Jetzt sehen Sie mich nicht an, als wäre ich verrückt", unterbrach ihn Boerne. "Ich habe nicht vergessen, daß er seit drei Jahren tot ist. Es würde ihm trotzdem nicht gefallen, wenn Sie in seinem Zimmer herumwühlen."

Boerne machte Anstalten wieder aufzustehen, aber er hielt ihn fest. "Dann machen Sie wenigstens mal 'ne richtige Pause. Meinen Sie, es gibt hier irgendwo Bier?"

  "Wohl kaum", schnaubte Boerne. "Und wenn, dann wäre es mittlerweile verdorben."

  "Wein?"

Boerne sah ihn kritisch an. "Mein Vater verfügt über einen gut sortierten Weinkeller, aber -"

  "- davon wird er wohl kaum noch was trinken."

Einen Moment lang sah es so aus, als wollte Boerne protestieren, aber dann sah er ein leichtes Lächeln.

  "Suchen Sie was passendes, und ich hol' die Gläser", sagte er deshalb, bevor Boerne es sich anders überlegen konnte.

Zehn Minuten später hatte Boerne tatsächlich eine verstaubte Weinflasche geöffnet und ihnen beiden ein Glas eingeschenkt. "Stürzen Sie den nicht gleich wieder in einem Zug herunter, sondern lassen Sie ihn atmen!"

  "Jaja ..." Das würde er sich wohl auf ewig anhören müssen. Er hatte es mittlerweile aufgegeben, Boerne klar machen zu wollen, daß er sowieso keinen Unterschied schmeckte. Aber wenn er den anderen auf diese Weise noch eine Weile an der frischen Luft und raus aus diesem stickigen Raum halten konnte, war ihm das nur recht.

Sie schwiegen eine Weile, während Boerne sein Weinglas zwischen den Fingern drehte und die Dämmerung sich über sie legte wie eine schwere Decke. "Ich könnte Licht anmachen", sagte Boerne schließlich, aber er schüttelte den Kopf. "So dunkel wird das doch gar nicht. Wir haben Vollmond."

Er griff nach der Flasche und nach Boernes Hand mit dem Glas, um ihm nachzuschenken. "Wollen Sie mich betrunken machen?" sagte Boerne amüsiert. "Ich muß noch fahren."

  "Sie trinken, ich fahre."

  "Thiel ..."

  "Es wäre doch bestimmt ein Sakrileg, von diesem Wein was übrig zu lassen."

  "Man könnte auch einfach den Korken wieder drauftun und die Flasche mitnehmen, Thiel", sagte Boerne ruhig. Aber er nahm den nächsten Schluck.

Er hatte Boerne gerade das zweite Mal nachgeschenkt und wollte gerade einen neuen Versuch starten, sich zu entschuldigen, als ihm der andere zuvorkam.

  "Er fehlt mir."

Boerne starrte vor sich hin, und Thiel nickte vorsichtig.

  "Wissen Sie, ich war ein ziemlich anstrengendes Kind, und -"

Die Übelkeit war wieder zurück und er stoppte Boerne, bevor der weiterreden konnte. Ihm war zwar nur ein einziges Mal die Hand ausgerutscht, als Lukas ihn in seiner ersten Trotzphase bis aufs Blut gereizt hatte, aber das lag ihm immer noch schwer im Magen. Danach hatten Susanne und er sich darauf geeinigt, Lukas notfalls in den Flur zu setzen und die Tür hinter ihm zuzumachen, bis sich beide Seiten wieder beruhigt hatten. Sicher auch keine pädagogische Glanzleistung, aber immer noch besser, als die Nerven zu verlieren.

  "Sie müssen ihn nicht entschuldigen, damit Sie ihn vermissen können." In seinem Kopf war das irgendwie schlüssiger und verständlicher gewesen, und er suchte nach einer Möglichkeit, das besser auszudrücken, aber dann sah er im Mondlicht, wie Boerne langsam nickte, und entschied sich, es doch lieber dabei zu lassen.


***


  "Ich weiß nicht, ob ich das Bild heute noch finde, Thiel", sagte Boerne nach dem letzten Glas.

  "Schon O.K. Sie können doch morgen weitersuchen. Oder ich schicke ein KTU-Team."

Boerne schauderte. "Mein Vater -"

  "- ist tot, den juckt das nicht mehr."

Boerne seufzte. "Wenn Sie meinen."

  "Dann lassen Sie uns mal los." Er stand auf und streckte Boerne eine Hand entgegen, um ihn von der Bank hochzuziehen. Eine Sekunde lang schwankten sie und hätten beinahe das Gleichgewicht verloren, aber dann fing Boerne sich wieder und ließ seine Hand los.


**


Sie waren nur noch drei Schritte vom Wagen entfernt, als Boerne plötzlich ohne ein weiteres Wort kehrt machte und zurück zum Haus stürmte.

  "Was zum -" Er hastete hinter seinem Nachbarn her und holte ihn im Flur ein. "Falsche Richtung Boerne, wir wollten doch -"

  "Ich weiß, wo es ist!" Boerne durchwühlte hastig das Bücherregal. "Hier!" Er schüttelte einen schmalen Band, und tatsächlich segelte etwas heraus, das Thiel geistesgegenwärtig auffing.

  "Woher ..."

  "Das Motto waren die 20er", sagte Boerne, als würde das alles erklären. "Ein Sommerfest in den zwanziger Jahren."

  "Und?"

Boerne hielt ihm das Buch unter die Nase. "Der große Gatsby, das ist doch offensichtlich!"

Ihm war gar nichts offensichtlich, aber vielleicht war es auch nicht so wichtig, nach welch verschlungener Logik man bei Boernes Unterlagen aufbewahrte. Stattdessen sah er auf das Foto und lächelte. Singer und Karmann, im Gespräch vertieft.

  "Ich wußte, daß es das Foto gibt", verkündete Boerne. "Ich vergesse nie etwas!" Thiel blätterte weiter und sah die anderen Bilder durch. Auf einem weiteren Bild waren sie im Hintergrund zu sehen, und auf dem letzten ... ein Junge, mit Hosenträgern und Schiebermütze und gerade dabei, mit dem Ausdruck höchster Konzentration im Gesicht einen Ball durch ein kleines Törchen zu schlagen. "Sind Sie das?"

  "Beim Crocketspielen", sagte Boerne und klang etwas verwundert. "Das Bild kenne ich gar nicht."

  "Wie alt sind Sie da?"

  "Zwölf." Boerne deutete auf den Mann, der neben ihm stand und ebenfalls einen Schläger hielt. "Das ist mein Großvater. Es war sein Geburtstag. Sein letzter."

  "Sie sehen sich nicht besonders ähnlich."

  "Er war mein Großvater mütterlicherseits, und ich komme mehr nach der väterlichen Seite."

  "Aber höchstens äußerlich."

 "Was?" Boerne sah ihn verwirrt an.

Einen Augenblick lang verspürte er einen sehr ungewohnten Impuls. Aber irgendwie hatte er das Gefühl, daß Boerne es nicht verstehen würde, wenn er ihn umarmte. Also tat er das nächstbeste und griff nach Boernes freier Hand.

  "Nehmen Sie die Fotos mit und lassen Sie uns endlich los. Es ist schon verdammt spät."

Boerne betrachtete ihn immer noch äußerst skeptisch, aber er setzte sich in Bewegung, als er ihn hinter sich her zog. Die nächste ruhige Minute würde er dafür nutzen, mit Boerne darüber zu reden, daß es an der Zeit war, die Sachen seines Vaters auszusortieren und wegzuräumen. Dieses leere Haus, an dem alles noch so da lag, als könnten seine ehemaligen Bewohner jederzeit wieder durch die Tür spazieren, ließ es ihm kalt den Rücken hinunter laufen. Und Boerne tat das auch nicht gut, soviel war mal sicher.


*** Fin ***

Comments

Oh, das ist wirklich keine leichte Kost, aber ich mag, wie einfühlsam Thiel ist. Was en detail geschehen ist, erfahren wir ja gar nicht, aber man hat als Leser das beruhigende Gefühl, dass Thiel als Freund für Boerne da wäre, wenn er ihn bräuchte, ohne dass er sich aufdrängt.

Das wurde ihm langsam zu psychomäßig hier, am Ende fand sich im Keller noch -

So ein Satz zum Aufheitern tut da richtig gut. :)

"Man könnte auch einfach den Korken wieder drauftun und die Flasche mitnehmen, Thiel", sagte Boerne ruhig.

Dass ausgerechnet Boerne so etwas sagt. :)

Der große Gatsby - sehr schön!

"Aber höchstens äußerlich."

Ach, Thiel! :)

Ehrlich gesagt, kann ich mich an den Satz aus der Inhaltsangabe im Moment gar nicht erinnern. Dass Boernes Vater recht streng war, kann ich mir einerseits vorstellen, andererseits würde solch eine Vergangenheit auch indirekt ein schlechtes Bild auf Boernes Mutter werfen, was mir leid täte, weil ich sie in "Eine Leiche zuviel" und auch Deiner Fanfic nett fand.
aber man hat als Leser das beruhigende Gefühl, dass Thiel als Freund für Boerne da wäre, wenn er ihn bräuchte, ohne dass er sich aufdrängt
Ich bin froh, daß das so geklappt hat :)

Ob und wie der Text zum Canon paßt, kann ich auch nur schlecht sagen. Ich stelle mir das Verhältnis immer eher angespannt vor; wegen des Zitats in Tempelräuber ("Ein Instrument wie dieses hat jemand wie du gar nicht verdient.") oder auch in Der dunkle Fleck (da erzählt Boerne, daß sein Vater ihn genötigt hat, bei einer Jagd als Treiber dabei zu sein). Aber normalerweise würde ich eher auf eine kalte, nicht sehr herzliche Beziehung tippen.

Zu "meiner" Erika würde es in der Tat nicht passen. Aber dazu ist fanfiction ja da, daß man die Rahmenbedingungen immer wieder ändern kann ...

Schön, daß Dir der große Gatsby und der Psycho-Anklag gefallen hat :) Und Thiel ist mal wieder sensibler als im Original ...
Ich wollte das Zitat nicht anzweifeln.

Wie ich schon sagte, habe ich keine Probleme damit, mir Boernes Vater als streng vorzustellen. Ich kanne mich nicht erinnern, ob er in Satisfaktion erwähnt wird, aber so eine Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft beruht ja auch oft auf einer mehr als zweifelhaften Familientradition, die auch nicht gerade zugunsten von Boernes Vater sprechen würde.

Die Passagen aus Tempelräuber und Der dunkle Fleck hatte ich schon wieder vergessen, aber ich bin auch der Meinung, dass sie untermauern, dass Boernes Verhältnis zu seinem Vater wohl eher nicht so gut war.
Ach ja, das Zitat ... ich verbinde es mit der Kiesgrubenszene in Zwischen den Ohren, bin aber noch nicht dazu gekommen das zu überprüfen.
Huhuuuuuuuu!
Also, ich konnte die Spoiler nicht anklicken und wusste nicht, was mich erwartet und was für ein Prompt du hattest. Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich die Story überhaupt lesen konnte.

Demensprechend war ich ziemlich überrascht, was du da veröffentlicht hast und habe mich extrem gewundert, warum um alles in der Welt du solch eine Geschichte geschrieben hast.

Nun, nachdem ich inzwischen dann endlich das Prompt kenne, ist es mir etwas klarer. Trotzdem bin ich immer noch verwundert.


Ich sage es jetzt mal so: wie immer bei dir ist es total mitreißend, man ist direkt im Geschehen, tigert förmlich in Thiels Schlepptau durch den Raum und zuckt regelrecht mit ihm zusammen, als klar wird, was er da für Erinnerungen ausgelöst hat.
Mir gefällt auch, wie die beiden agieren. Dass Thiel gut auf Boerne eingeht und Boerne sich ein Stück weit darauf einlässt.

Jetzt kommt das große ABER (das natürlich wie immer nur meine Meinung wiederspiegelt!):
Ich finde, diese Geschichte passt absolut nicht dazu, wie Boerne im Tatort-Canon angelegt ist. Ich weiß, AU, aber trotzdem.

Ich sag's jetzt einfach mal so ganz platt, mir gefällt das Thema nicht, das hinterlässt Unbehagen, wie du ja selber auch schreibst. Es passt nicht zu den Hauptfiguren des Tatort Münster, ich finde es selber nicht attraktiv, darüber zu schreiben und will ebensowenig darüber lesen. Wie gesagt, ich wusste nicht, was auf mich zukommt, sonst hätte ich die Geschichte vielleicht tatsächlich ignoriert - obwohl ich sonst grundsätzlich alles von dir verschlinge.

Natürlich ist Peitsche ein undankbares Prompt; es will ja wohl niemand von uns noch mit Dominas oder ähnlichem Kokolores um die Ecke kommen.

Ich dachte zuerst, die Aufgabe sei Kindheitserinnerungen gewesen und war ganz irritiert, wie du dich des Themas angenommen hast.

Die Idee mit den Erinnerungen war ja an sich super, aber da hättest du auch etwas ganz anderes draus machen können, Canon-Boerne gibt doch weiß Gott genug her; er kann Reiten, er hat mit Susi Winnetou und Old Shatterhand gespielt... da hättest du dich doch voll austoben können, von lustig bis sentimental.
Aber Kindesmisshandlung wäre in dem Moment tatsächlich die letzte meiner Ideen gewesen.

Bei mir wäre die Aufgabe wahrscheinlich in so einer Art Fassadenkletterei wie in "Der Fluch der Mumie" ausgeartet, mit einem mürrischen Thiel, der sich eben nicht wie Indiana Jones an der Peitsche über einen Abgrund schwingen kann...
Bei Tageslicht betrachtet, ist die Idee wohl noch abstruser als deine...
Oh, das ist ja sehr ärgerlich - der Sinn der Warnung ist ja, daß man vermeiden kann etwas zu lesen, was man nicht lesen möchte. Ich hab' jetzt mal sicherheitshalber den Spoiler-cut rausgenommen.

Vielleicht habe ich damit aber auch zu dramatische Bilder in Eure Köpfe gesetzt - im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob "Mißhandlung" nicht eine Nummer zu groß ist. Und mich dann gleich wieder selbst gerüffelt, weil es natürlich nie in Ordnung ist, ein Kind zu schlagen. Oder ihm zu drohen - was in dem Szenario auch völlig ausreichend wäre.

Warum mir ausgerechnet das eingefallen ist - ich weiß es nicht. Manchmal löst so ein Prompt eine Geschichte aus, die sich dann einfach festsetzt und geschrieben werden will. Ich passe zukünftig aber besser auf mit den Warnungen und lasse im Zweifelsfall lieber die Finger von den Spoilern :)

mit einem mürrischen Thiel, der sich eben nicht wie Indiana Jones an der Peitsche über einen Abgrund schwingen kann
*grin*
Das wäre allerdings auch eine Idee gewesen ... mir fiel als Alternative leider nur eine Sexszene der besonderen Art ein, und DAS ging mir dann doch zu weit ...
Ich habe dir ja schon eine Mail geschrieben, nachdem ich für diesen Tag die Hoffnung schon aufgegeben habe, LJ noch mal online zu erleben.

Ich hoffe du bist nicht sauer, dass ich gestern meine Meinung einfach so heraustrompetet habe, aber das ist ja nicht böse gemeint, sondern einach nur meine Sicht der Dinge.
Das weiß ich doch :)

Deshalb doch die Warnung, es gibt schließlich genug Themen, die ich selbst auch lieber nicht lesen mag ...
Ich muss sagen, das ich den Hut vor dir ziehe, sich eines solch schwierigen Themas angenommen zu haben. Natürlich kann man mit so einem Text hier und da anecken, aber ich glaube du kannst damit umgehen. ; )

Außerdem kann man das Ganze hier problemlos im Canon unterbringen. Zu Boernes Zeit waren Dinge wie Rohrstock oder Gürtel leider in solch manchen Haushalten vertreten... Und das die Mutter sich augenscheinlich nicht dazwischen stellt, sie aber mit Boerne ein gutes Verhältnis hat, ist auch nicht abwegig. Ich komme mit meiner Mutter auch super klar, und das, wo sie sich damals auch nicht schützend zwischen meinen Vater gestellt hat. Ich kann auch Boernes Gefühle gegenüber seinem Vater absolut nachvollziehen. Man vermisst den Menschen, der einen aufgezogen hat. Schließlich gab es ja nicht nur schlechte Zeiten, sondern auch durchaus schöne.

Thiel gefällt mir hier auch sehr gut. Nicht aufdringlich, sondern sehr verständnisvoll, feinfühlig und zurückhaltend besorgt.

Wenn du in Zukunft mal wieder so einen Text schreiben wollen solltest, dann nur zu. Hier hast du für meinen Geschmack im Bezug auf Herangehensweise und Umsetzung alles richtig gemacht, sofern man bei diesem Thema das Wort "richtig" hier verwenden kann.
Ich denke auch, daß die Idee nicht völlig abwegig ist. Boernes Vater kann gut und gerne in den 1930ern geboren sein, und das waren andere Zeiten mit anderen Erziehungsmethoden. Und vermutlich hast Du sogar recht, was die Mutter angeht. Mir geht es mit meiner Mutter nämlich genauso wie Dir.

Wobei es zu "meiner" Erika aus Undercover nicht paßt ... aber es müssen ja nicht alle Texte im selben Universum spielen ;)

Ich kann auch Boernes Gefühle gegenüber seinem Vater absolut nachvollziehen.
Ich auch. Vermutlich schreibe ich doch keinen Text ohne Grund.

Danke für die Rückmeldung :)
Ja, schwere Kost in diesem Fandom. Vor allem, weil bei dir wie immer ein paar Andeutungen schon reichen, um eine ganze Hintergrundgeschichte aufzuzeigen. Aber mir hat auch "Wolfsstunde" sehr gefallen, ich mag auch mal tiefergehende Geschichten.
Mit dem Thema habe ich zum Glück keine Erfahrung, aber ich finde, du hast es sehr gut umgesetzt. Dass Thiel zwar mitkommen sollte, aber nichts anfassen darf, ist sehr passend. Und ich denke, dass er auch seine sensible Seite hat (s. Wolfsstunde) und versuchen würde, Boerne irgendwie Halt zu geben. Auch wenn er ziemlich hilflos ist und es zunächst nicht so richtig gelingt. Besonders die Übelkeit finde ich sehr IC. Und dann die Flucht nach draußen, der Wein im Mondschein - alles sehr stimmig und m.E. auch sehr passend.
Sicher hält die "schwere" Stimmung nicht sehr lange an, sobald sie das Haus verlassen haben, da beide gut im Verdrängen sind, aber für diesen Moment passt alles. Und ob das Ganze zu Boerne passt, kann ich nicht sagen. Sicher hatte er keine unbeschwerte Kindheit (s. der Zwang zum Geigespielen), aber das sieht man gerade ihm sicher später nicht mehr an. Könnte aber ein Grund dafür sein, dass er so oft andere auf Distanz hält ... (ok, Hobbypsychologie endet hier)


aber es müssen ja nicht alle Texte im selben Universum spielen ;)
Natürlich nicht, dann wäre ja der ganze Spaß weg ! Schließlich will ich auch den x-ten ersten Kuss lesen :-) Und diverse Erinnerungen/Rückblicke, die sich alle widersprechen ...

Edited at 2013-01-03 08:12 pm (UTC)
Dass Thiel zwar mitkommen sollte, aber nichts anfassen darf, ist sehr passend.
Absolut! :)

Über ICness kann man immer spekulieren - für mich ist es nicht undenkbar, muß aber natürlich auch nicht zwingend so gewesen sein. Wobei, es wäre schon eine Erklärung für Boernes soziale Defizite ...

So oder so habe ich auch eher in die Richtung gedacht, die Du in Deinem anderen Kommentar beschrieben hast. Fürs Erschrecken (in der Geschichte) reicht die Drohung und ein Vater, der ausreichend Angst und Schrecken verbreitet hat. Sowas nimmt man sehr ernst als Kind, ich weiß nicht, ob sich das Erwachsene so richtig vorstellen können. Und zumindest Boernes Vater ist noch in einer Zeit aufgewachsen, in der Schläge nicht als Kindesmißhandlung, sondern als legitime Erziehungsmethode galten.

Wie auch immer, ich freue mich jedenfalls, daß Dir der Text trotz des ernsteren Themas gefallen hat. Und ja ... ich finde auch, daß Thiel sich wacker geschlagen hat :)
Zu Boernes Zeit waren Dinge wie Rohrstock oder Gürtel leider in solch manchen Haushalten vertreten

Hm, das hört sich eher nach Nachkriegszeit an, und sooo alt ist er ja auch nicht (JJL ist der gleiche Jahrgang wie mein Göttergatte). Aber es gab auch in den Siebzigern noch genug autoritäre Eltern, die zumindest mit der Gerte/dem Stock drohten (und dann doch eher mit der Hand schlugen) und das auch für richtig hielten. Was ich mir gut vorstellen kann, ist aber auch, dass Boernes Vater einfach sehr hohe Anforderungen hatte und einem sehr jungen Boerne mit der Gerte gedroht hat, wenn er aus der Reihe tanzte. Diese Angst prägt sich tief ein, ohne dass er ihn wirklich geschlagen haben muss.

Ganz abgesehen davon, dass es Kindesmisshandlung immer und jederzeit gab/geben kann.