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Shall we dance: Teil 1

Anfangs wußte ich nicht, ob das überhaupt Slash wird ... aber ich denke schon ;)
Mit dem Ende bzw. Teil 2 kämpfe ich noch.

Bisher kein Beta, Anmerkungen nehme ich dankbar an.

Rating: P 12
Genre: Freundschaft / Pre-Slash (Kap. 1), Slash (Kap. 2), First Time, Humor
Handlung: Thiel hat eine Verabredung und braucht Hilfe. Boerne entdeckt seinen inneren Professor Higgins.
Warnungen: keine
Länge: ca. 2.000 Wörter (Teil I)



Da hatte er sich ja ganz schön in was reingeritten. Als ihn Frau Köttenröder gefragt hatte, ob er Lust habe, mit ihr heute Abend tanzen zu gehen, hatte er sich dabei was anderes vorgestellt. Er war zwar nie ein begeisterter Tänzer gewesen, aber er erinnerte sich dunkel, daß es früher zur Not gereicht hatte, wenn man auf der Tanzfläche ein wenig im Rhythmus nickte. Während die Mädchen um ihre Handtaschen tanzten. Das war allerdings gute dreißig Jahre her, und mittlerweile verstand man unter Tanzen wohl wieder etwas anderes. Zumindest in Münster. Und auf dem Jahresball des Schützenvereins "Kimme und Korn".
Thiel musterte zum wiederholten Mal den Inhalt seines Kleiderschranks. Viel war das ja nicht gerade. Und erstaunlich viele Kleidungsstücke waren mit dem Vereinssymbol des FC St. Pauli verziert, was heute Abend wohl eher unpassend war. Selbst in seinem einzigen passablen Anzug war er für dieses Ereignis vermutlich noch underdressed. Aber das mußte wohl reichen - er hatte jetzt jedenfalls weder Zeit noch Lust, etwas Schickeres zu kaufen. Vor allem, da er noch ein viel größeres Problem hatte - er mußte innerhalb von wenigen Stunden tanzen lernen. Sonst würde das heute ein mehr als peinlicher Abend werden. Und was die Sache noch schlimmer machte - er kannte eigentlich nur einen Menschen, den er in diesem Fall um Hilfe bitten konnte ...

***

Eine halbe Stunde später stand er in Boernes Wohnung und hörte sich dessen Schilderung seiner vormittäglichen Großtaten auf dem Golfplatz an. Er hatte schon ein oder zweimal versucht, den anderen zu unterbrechen, aber ohne Erfolg. Letztendlich hatte er sich in sein Schicksal gefügt - schließlich konnte man nicht ewig darüber reden, wie ein kleiner weißer Ball in ein oder mehrere Löcher befördert wurde ... Allerdings doch erstaunlich lange. Er ließ seinen Blick durch Boernes Wohnung schweifen und fragte sich gerade, warum es hier immer so viel ordentlicher aussah als bei ihm, als sein Nachbar endlich doch zum Ende kam.
  "... und so - Sie können mir gratulieren - habe ich heute tatsächlich mit einem Spiel mein Handicap um anderthalb Punkte verbessert! Aber warum sind sie eigentlich nochmal vorbeigekommen?"
Thiel räusperte sich. Jetzt oder nie.
  "Ja nun ... Sagen Sie mal ... können Sie eigentlich tanzen?"
  "Selbstverständlich! Ich bin Träger des Tanzsportabzeichens in Gold. Wieso fragen Sie?"
  "Also ... ich habe da heute Abend eine Verabredung ..."
  "Eine Verabredung? Mit wem denn?" Boerne sah ihn ungläubig an, und Thiel bereute schon, daß er überhaupt davon angefangen hatte.
  "Das ist doch völlig unwichtig. Wichtig ist nur, daß wir zum ... ähm ... Jahresball des Schützenvereins "Kimme und Korn" gehen, und dort ..."
  "... wird getanzt, ich verstehe schon. Es ist Frau Köttenröder, stimmt's?"
Thiel war zu überrumpelt, um das sofort glaubhaft abzustreiten. Die Sekunde, die er zögerte, reichte dem andern schon. "Hab ich's mir doch gedacht! Nicht übel, Thiel, nicht übel. Hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut."
  "Was ... O.K., es ist Frau Köttenröder. Wieso ... Wie sind Sie da jetzt so schnell drauf gekommen?"
  "Na das ist doch offensichtlich!" Boerne lächelte ihn gönnerhaft an. "Erstens machen Sie ihr schon die ganze Zeit schöne Augen, und außerdem ist die Köttenröder Ehrenmitglied bei "Kimme und Korn" und eine begeisterte Tänzerin noch dazu. Aber ich hätte ja nicht gedacht, daß Sie den Mumm haben, sie einzuladen."
Thiel fühlte sich etwas in die Enge getrieben. "Naja ... also wenn ich ehrlich bin ..."
  "... sie hat Sie eingeladen?"
  "Ja."
  "Naja ... ich hätte Ihnen auch nicht zugetraut, daß Sie sich einladen lassen ... Aber wo ist jetzt das Problem und warum stehen Sie bei mir auf der Matte?"
  "Tja also ... wissen Sie ... ich kann eigentlich nicht wirklich tanzen ..."
Boerne unterbrach ihn. "Oh nein. Nein. Ganz bestimmt nicht. Denken Sie nicht einmal daran! Ich habe wirklich besseres zu tun."
  "Können Sie mir nicht vielleicht was Einfaches beibringen?"
  "Bis heute Abend?" Boerne sah ihn skeptisch an. "Das wird doch nie im Leben was."
Dann mußte er wohl schwerere Geschütze auffahren. "Wenn Sie das nicht schaffen, frage ich eben jemand anderes."
  "An meinen didaktischen Fähigkeiten besteht gar kein Zweifel, Thiel", erklärte ihm Boerne sofort gekränkt. "Aber Sie sehen mir nicht gerade so aus, als wären Sie der geborene Tänzer. Wie soll ich Sie denn bis heute Abend so weit bekommen, daß Sie auf der Tanzfläche eine passable Figur abgeben!?"
Thiel seufzte. "Mir würde es schon reichen, wenn ich zu ein oder zwei Tänzen den Grundschritt wieder hinbekomme, damit ich mich nicht völlig blamiere. Bitte ..."
  "Haben Sie denn schonmal einen Tanzkurs besucht?"
  "Nö ... das heißt, doch. Vor der Hochzeit haben wir so einen Crashkurs belegt. Das ist aber ewig her."
  "Und was haben Sie da gelernt? Langsamen Walzer?"
  "Mein Gott, Boerne, daran erinnere ich mich heute doch nicht mehr."
Boerne sah ihn nur an und schüttelte den Kopf.
  "Was ist?!"
  "Kein Wunder, daß Ihre Frau Sie verlassen hat ... haben Sie das Hochzeitsdatum auch vergessen?"
  "Gleich nach der Scheidung", knurrte Thiel. Wenn er nicht gerade auf Boernes Hilfe angewiesen gewesen wäre, hätte er ihm was anderes erzählt. Aber so ... "Helfen Sie mir nun, oder nicht?"
  "Also gut." Boerne seufzte. "Wir fangen mit der Rumba an. Die ist nicht so schnell, und stationär. Wenn Ihre Frau Köttenröder weiß, was sie tut - wovon ich ausgehe -, dann kommt sie auch ohne großartige Führung zurecht. Und Sie schaffen zur Not einen Tanz nur mit dem Grundschritt."
  "Wenn Sie das sagen ...."
  "Gut." Boerne hatte einen entschlossenen Gesichtsausdruck aufgesetzt. "Dann gehen wir den Grundschritt erst einmal trocken durch." Er griff nach Thiels Händen, platzierte die Linke an seiner Schulter und nahm die Rechte in die Hand. Irgendwie fühlte sich das falsch an ...
  "Was soll mir das denn helfen, Boerne!"
Boerne sah zu Thiel hinunter und stutzte.
  "Entschuldigung ... die Gewohnheit ..." Er zögerte einen Moment, und änderte dann die Position. "Das ist gar nicht so einfach, sich das alles umgekehrt vorzustellen."
  "Wär aber besser, denn sonst komme ich heute Abend nicht weit."
  "Vielleicht sollten Sie die Dame führen lassen ... das würde von der Größe her ohnehin besser passen ..."
  "Boerne!"
   "Ganz im Ernst, es ist wesentlich einfacher, wenn der Anfänger bei einem Paar die Dame ist. Sie brauchen mich nicht so ungläubig anzusehen, das ist wirklich so. Das Führen ist eine schwierige Sache, und wenn der, der führt, weiß was er tut, tanzt es sich deutlich besser."
  "Es ist mir völlig egal, ob das so ist oder nicht! Ich kann ja Frau Köttenröder heute Abend wohl schlecht vorschlagen, daß sie führt."
Boerne verabschiedete sich offensichtlich nur ungern von dieser Idee. "Wenn Sie meinen ... vermutlich könnte sie das auch gar nicht."
Vielleicht war es doch eine Schnapsidee gewesen, ausgerechnet Boerne um Hilfe zu bitten. Jetzt standen sie hier schon bald eine halbe Stunde herum, und waren noch keinen Schritt weiter gekommen ... "Könnten wir dann vielleicht langsam anfangen? Es ist schon drei ... und mit Ihnen hier Händchen zu halten, hilft mir überhaupt nicht weiter!"

***

  "Gar nicht so übel." Boerne klang überrascht. "Wenigstens erkennen Sie den Rhythmus und haben kein Problem mit dem Einsatz. Das ist gut, denn wenn es da schon hapert, sehen die Chancen schlecht aus ... Mit etwas Übung könnten Sie vielleicht wirklich ein annehmbarer Tänzer werden."
  "Das war schon immer mein Traum ...", brummte Thiel. Obwohl ihm das ganze ehrlich gesagt anfing Spaß zu machen. Mit Susanne hatte das damals nicht so gut geklappt. Sie hatten sich regelmäßig verheddert und waren aus dem Takt gekommen. Und hatten sich mehr gestritten als jemals zuvor. Rückblickend war das wohl eine Vorschau auf die kommenden Jahre gewesen. Das mit dem Tanzen hatten sie jedenfalls nach dem Pflichttanz auf der eigenen Hochzeitsfeier schnell wieder aufgegeben. Er hatte noch seine Schwiegermutter einmal durch den Saal gewalzt und sich danach geschworen, so etwas nie wieder zu tun. Mit Boerne war dagegen alles viel müheloser.
  "Ich zeige Ihnen mal, wie Sie ein einfaches Damensolo anzeigen ... Sie müssen an dieser Stelle den Arm heben ... höher, Thiel, wie soll das denn sonst gehen ... ich muß mich schließlich darunter drehen ... so."
  "Und was mache ich?"
  "Sie machen einfach den Grundschritt weiter. Lassen Sie uns das ganze nochmal versuchen ... na also, klappt doch. Ehrlich gesagt hat die Dame beim Tanzen viel mehr Spaß."
  "Hm?" Thiel konzentrierte sich weiter darauf, nicht aus dem Takt zu kommen.
  "Naja, der Herr macht oft über weite Strecken nur den Grundschritt. Bei den meisten Drehungen und so hat die Dame viel mehr zu tun ... außer bei den Standardtänzen vielleicht, die sind ja grundsätzlich anders aufgebaut ... ich glaube, wir versuchen es anschließend mal noch mit einem langsamen Walzer ... wobei wir dafür hier ein bißchen wenig Platz haben ..."
  "Boerne ... müssen Sie eigentlich die ganze Zeit reden?"
  "Wenn Sie es heute Abend nicht schaffen, beim Tanzen Konversation zu betreiben, wird das auch keine sehr erfolgreiche Verabredung werden." Boerne klang ziemlich eingeschnappt.
  "Ist ja gut ... aber jetzt würde ich mich doch lieber erst mal auf eine Sache konzentrieren."

***

Nach der Rumba hatten sie sich am langsamen Walzer versucht, was nicht ganz ohne Peinlichkeiten abgelaufen war. Boerne hatte ihm zwar erklärt, daß Standardtänze nun einmal eng getanzt wurden, und daß sie sich bei größerem Abstand weder vernünftig drehen würden, noch das mit der Führung klappen würde ... aber er fand es trotzdem ziemlich eigenartig, mit Boerne so auf Tuchfühlung zu gehen. Davon abgesehen machte ihm der Walzer jedoch noch wesentlich mehr Spaß als die Rumba, und er hoffte, daß er Gelegenheit bekommen würde, das Gelernte mit Frau Köttenröder zu wiederholen. Vielleicht war das mit dem Tanzen ja doch keine so schlechte Idee für eine erste Verabredung.  Inzwischen war es schon fast sechs, und es gab da eigentlich nur noch ein Problem, das er lösen mußte, bevor er seine Verabredung abholen konnte.

  "Ähm ... Boerne ... kann ich Sie noch um was anderes bitten?"
Der andere sah ihn überrascht an. "Brauchen Sie noch eine Einführung in die allgemeine Etikette? Ich hatte eigentlich nicht vor, hier den ganzen Tag den Professor Higgins zu ihrer Eliza Doolittle zu geben ..."
  "Was?"
  "Vergessen Sie's ... worum geht's?"
  "Naja ... das ist ja heute wohl ein Anlaß für Anzug und so weiter ... könnten Sie vielleicht meine Krawatte binden?" Ganz schön peinlich. Aber bei den wenigen Anlässen, zu denen er bislang so ein Ding hatte tragen müssen, hatte das immer jemand anderes für ihn getan. Früher seine Mutter, dann Susanne, und nun ... tja, jetzt war er wohl auf sich gestellt.
Boernes Gesichtsausdruck war von überrascht zu entgeistert gewechselt. "Boerne? Hat es Ihnen die Sprache verschlagen oder was?"
  "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worüber ich mich mehr wundere ... darüber daß Sie so alt werden konnten, ohne zu lernen, wie man eine Krawatte bindet, oder  darüber, daß Sie überhaupt eine haben."

***

  "Sie wollen doch nicht im Ernst dieses Hemd zu diesem Anzug anziehen?"
  "Wieso?"
  "Sind Sie farbenblind?"
  "Nicht daß ich wüßte ... O.K. Dann sagen Sie mir doch, was zu dieser Farbe paßt."
  "Haben Sie vielleicht ein weißes Hemd? Nicht, daß das besonders gut passen würde, aber wenigstens kann sich dann keine zweite Farbe mit diesem .. diesem ... Farbton beißen."
  "Weiß habe ich glaube ich ... Moment ... hier! Und welche Krawatte?"
  "Sie haben tatsächlich mehr als eine?"
  "Zwei."
Boerne warf einen kurzen Blick auf die beiden Krawatten und wandte sich mit Grausen ab.
  "Thiel ... entsorgen Sie das bitte ..."
Also wirklich ... gut, die beiden Krawatten waren schon etwas älter, aber trotzdem ...
  "Die sind doch noch völlig O.K. Ist das nicht inzwischen wieder modisch geworden?"
  "Nein." Boerne schüttelte den Kopf. "Thiel, Sie können heute weder eine Lederkrawatte aus den Achtzigern noch dieses ... orangene Monstrum aus den Siebzigern tragen."
  "Dann gehe ich eben ohne. Ist mir eh lieber." Er warf die Krawatten zurück in den Schrank und griff sich Hemd und Anzug.
Boerne seufzte. "Ich leihe Ihnen eine von meinen."
  "Das ist wirklich nicht nötig ..."
  "Das ist ein Akt christlicher Nächstenliebe ... seien Sie still und dankbar."
  "Ich kann wirklich auch ohne ..."
  "Glauben Sie mir, ohne Krawatte kommen Sie da heute Abend nicht rein."
  "Ach so ... na dann ... ich zieh mich dann schon mal um."

***

  "Rosa? Mußte das sein?"
  "Flieder. Und es gibt nicht viel, was zu diesem ... Braunton passen würde. Entweder die oder keine."
  "Na meinetwegen."
  "Setzen Sie sich mal hin. Ich kann das auch nicht spiegelverkehrt."
  "Ich dachte, Sie können alles ..."
  "Hinsetzen ... ich glaube, zum nächsten Geburtstag schenke ich Ihnen eine Farb- und Stilberatung."
  "Sehr witzig."
  "Das war kein Scherz."
Thiel sah auf Boernes Hände hinunter, die mit zügigen Bewegungen die Krawatte knoteten.
  "So ... die Länge kommt hin, oder?"
  "Da fragen Sie den Falschen."
Ihre Blicke trafen sich kurz im Spiegel, und Boerne lächelte.
  "Ich denke, das geht so. Sie sehen ganz annehmbar aus."
  "Danke ... das wollte ich unbedingt von Ihnen hören ..." Das war als Scherz gemeint, klang dann aber sogar für ihn selbst überraschend ehrlich. "Ähm ... Boerne ... kann ich dann wieder aufstehen? Ich müßte los."
  "Natürlich." Der andere ließ ihn wieder los und trat einen Schritt zurück. "Na dann - viel Erfolg. Und vergessen Sie nicht, was ich Ihnen beigebracht habe!"
  "Jaja ... tschüss."
Er schob Boerne zur Tür hinaus und atmete erleichtert auf. Irgendwie war das alles ein bißchen viel geworden. Und er mußte sich beeilen, er wollte nicht, daß der Abend gleich damit begann, daß er zu spät kam.

> hier geht's zu Teil 2
Tags: f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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