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BT_Wandern

July 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Entzugserscheinungen

Rating: P 12
Genre: est. rel, Humor
Bezug: Gehört in den Handlungsbogen nach Sehnsucht (dort sind auch alle anderen Teile verlinkt).
Handlung: Boerne ist wieder zurück. Aber der erste gemeinsame Arbeitstag birgt Fallstricke, die er nicht voausgesehen hat.
Länge: ~ 700 Wörter


***


  „Ah, Herr Hauptkommissar“, begrüßt Frau Haller ihn fröhlich. „Wollen Sie den Chef auf den neuesten Stand bringen?“

  „Genau“, antwortet er, erleichtert, daß er sich keine Ausrede dafür einfallen lassen muß, warum er an Boernes erstem Arbeitstag schon gleich wieder vor der Tür steht. Frau Haller weiß ja nicht, daß er Boerne die letzten vier Monate sowieso auf dem Laufenden gehalten hat.

Boerne kommt im gleichen Moment aus seiner Bürotür und er winkt mit den Akten, die er in der Hand hat. „Ich hab‘ Ihnen die Unterlagen zu den offenen Fällen vorbeigebracht, wenn Sie wollen, können wir –“

  „Thiel, muß das jetzt sein?" Boerne runzelt ungeduldig die Stirn. „Ich habe mir noch nicht einmal einen Überblick darüber verschafft, welche Obduktionen in den nächsten Tagen anstehen, und –“

  „Er hat sich noch nicht wieder akklimatisiert“, erklärt Frau Haller, während Thiel ein Augenrollen unterdrückt, weil Boerne seine Tarngeschichte für eine kurze gemeinsame Kaffeepause nicht als solche erkennt. „Wer sich in solchen Sphären wie den heiligen Hallen der Harvard University bewegt hat, kommt natürlich nur schwer wieder auf den Boden der Münsteraner Tatsachen zurück.“

  „Solche Höhenflüge sind Ihnen natürlich fremd“, antwortet Boerne gut gelaunt. „Der Boden ist Ihnen dagegen sehr viel näher.“

Frau Haller schnaubt spöttisch und Thiel lächelt über den vertrauten Schlagabtausch. Das hat ihm gefehlt in den letzten Monaten. Unter anderem. Im gleichen Moment fragt Frau Haller: „Was haben Sie eigentlich am meisten vermißt da drüben?“ und Boerne, aus dem Konzept gebracht, schaut zu ihm, eine Sekunde zu lange, bevor er antwortet: „Brot … das Brot natürlich. Anständiges deutsches Vollkornbrot, nicht zu bekommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.“ Boerne räuspert sich, während Frau Hallers Blick nachdenklich zwischen ihnen beiden hin- und herwandert.

  „Wir sollten dann …“, wirft er ein, weil ihm nichts Besseres einfällt, und winkt noch einmal mit dem Papierstapel in seiner Hand. Boerne nickt hastig und hält die Tür zu seinem Büro auf. „Die Leichen laufen mir ja nicht weg. Alberich, wir besprechen den Obduktionsplan anschließend.“

  „Sehr wohl, Chef“, sagt Frau Haller und deutet einen Salut an. „Hätten Sie gerne Kaffee zu Ihrer … Besprechung?“

Boerne stockt einen Moment und nickt dann, aber Thiel kann sehen, wie ihm die Röte ins Gesicht steigt, und das wird Frau Haller dann wohl auch nicht übersehen. Als die Tür hinter ihnen zufällt, seufzt Boerne herzerweichend. „Das wird sie mir ewig vorhalten. Ewig.“

Thiel schwankt zwischen Lachen und einem Gefühl peinlicher Berührtheit. Immerhin weiß inzwischen sogar sein Vater Bescheid, da dürfte Frau Haller doch kein Problem sein. Er weiß schließlich, daß die beiden trotz aller Frotzeleien eigentlich ganz gut befreundet sind. „Jetzt reg‘ dich doch nicht so auf“, sagt er deshalb. „Frau Haller ist doch nun wirklich nicht der Typ für Vorurteile. Die zieht dich höchstens ein bißchen auf.“

Aber Boerne läßt sich nur auf seinen Schreibtischstuhl fallen und schüttelt den Kopf. „Darum geht es hier doch gar nicht.“

  „Geht es nicht?“ Jetzt hat er irgendwie den Faden verloren.

  „Nun …“ Boernes Gesichtsfarbe wird noch etwas dunkler, während er sich den Kopf zermartert, was hier los ist. „Genaugenommen … es ist nämlich so … also …“

  „Also was?“

  „Alberich hat schon vor einiger Zeit behauptet, daß wir beide … gut zueinander passen würden.“

  „Was heißt vor einiger Zeit?“ fragt er, als er diese überraschende Neuigkeit verdaut hat.

  „Ähm … vor einigen … Jahren“, sagt Boerne vorsichtig.

  „Jahren?“

Der andere nickt.

  „Und was hast du gesagt?“

  „Daß sie in ihrem kleinen Köpfchen wohl nicht mehr alles richtig beieinander hat“, sagt Boerne unglücklich.

Thiel hat Mühe, das Lachen zu unterdrücken, das nach außen drängt, weil Boerne dasitzt wie ein begossener Pudel. Und weil er die beiden lange genug kennt, weiß er auch, was die nächste Frage ist. „Worum habt ihr gewettet?“

Boerne vergräbt das Gesicht in den Händen. „Daß ich ihr einen Monat lang bei den Obduktionen assistiere statt umgekehrt.“

Jetzt lacht er wirklich.

  „Das ist nicht lustig“, protestiert Boerne, aber er kann nicht anders. „Geschieht dir recht“, er wischt sich ein paar Lachtränen aus den Augen. „Warum bist du auch immer so -“

In dem Moment öffnet sich die Tür, und Frau Haller kommt mit einer Kanne Kaffee herein.

  „Danke“, murmelt Boerne, während Thiel immer noch Mühe hat ernst zu bleiben.

  „Ich lege dann schon mal das Besteck bereit für später“, sagt Frau Haller, zwinkert ihm zu und geht wieder.


* Fin *

Comments

Solche Höhenflüge sind Ihnen natürlich fremd“, antwortet Boerne gut gelaunt. „Der Boden ist Ihnen dagegen sehr viel näher.“
*weglach*
Ich glaube, von all deinen Geschichten ist das der beste Boerne/Alberich-Schlagabtausch.
Du bist ja auch eher zurückhaltend mit den Witzen gegenüber ihrer Größe, wobei ich den einen oder anderen Spruch darüber immer wieder amüsant finde. Schande über mich...
Ich hau' mich in die Ecke, wirklich! =)
Freut mich ;) Eigentlich sollte das nur ein Drabble werden, aber es hat sich ruckzuck ausgewachsen ...

Daß Silke Haller plötzlich so eine tragende Rolle bekommen würde, war gar nicht geplant. Und damit war dann auch der dumme Größenspruch da ;) Normalerweise halte ich mich da tatsächlich zurück, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich die so gut finde. Aber wenn sie dabei gerade die Oberhand hat, ist es wohl O.K. ...
Wunderschön und sehr amüsant!

Im gleichen Moment fragt Frau Haller: „Was haben Sie eigentlich am meisten vermißt da drüben?“ und Boerne, aus dem Konzept gebracht, schaut zu ihm, eine Sekunde zu lange, bevor er antwortet: „Brot … das Brot natürlich.

Einfach zu schön! Von Thiels Anblick zu Brot - eine interessante Assoziation.

„Sehr wohl, Chef“, sagt Frau Haller und deutet einen Salut an. „Hätten Sie gerne Kaffee zu Ihrer … Besprechung?“

Natürlich zieht Alberich sofort die richtigen Schlüsse.

Aber Boerne läßt sich nur auf seinen Schreibtischstuhl fallen und schüttelt den Kopf. „Darum geht es hier doch gar nicht.“
„Geht es nicht?“ Jetzt hat er irgendwie den Faden verloren.
„Nun …“ Boernes Gesichtsfarbe wird noch etwas dunkler, während er sich den Kopf zermartert, was hier los ist. „Genaugenommen … es ist nämlich so … also …“
„Also was?“
„Alberich hat schon vor einiger Zeit behauptet, daß wir beide … gut zueinander passen würden.“
„Was heißt vor einiger Zeit?“ fragt er, als er diese überraschende Neuigkeit verdaut hat.
„Ähm … vor einigen … Jahren“, sagt Boerne vorsichtig.
„Jahren?“
Der andere nickt.
„Und was hast du gesagt?“
„Daß sie in ihrem kleinen Köpfchen wohl nicht mehr alles richtig beieinander hat“, sagt Boerne unglücklich.


Die ganze Entwicklung der Geschichte, Formulierungen wie "ähm ... vor einigen ... Jahren" und dann noch die Wette und dass Alberich am Ende schon einmal das Besteck bereit legt ....
Einfach perfekt!

Schön, dass nach Thiels "depressiver Phase" in Münster wieder alles beim Alten ist und Alberich mal wieder Recht hatte, von Anfang an!
(Und so schlimm Boernes Strafe sicher für ihn ist, dass er die Wette verloren hat, hat ja sonst nur gute Seiten für ihn.)



Edited at 2013-03-17 06:01 pm (UTC)
Wie schön, daß das funktioniert! War nur so eine alberne Idee, die größer wurde als geplant.

Von Thiels Anblick zu Brot - eine interessante Assoziation.
*snicker*
So weit hatte ich gar nicht gedacht, aber ja, das paßt irgendwie. Brot ist ja auch was tolles, was oft nicht genügend gewürdigt wird :D

Und so schlimm Boernes Strafe sicher für ihn ist, dass er die Wette verloren hat, hat ja sonst nur gute Seiten für ihn.
In der Tat. Das sollte ihm Thiel mal noch auseinandersetzen ;) So lange kann er gar nicht Frau Haller assistieren, um das aufzuwiegen ...

Brot ist ja auch was tolles, was oft nicht genügend gewürdigt wird :D

Brot als Metapher für Thiel :-)
Und dies ist ein neuer Anwärter für die Kategorie "most adequate sentence"! :-)
Ich hab mir gestern die ganze "Sehnsucht"-Reihe durchgelesen und finde die Idee wundervoll und den Abschiedssex sehr sexy und das hier ist eine genauso gelungene Fortsetzung.

Klar hat Alberich sie schon vor JAHREN durchschaut! Alle um sie herum wissen schon ewig und drei Tage was da los ist, nur die zwei brauchen eine extra-Einladung...

Und ich liebe Boernes Ausrede mit dem Brot. Thiel hat durchaus Brot!Potential, weil lebensnotwendig für Boerne. *sagt das flailende fangirl*
*freu*

Ja, die Diskussionen nach dem ersten ficlet, das ich für 120_minuten geschrieben habe, haben sich als sehr fruchtbar erwiesen :) Est. Relationship ist sonst ja nicht so mein Genre, aber das hat gut funktioniert. Und einfach nur lose Szenen zu schreiben, hat sich auch als sehr motivierend herausgestellt.

Schön, daß Dir die Reihe gefällt & auch die Sexszene nicht daneben war.

Thiel hat durchaus Brot!Potential, weil lebensnotwendig für Boerne.
Genial :D Wo du recht hast, hast du recht ... Brot wird in seiner Bedeutung auch oft unterschätzt ;)


Edited at 2013-03-18 06:06 am (UTC)
Niedlich!

weil Boerne seine Tarngeschichte für eine kurze gemeinsame Kaffeepause nicht als solche erkennt

Beim nächsten Mal sollte Thiel Boerne vielleicht vorher einweihen. ;)

Insgesamt lässt sich Boerne aber ganz schön aus dem Konzept bringen. Wenn Alberich vor seiner Abreise nichts gewusst hat, müsste sie ja nun blind und taub sein. :)

„Ähm … vor einigen … Jahren“, sagt Boerne vorsichtig.

Oje, das heißt ja, dass die beiden vielleicht schon seit Jahren zusammen sein könnten, wenn Boerne Alberichs Gefühl getraut hätte.

Das liest sich alles fast so, als ob Alberich gar nicht wusste, dass Boerne einen kleinen Abstecher gemacht hat. Daraus ließe sich doch noch etwas machen, oder? ;)
Beim nächsten Mal sollte Thiel Boerne vielleicht vorher einweihen.
Aber wo bleibt denn dann der Spaß? ;)

Oje, das heißt ja, dass die beiden vielleicht schon seit Jahren zusammen sein könnten, wenn Boerne Alberichs Gefühl getraut hätte.
Jupp. Ich habe ehrlich gesagt noch beim Schreiben überlegt, ob es eigentlich realistisch ist, daß Thiel lacht, oder ob er nicht eher traurig werden würde wegen genau dieses Gedankens. Aber dann dachte ich, in diesem Handlungsbogen war schon so viel Depristimmung ;)

Und was den Abstecher betrifft, tatsächlich sollte die Szene ursprünglich während Boerens Zwischenstop stattfinden. Aber mir fiel kein glaubhafter Grund ein, warum die drei sich an den knapp vier Tagen treffen sollten.

Daraus ließe sich doch noch etwas machen, oder?
Och, mal sehen, ob mir zu der ganzen Sache noch was einfällt ;) Oder sonst jemandem ... *hint, hint*
Och, mal sehen, ob mir zu der ganzen Sache noch was einfällt ;)

Du schaffst das schon. ;)
Danke, mit der Geschichte hast du mir (mal wieder) ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert :-)

Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Alberich Boerne Kaffee kocht, ich sehe sie emanzipierter (hab allerdings beim Folgengucken nicht darauf geachtet). Aber das ist hier ja nur ein unwichtiger Randaspekt. Dass sie die Beziehung unserer beiden Helden Jahre voraussieht, passt jedenfalls gut zu ihr (und zu Boerne und Thiel, da im Canon nun ja schon ewig umeinander schleichen).
Freut mich :) So soll's sein.

Was das Kaffeekochen angeht, ich denke auch nicht, daß Frau Haller gewohnheitsmäßig für Boerne Kaffee kocht. Ich weiß jetzt ehrlich gesagt gar nicht, ob das canon ist oder aus den Geschichten stammt, aber ich glaube beide kochen Kaffee bzw. bringen dem anderen mal einen mit. Hier war das eher ... ironisch gemeint ;)

Dass sie die Beziehung unserer beiden Helden Jahre voraussieht, passt jedenfalls gut zu ihr (und zu Boerne und Thiel, da im Canon nun ja schon ewig umeinander schleichen).
*snicker*


Edited at 2013-03-19 09:26 pm (UTC)