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BT_Wandern

April 2018

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Büttenwarder

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BT_Arm

Fakten (WIP)

Ich schummle ein bißchen, weil ich den Bingo-Blackout heute noch schaffen will, und veröffentliche diesen Oneshot als WIP. Das Ende kommt dann in Ruhe am Wochenende ...
Warnung lesen!
Ich hatte die Idee schon beim ersten Anschauen von Fakten, Fakten, aber vermutlich bin ich damit ziemlich alleine.

Rating: P 12
Genre: Het, Pre-Slash
Zusammenfassung: Wilhelmine erinnert sich an ihre erste Begegnung mit Boerne. Und daran, daß Klassentreffen fatale Folgen haben können.
Episodenbezug: Fakten, Fakten
Warnung: Het ;) Und vermutlich bin ich die einzige, die sich das vorstellen mag.
A/N: Ich habe es aufgegeben, hier noch bei den Zeiten durchzublicken. Einen Rückblick in einen Rückblick zu verschachteln ist keine gute Idee ...
Bingo-Prompt: Klassentreffen
Länge: ~ 1.500 Wörter (Teil 1)


***


Thiel hatte hervorragende Arbeit geleistet, der Mord war in Rekordzeit aufgeklärt, die Presse zufrieden - nur Boerne mußte immer wieder von seinen fehlenden Schmauchspuren anfangen. Dabei war der Fall wasserdicht: Motiv, Gelegenheit, Spurenlage. Klarer hätte es nur sein können, wenn Dreiden bereits gestanden hätte. Aber Boerne ... Sie hatte schon während der Pressekonferenz gespürt, daß er kurz davor war, überzukochen und seine Theorien lauthals zu verkünden. Immerhin hatte er es geschafft, sich da unter Kontrolle zu halten, aber dafür konnte sie sich jetzt das ganze noch einmal anhören. Dreiden war ein alter Freund, natürlich - aber es war einfach nicht akzeptabel, daß ihr Rechtsmediziner derartig emotional wurde und auf Gedeih und Verderb versuchte, den Mann aus dieser Sache herauszureden. Und das sagte sie ihm auch so deutlich, denn dieses Verhalten würde sie nicht mehr lange tolerieren können. Dabei hätte sie eigentlich wissen können, daß er in dieser Stimmung nicht mehr aufzuhalten war.

  "Jetzt tun sie doch nicht so scheinheilig, Sie kennen ihn doch auch." Er stoppte sie, bevor sie den nächsten Treppenabschnitt weiter hinuntergehen konnte. "Oder ahne ich da irgendwelche persönlichen Verbindungen - hm?  - Frau Staatsanwältin? Vielleicht nehmen Sie es ihm ja immer noch übel, daß er bis heute in ihrer bunten kleinen Raupensammlung fehlt!?"

Für den Bruchteil einer Sekunde verschlug es ihr die Sprache, und auch Boerne erstarrte, weil ihm wohl bewußt wurde, daß er gerade eine Grenze überschritten hatte. Sie war sich sicher, daß sie in diesem Moment beide an das gleiche dachten. Zum Glück fiel dem neuen Kommissar nichts auf.

  "Mein Gott, verehrter Herr Professor, machen sie mir lieber den Fall wasserdicht - und sparen sie sich Ihre pubertären Witzchen!"

Dazu fiel ihm nichts mehr ein, dachte sie befriedigt, als sie die beiden stehen ließ. Soweit würde es noch kommen, daß sie sich von Boerne Parteilichkeit vorwerfen ließ. Und erst recht würde sie sich nicht mit Anspielungen auf längst vergangene Zeiten in die Enge treiben lassen, als würde das heute noch jemanden interessieren!

Bis sie in ihrem Büro angekommen war, tat ihr das "pubertär" allerdings schon wieder leid. Ausgerechnet. Immerhin mußte man fairerweise zugeben, daß Boerne nach dieser einen unschönen Szene nie wieder auf das Thema zurückgekommen war. Und daß sie damals nicht ganz unschuldig an diesem Mißverständnis gewesen war. Sie seufzte. Daß einem das schlechte Gewissen aber auch immer derartig lange nachgehen mußte.
 

***


Angefangen hatte alles mit einem Klassentreffen, damals vor vier Jahren. Boerne war gerade zum stellvertretenden Leiter der Rechtsmedizin ernannt worden und sie hatten ihre ersten Schlagabtausche hinter sich gebracht. Er trieb seine Kollegen zur Weißglut, aber seine Ergebnisse machten das wett. Meistens zumindest. Außerdem war er unterhaltsam, und in ihrem Job gab es weißgott wenig zu lachen. Jedenfalls stand dieses Klassentreffen an - 30 Jahre Abitur, wie furchtbar - und sie brauchte Begleitung. Alleine würde sie da garantiert nicht auftauchen und sich die Geschichten über die Kinder ihrer Klassenkameradinnen anhören. Oder scheinheilige Kommentare zu ihrem beruflichen Erfolg. Und Boerne konnte charmant sein, wenn er wollte,  und außerdem war er schnell von Begriff und hatte ebenso viel Spaß daran wie sie, die versammelte Gesellschaft zu schockieren. Wenn man die Häufigkeit, mit der ihr Name an diesem Abend in der ein oder anderen Ecke der Münsteraner Ratsstuben gefallen war, als Gradmesser nahm, war der Auftritt ein voller Erfolg gewesen.

Sie hatte zumindest einen schönen Abend gehabt - und das auf einer Veranstaltung, die, als sie die Einladung gesehen hatte, nur das schlimmste befürchten ließ. Und Boerne hatte sich auch amüsiert. Und weil sie gutgelaunt war und Boerne nicht unattraktiv, hatte sie ihn am Abend mit nach Hause genommen. Sie waren schließlich beide erwachsen, und wußten beide, was sie wollten. Dachte sie. Bis zum bösen Erwachen am nächsten Morgen.

Was genau er gesagt hatte, wußte sie gar nicht mehr. Es war gar nichts Spektakuläres gewesen, nur daß ihr in dem Moment klargeworden war, daß Boerne die Sache anscheinend wesentlich ernster genommen hatte als sie. Und weil sie so verdutzt gewesen war, hatte sie darauf nicht sonderlich diplomatisch reagiert. Daran erinnerte sie sich bedauerlicherweise nur zu gut. Ebenso wie an ihr schlechtes Gewissen, als sie seinen Gesichtsausdruck gesehen hatte. Und an ihre Versuche, ihn wieder zu besänftigen. Er konnte doch nicht ernsthaft denken, daß sie eine Beziehung oder auch nur eine Affaire mit einem 15 Jahre Jüngeren in Betracht ziehen würde. Aber alle Versuche, vernünftig mit ihm zu reden, waren gescheitert - was sie sich hätte denken können, immerhin kannte sie ihn dafür schon gut genug.

Er schob ihre Hand grob beiseite.

  "Ich bin kein Kind!"

Und sie schloß gequält die Augen, weil ihr ausgerechnet in diesem Moment einfallen mußte, wann und wie sie Boerne das erste Mal begegnet war. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie an seinem Blick, daß er sich auch erinnerte.

  "Ich gehe dann wohl besser."

Sie ließ sich entnervt zurück aufs Bett fallen, als sie das Geräusch der schließenden Haustür hörte. Verdammter Mist. Und warum mußte ihr auch ausgerechnet jetzt wieder einfallen, daß seine Scheidung erst ein gutes halbes Jahr her war? Das half ihrem schlechten Gewissen nicht das geringste. Sie versuchte die Bilder zu verscheuchen, die mit der Erinnerung aufgetaucht waren, und sich darauf zu konzentrieren, daß Boerne inzwischen Mitte 30 war und durchaus erwachsen. Aber das half herzlich wenig gegen das Bild dieses altklugen Kerlchens, das sie vor fast fünfundzwanzig Jahren auf einer Gartenfeier bei Boernes das erste Mal gesehen hatte. Sie hatte gerade das 2. Staatsexamen hinter sich gebracht und Rudolf, ihr damaliger Freund, war wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Boerne. Dem Senior natürlich. Der war damals gar nicht so viel älter gewesen als sie heute, kam ihr aber so steinalt vor, wie sie selbst sich wohl nie fühlen würde. Es war eine Feier für Erwachsene gewesen und Boerne das einzige Kind. Etwa zehn mußte er da gewesen sein, klein für sein Alter und so unruhig wie ein Sack Flöhe. Irgendwann hatte ihn sein Vater entnervt auf sein Zimmer geschickt; Frau Boerne, die sie als sehr freundlich und ausgeglichen in Erinnerung hatte, hatte nur den Kopf geschüttelt. Sie hatte etwas gesagt, um ihre Verlegenheit zu überspielen - wenn sie Eltern dabei zusah, wie sie ihre Kinder disziplinierten, hatte sie immer so ein ungutes Gefühl. Als würde gleich ihr eigener Vater auftauchen und ihr Hausarrest verpassen. Sie konnte sich noch erinnern, was Boernes Mutter gesagt hatte.

Wenn er  sich langweilt, stellt er nichts als Unsinn an.

Das war ein Satz, der nach wie vor zutraf. Man mußte immer ein Auge darauf haben, daß er genug zu tun hatte - ein gelangweilter Boerne war ein wandelndes Pulverfaß. Jedenfalls war damals seine große Schwester ein Schuljahr im Ausland, und der Japanischkurs, den er in den Ferien zur Auslastung besuchen sollte, wie Frau Boerne sie informierte, hatte noch nicht begonnen.

Sie war ihm später am Abend noch einmal begegnet, als sie auf der Suche nach der Toilette durchs Haus geirrt war.

  "Suchen Sie etwas?"

Sie zuckte schuldbewußt zusammen, weil sie sich gerade die Bilder im Flur angesehen hatte. "Solltest du nicht in deinem Zimmer sein?"

  "Nur im Haus", entgegnete er trotzig und ließ das Jojo die nächste Figur vollführen; so schnell, das sie mit den Augen kaum folgen konnte.

  "Ich glaube, dein Vater meinte dein Zimmer, auch wenn er 'ins Haus' gesagt hat." Sie hatte nicht umsonst Jura studiert und wußte schließlich, daß es auf die Intention des Gesetzgebers ankam und weniger auf den Wortlaut.

  "Hat er aber nicht gesagt", beharrte der Junge. Er war zwar eine kleine Nervensäge und sie konnte seinen Vater einerseits verstehen, aber andererseits sah er jetzt doch ein wenig verloren aus im Halbdunkel auf der Treppe in diesem großen Haus. Bei ihr war es so ähnlich gewesen, und sie konnte nicht sagen, daß sie ihrer Kindheit hinterhertrauerte.

  "Ich würde an deiner Stelle lieber gehen, sonst bekommst du noch mehr Ärger."

  "Nur, wenn Sie petzen." Jetzt hatte er die Arme vor der Brust gekreuzt und sah sie herausfordernd an. "Und dann erzähle ich, daß Sie durch unser Haus geschlichen sind."

  "Ich bin nicht -" So eine kleine Kröte. Sie würde sich ja wohl nicht von einem Zehnjährigen in die Enge treiben lassen. "Sag' mir einfach, wo das Bad ist. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, mit deinem Vater zu reden."

Er sah sie einen Moment skeptisch an und zeigte dann in die Richtung, aus der sie gekommen war. "Da lang und dann links."

  "Danke."


 Wilhelmine seufzte. Das gehörte wohl zu den Nachteilen des Alters. Zu viele Erinnerungen. Jedenfalls hatte sich das vor vier Jahren wieder eingerenkt, dann würde Boerne ja wohl über  ihre letzte Auseinandersetzung erst recht hinwegkommen. Und Fakt blieb, daß alles gegen Dreiden sprach. Alles - bis auf die Schmauchspuren, die Boerne vermißte. Aber dafür würde sich mit Sicherheit auch noch eine logische Erklärung finden. Für's erste reichten ihr die Glassplitter, mit denen Dreidens Kleidung übersät gewesen waren und die eindeutige bewiesen, daß er wenige Meter von dem Opfer entfernt gestanden hatte, als der tödliche Schuß fiel. Und wenn Boerne sich endlich beruhigt hatte und den Fakten ins Auge sah, würde er das akzeptieren.


*** tbc ***

Comments

Ich habe über diesen Satz, den Boerne da raushaut (also, die "Bunte Raupensammlung" meine ich), auch gleich gestaunt. Sowas hatte ich damals im Tatort irgendwie gar nicht erwartet (war mein zweiter oder dritter, ich war da noch ganz frisch)

Was für eine Idee, da was draus zu stricken und ich bin gespannt, wo du noch damit hinwillst! :D

War das jetzt das Blackout? Ich muss mal auf deine Karte schauen. :D

Edited at 2013-01-31 06:11 pm (UTC)
Da bin ich schon mal froh, daß Du das mit Frau Klemm nicht völlig unmöglich findest :) Wo ich damit hinwill, weiß ich nur ungefähr - erwarte also nicht zu viel.
Hier warte ich ja immer noch auf die Fortsetzung...
*hint* *hint*
Hach ja ... stimmt. Das habe ich auch noch im Hinterkopf. Eigentlich gab es auch schon so etwas wie eine Idee zum Ende.

Aber ich brauche einen Schreibschub, um das fertigzustellen ...
Ich brauche endlich mal einen Schreibschub, um bei meinem BigBang weiterzumachen. Habe seit Wochen! kein Wort getippt. Ich ärgere mich über mich selbst, aber ich krieg' mich nicht sortiert. *seufz*
Spannender und ungewöhnlicher Auftakt! Ich bin sehr neugierig, wie das wohl weitergehen könnte.

Auch wenn das jetzt nicht mein Liebling-Paar ist, bin ich mir sicher, dass die beiden eigentlich eine ganze Menge aneinander zu schätzen wüssten.

ein gelangweilter Boerne war ein wandelndes Pulverfaß

Schöne Charakterisierung!
Siehe oben - ich hoffe, du erwartest nicht zu viel. Der Auftakt ist vermutlich mehr als daraus wird.

Aber ich bin trotzdem froh, daß Du das nicht ganz abwegig findest ;)
dass die beiden eigentlich eine ganze Menge aneinander zu schätzen wüssten.
Schon irgendwie, oder?
Schon irgendwie, oder?

Ich will da jetzt nicht zu genau drüber nachdenken, aber von ihrem Hintergrund her und ihren Beziehungen innerhalb der Münsteraner Gesellschaft haben sie sicherlich einiges gemeinsam.