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Von Pferden und Menschen (Thiel/Boerne AU) - Teil 2 von 2

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Mir ist nicht wirklich was fürs Ende eingefallen. Sorry. Anscheinend habe ich im Leben zu wenige romantische Komödien gesehen ... Aber ich habe mir trotzdem die größte Mühe gegeben, zum Ende angemessen kitschig zu werden.


***
Kapitel 2

Die Wochen vergingen, und Thiel wurde eine regelmäßige Präsenz auf seinem Hof. Mit der Zeit gewöhnte er sich an den brummigen Umgangston, zumal er über die Versorgung seiner Tiere nicht klagen konnte. Wenn er ehrlich war, hatte er sogar ein wenig Spaß an ihren kleinen Streitgesprächen und investierte mehr Mühe, als es die Sache eigentlich Wert war, in Versuche, Thiel aus der Ruhe zu bringen. Was bei dieser norddeutschen Natur eine echte Herausforderung war. Thiel hingegen plazierte - mit voller Absicht, da war er sich sicher - immer wieder die ein oder andere Stichelei, die sich auf sein Studienfach bezog, seit Alberich ihm verraten hatte, daß er in Kunstgeschichte promoviert hatte. Als wäre daran etwas auszusetzen! Es gab schließlich noch anderes im Leben als Pferde, auch wenn er es nicht bereute, die wissenschaftliche Laufbahn zugunsten der Übernahme des Gestüts aufgegeben zu haben. Immerhin hatte ihm eine wissenschaftliche Laufbahn offengestanden ... im Gegensatz zu Thiel.

Alberich verbrachte mehr und mehr Zeit mit Berggrün und erging sich ansonsten in kryptischen Äußerungen, wann immer er ihr von einer Konsultation ihres neuen Tierarztes berichtete. Willi kam wie gewohnt einmal die Woche auf ein Glas Wein, ein Schachspiel und eine gepflegte Unterhaltung vorbei. Eigentlich war das gar nicht so viel anders als früher, nur daß sie sich nicht mehr darüber streiten mußten, daß Zigarren nichts im Stall zu suchen hatten.

Alles war wie immer. Das galt bedauerlicherweise auch für "Rosen und Rosse", den alljährlichen Ball der Münsteraner Pferdezüchter - ein gesellschaftliches Ereignis, vor dem es kein Entkommen gab.


***


  "Ich könnte doch vielleicht die reizende kleine Nadeshda -"

  "Könntest du nicht", unterbrach ihn Wilhelmine, die gemeinsam mit Thiel bei ihm zum Abendessen gewesen war. Nur um dann zu behaupten, daß er sie schon seit dem Dessert mit seinen Klagen über den Höhepunkt der Münsteraner Geselligkeit nervte, weshalb sie sich jetzt verabschieden werde.

  "Hat sie etwa Wochenenddienst?"

  "Nein", Wilhelmine drehte sich im Gehen noch einmal um. "Sie hat mir schon zugesagt." Und damit war sie aus der Tür und ließ ihn mit offenem Mund stehen. Alberich kicherte und Thiel durchsuchte betont konzentriert seine diversen Jackentaschen nach seinem Fahrradschlüssel. "Sie wußten das schon alle, oder?"

  "Was?" fragte Thiel. "Daß Wilhelmine Frauen liebt?"

Er griff genervt nach Thiels Schulter und drehte ihn zu sich. "Das doch nicht! Ich kenne Willi seit meiner Kindheit, und das ist ja wohl nicht Neues! Ich meine das mit Nadeshda ... sie ist doch viel zu jung, um -"

  "In Ihrem Fall hätte der Altersunterschied wohl nicht gestört, hm?" fragte Thiel spöttisch.

  "Das ... Ich ... Also bitte, ich bin höchstens ... Willi ist jedenfalls ... Außerdem ging es mir nur darum, auf diesem vermaledeiten Ball nicht alleine dazustehen!"

  "Jemand wie Sie?" Thiel grinste. "Ihnen wird es doch an weiblicher Aufmerksamkeit nicht mangeln."

  "Genau das meine ich ja. Ich brauche jemanden, der mir die Hyänen vom Hals hält. Alberich ..."

  "Nein!"

  "Ach, kommen Sie, jetzt seien Sie doch nicht so ... Silke ..." Er setzte seinen patentierten Blick über den Brillenrand ein, aber Alberich schüttelte energisch den Kopf. "Das letzte Mal hat mir gereicht, dankeschön. Außerdem habe ich für diesen Abend bereits eine Verabredung."

Er seufzte. "Auch du, Brutus." Anscheinend hatte sich alles gegen ihn verschworen. "Wie sieht's bei Ihnen aus, Thiel?"

  "Was?"

  "Lust das Tanzbein zu schwingen?" So ganz ernst hatte er das nicht gemeint, aber deshalb mußte Thiel trotzdem nicht so abschätzig das Gesicht verziehen, als hätte er ihm sonstwas vorgeschlagen.

  "Als Notnagel? Damit Sie jemanden haben, der die Hyänen abwehrt? Geht's noch?"


***


Am Ende war er alleine gegangen. Schließlich bestand die Welt nicht nur aus Paaren, und ein erwachsener Mann konnte sich auf einem Ball sehr wohl auch alleine amüsieren. Wie sich herausstellte, war Thiel ebenfalls dort. Ohne Begleitung. Der Tierarzt machte einen etwas schwermütigen Eindruck, als er einer strahlenden Alberich beim Tanzen mit ihrem Riesen zusah. Selbstlos wie er nun einmal war, hatte er dem Mann ein Bier spendiert. In einer Art Waffenstillstand hatten sie sich den Rest des Abends ganz angeregt über die Pferdezucht unterhalten, und wenn das den praktischen Nebeneffekt hatte, daß er mit keiner Jennifer, Jaqueline oder Josefine mehr tanzen mußte, so erwähnte das keiner von ihnen beiden.

Daß sie sich das nächste Mal unter wesentlich dramatischen Vorzeichen wiedersehen würden, konnten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.


***


  "Also, daß Sie an Prinzeßchen hängen, wußte ich ja ... aber daß Sie jetzt schon im Stall übernachten?"

  "Hm?" Er blinzelte und sah Alberich vor sich stehen. Wo zur Hölle ... Als er sich mühsam aufrichtete und die Satteldecke zu Boden fiel, kam die Erinnerung zurück. Er sah schnell zur Seite, und da stand Prinzeßchen und sah schon fast wieder so aus wie immer. Karl-Friedrich atmete erleichtert auf.

  "Stimmt was nicht mit ihr?" fragte Alberich und klang nun doch besorgt.

  "Kolik", krächzte er. Verdammt. Vermutlich hatte er sich eine Erkältung geholt. Er scheucht die Bilder der letzten Nacht in die dunkle Ecke zurück, aus der sie hervorgekrochen gekommen sind. Weitaufgerissene Pferdeaugen. Schweißnasses Fell. Der Moment der Panik, als er gedacht hat, daß das das Ende ist.

  "Du lieber Himmel. Haben Sie den Tierarzt gerufen?"

  "Natürlich." Thiel. Thiel, der ihn anschreit und beiseiteschiebt. Thiel, der nicht tut, was er ihm sagt, sondern einfach behauptet, daß er nicht in der Verfassung sei, um irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Aber es ist sein Pferd, seine Verantwortung, seine -

  "Chef?" Anscheinend war er zu lange in Gedanken abgedriftet, aber bevor er reagieren konnte, redete sie schon weiter. "Jetzt ist aber wieder alles in Ordnung, oder?"

Thiel ist ins Haus, um sich zu waschen. Er ist unendlich müde, und während er Prinzeßchen zusieht, die wieder ruhiger atmet und aufgehört hat, sich zu wälzen, fallen ihm die Augen zu.

  "Waren Sie nicht gestern Nacht noch hier?"

Alberich sah ihn verwirrt an. "Ich habe bei Klaus übernachtet. Das wissen Sie doch."

Jemand legt eine Decke über ihn. Warme Hände, die ihn in eine liegende Position dirigieren. Und dann nichts mehr.

  "... Oh."

  "Was?"

  "Nicht so wichtig."

  "Hm ..." Sie sah ihn zweifelnd an. "War Thiel da?"

Er nickte. "Willi ist auf einem Wochenendausflug. Anscheinend kümmern sich hier alle zur Zeit vor allem um ihr Liebesleben, statt ihren Pflichten nachzugehen."

Sie ignorierte die Spitze und setzte sich neben ihn. "Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet. Ist alles wieder in Ordnung?"

  "Ja." Er rieb sich müde die Augen. "Er war wirklich ... gut."

Sie lächelte. "Na sehen Sie. Ich wußte doch, daß er Ihnen noch ans Herz wachsen wird."

Karl-Friedrich schnaubte. "So weit würde ich nun nicht gehen."

Alberich warf ihm einen Blick zu, der alles und nichts bedeuten konnte.

  "Was?"

  "Nun ja ..." Sie zögerte und sah zu Prinzeßchen. "Sie verbringen ziemlich viel Zeit zusammen, ist Ihnen das schon einmal aufgefallen?"

  "Was wollen Sie denn damit sagen?" Er sah sie verwirrt an, aber sie wich seinem Blick aus. "Wir haben hier achtzig Pferde. Er ist unser Tierarzt. Natürlich ergibt sich da der ein oder andere Anlaß ..." ... sich zu sehen, hatte er sagen wollen, aber das hörte sich in seinem Kopf plötzlich merkwürdig an.

  "Und der Ball?"

  "Ich brauchte Rückendeckung."

  "Und der Ausritt letztens?"

  "Er wollte mir nicht glauben, daß das Münsterland durchaus seine Vorzüge hat."

  "Und das Abendessen?"

  "Wir hatten gewettet, Equines Cushing-Syndrom oder Dopamin-Unverträglichkeit, und ich habe gewonnen."

  "Na wenn das so ist ... "

  "Genau so ist es und nicht anders." Er ging zu Prinzeßchen hinüber und legte eine Hand auf ihren Hals, um den Puls zu fühlen. Die Stute schnaubte und knabberte sanft an seiner Schulter.

  "Wollen Sie einen Kaffee?"

Er nickte. Das konnte er nach dieser Nacht wirklich brauchen. Und offensichtlich hatte Alberich diese fixe Idee mit Thiel endlich aufgegeben.

  "Haben Sie eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, wieso jemand wie Thiel noch Single ist?"

Karl-Friedrich warf einen kritischen Blick zur Seite. Gut, er war Männern gegenüber nicht völlig abgeneigt, was Alberich seit jenem Vorfall, Der Nie Wieder Erwähnt Werden Würde wußte. Aber auch wenn es da das ein oder andere Intermezzo gegeben hatte, vor allem in jüngeren Jahren - das war doch immer nur ein wenig Zerstreuung zwischendurch gewesen, nichts Ernstes. Und selbst wenn ... So jemand wie Thiel war nun gar nicht sein Typ.


***


Gar nicht sein Typ. Nicht im geringsten. Er sah dabei zu, wie Thiel sich in den Sattel seiner Neuerwerbung hievte.

  "Vorsicht! Nicht daß das Pferd erst bei Ihrem Diagnose-Ritt Schaden nimmt."

  "Witzig, Boerne. Sehr witzig." Thiel warf ihm einen Blick über die Schulter zu. "Wollen Sie jetzt mitkommen oder nicht?"

  "Oh, ich komme mit."

  "Sollten Sie dann nicht so langsam -"

Er pfiff nach Prinzeßchen und schwang sich auf das trabende Pferd.

  "Angeber", brummte Thiel hinter ihm.

  "Für jemanden, der mit Pferden arbeitet, sind Sie ein verdammt schlechter Reiter."

  "Im Gegensatz zu den von Boernes gehörten Reitstunden in meiner Familie nicht zum Standardprogramm." Thiel hatte aufgeschlossen und trabte inzwischen neben ihm. "Und was fehlt der Stute jetzt, Ihrer geschätzten Meinung nach?"

  "Mir war so, als würde sie ein wenig lahmen. Hinten rechts. Aber erst bei längerer Belastung."

  "Hm ..." Thiel warf ihm ein amüsiertes Lächeln zu. "Und wie lange, denken Sie, werden wir unterwegs sein, bis die Belastung ausreichend ist?"

  "Eine halbe Stunde?"

  "Sie wissen schon, daß ich auch noch andere Arbeit habe?"

  "Das ist doch Ihre Arbeit."

  "Phantomlahmen aufzuspüren?"

  "Sie hat gelahmt." Er sah zur Seite. "Ein bißchen."

Thiel schüttelte den Kopf, aber er sah nicht verärgert aus.

  "Vielleicht sollten wir mal einen kurzen Galopp einlegen? Bis zu dem Weg dahinten?"

  "Aber da ist ein -"

  "Na los, Thiel! Das sind doch höchstens 80 Zentimeter, das schaffen selbst Sie!" Er achtete nicht weiter auf Thiels Proteste, sondern trieb sein Pferd an. Das war das Leben, so wie es sein sollte. Sie flogen über das Hindernis, wie früher. Und dann hörte er hinter sich ein dumpfes Geräusch und gleich darauf ein lautstarkes Fluchen.

Er machte erschrocken kehrt und sah Thiel, auf dem Boden, und seine neue Stute einige Meter von dem Zaun entfernt, die Nase schon wieder im Gras.

  "Haben Sie sich was getan?" Er ließ sich neben Thiel auf den Boden fallen und zog die Hand zur Seite, mit der der andere seinen Knöchel massierte. Er hätte ihn nicht herausfordern sollen, mit einem Pferd, das er nicht kannte, und wo er doch wußte, daß Thiel kein besonders sicherer Reiter war. Wenn er sich jetzt ernsthaft -

  "Schon gut", Thiel versuchte seine Hände abzuwehren. "Ist einfach stehen geblieben, das Mistvieh! Mir fehlt nix. Nur die Jeans ist hin."

  "Das ist kein großer Verlust", die Worte purzelten über seine Lippen, bevor er weiter nachdenken konnte. "Die hat ihre besten Tage sowieso hinter sich. Sind Sie sicher, daß Sie sich nichts getan haben? Ist Ihnen vielleicht schwindelig? Mit Gehirnerschütterungen ist nicht zu spaßen, und manchmal erkennt man erst zu spät, daß der Kopf doch -"

  "Boerne." Thiel hatte eine seiner Hände erwischt und hielt sie fest.

  "Ein Picknick wäre eine bessere Idee gewesen. Ungefährlicher. Wieso habe ich daran nicht -"

  "Picknick." Thiel sah ihn an, als habe er sie nicht mehr alle beieinander. "Sind Sie sicher, daß Sie sich nicht den Kopf angeschlagen haben?"

Er starrte in Thiels Gesicht, das viel zu nahe war, und fragte sich, woher das jetzt so plötzlich gekommen war. Und wieso ihm diese unbestreitbar absurde Idee immer noch richtig vorkam. Dabei hatte er nicht einmal den ein oder anderen jungen Mann, den es früher gegeben hatte, zu einem Picknick mitgenommen. Obwohl jeder davon ein ästhetischeres Bild auf einer Picknickdecke abgegeben hätte als ausgerechnet Thiel. Thiel, der nun mit Sicherheit der letzte war, der Interesse an romantischen -

  "Ameisen im Essen, warmes Bier ..." Thiel schüttelte sich. "Also das ist nun wirklich nicht mein Ding."

  "Natürlich." Er kam sich mit einem Mal ziemlich dämlich vor. Ein Picknick. Was hatte er sich nur dabei gedacht?

  "Ich könnte Sie zu einer Bootstour mitnehmen." Er sah überrascht auf in blaue Augen, die unternehmungslustig funkelten. Oder bildete er sich das jetzt ein? "Auf der Ems. Da kann man das Bier im Wasser kühlen, und Ameisen können nicht schwimmen. Und romantisch ist es außerdem."

  "Und wer rudert?"  Sein Verstand hatte sich spätestens bei romantisch ausgeschaltet. Die Frage war ein Reflex, der weiß der Himmel woher -

  "Ich", sagte Thiel. Sehr nah an seinem Ohr ... ihn überlief ein Schauer, fast wie bei Schüttelfrost, nur angenehmer. Thiels Stimme war tiefer als sonst, rauer, und irgendetwas schwang darin mit, das er nicht genau deuten konnte. Und dann ließ Thiel seine Hand los und griff nach seinem Kopf, zog ihn näher und ... das war nicht richtig, denn normalerweise war er derjenige, der ... aber sein Körper war schon zwei Schritte weiter als sein Verstand und er öffnete die Lippen, ließ sich küssen und sank nach hinten ins Gras, als Thiel sich nach vorne bewegte. Thiels Hände schoben sich unter sein Hemd, ohne daß der andere den Kuß unterbrach, und er griff zu und zog, bis ein Körper auf ihm landete, schwer und warm und in einem plötzlichem Moment der Klarheit wurde ihm bewußt, daß er genau das genau so von Thiel gewollt hatte, auch wenn gerade irgendetwas seinen Rücken aufschürfte und sein linkes Bein dabei war einzuschlafen und diese Weide vielleicht nicht unbedingt der richtige Ort, um -

  "Au!" Er schubste Thiel beiseite und richtete sich halb auf. "Verdammter Mist!"

  "Was?" Thiel sah ihn mit großen Augen an. Die Haare verstrubelt und ein Rotschimmer auf den Wangen, der sich hinunterzog bis zum Schlüsselbein und dort unter dem Rand des T-Shirts verschwand. Für einen Moment war er versucht, dieses T-Shirt auszuziehen und da weiterzumachen, wo ihn die Unwägbarkeiten der Natur so rüde unterbrochen hatte, aber dann erinnerte ihn ein scharfes Brennen daran, warum ein Stelldichein im Freien bei weitem nicht so angenehm war, wie es sich vielleicht anhörte.

  "Brennesseln." Er verrenkte sich halb bei dem Versuch zu sehen, wo ihn dieses heimtückische Gewächs erwischt hatte. Aber Thiel war schneller als er und berührte die gerötete Stelle an seiner Seite in dem Moment, als er die Stelle selbst gerade erst lokalisiert hatte.

  "Nicht ...", er griff nach Thiels Hand, "... anfassen."

  "Ich kenne da ein hervorragendes Hausmittel", sagte Thiel, grinste ihn an und beugte sich im gleichen Moment nach unten, um mit einer feuchten, warmen Zunge über die gereizte Haut zu lecken. Eigentlich wollte er protestieren, nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, aber dann pustete Thiel auf die nasse Haut und er schloß den Mund wieder. Nunja. Es half, also ... Und dann hob Thiel den Kopf wieder und  sagte: "Wir sollten die Pferde einsammeln. Bevor die sich alleine auf den Rückweg machen."

Er nickte, weil das zweifelsohne das Vernünftigste war, was sie jetzt tun konnten. Nicht das, was er wollte. Aber vernünftig. Und er war ein vernünftiger Mann. Er würde auf keinen Fall -

  "Und was jetzt?"

 Thiel sah über die Schulter zu ihm zurück. "Naja. Erst mal die Pferde zurückbringen. Und dann nehme ich dich mit nachhause."

  "Was?" Seine Stimme war eine gutes Stück nach oben gerutscht, weshalb er sich hastig räusperte und "Ich meine, was soll das denn bedeuten?" in normaler Stimmlage hinterhersetzte. Thiel grinste nur und streckte ihm eine Hand zum Aufstehen entgegen, in der anderen die Zügel der beiden Pferde. Er ließ sich, immer noch etwas benommen, nach oben ziehen, strich sein Hemd wieder glatt und räusperte sich. "Sollten wir nicht darüber reden, was -"

  "Ich denke, ich werde dich behalten", sagte Thiel ruhig. "Wenn du das meinst. Aber keine Picknicks. Und Sex nur in geschlossenen Räumen."


***


Epilog

  "Und? Ist das jetzt nicht das schönste, was du je gesehen hast?"

Frank sah gehorsam nach oben. Nun ja. Ganz hübsch, wirklich. Und er mußte zugeben, daß er, was das anging, bisher immer nur an pausbäckige Engelchen gedacht hatte.

Aber das war dann wohl der Unterschied zwischen bayrischem und italienischem Barock, wie Karl-Friedrich ihm lang und breit erklärt hatte.

  "Mhm ... ganz nett, ja."

  "Ganz nett!?" Karl-Friedrich sah ihn empört an. "Die Sapienza ist der Höhepunkt des italienischen Barocks!"

  "Wenn du das sagst ..."

Der andere sah auf seine Uhr. "In ein paar Minuten sollte Professor Benetti hier sein, eine Koryphäe auf dem Gebiet. Ich habe meine Kontakte spielen lassen und eine Privatführung organisiert. Auf Italienisch natürlich, aber keine Sorge, ich werde übersetzen. Und dann sollten wir uns mit einem Espresso stärken und weitergehen zur San Luigi dei Francesi und uns die Caravaggios ansehen, die dort hängen. Ein unglaublicher Eindruck, seine Werke in ihrer ursprünglichen Umgebung statt in einem musealen Kontext -"

Frank räusperte sich.

  "Stimmt was nicht?"

  "Also ich dachte eigentlich, daß wir davor eine kleine Siesta einschieben könnten."

Karl-Friedrich starrte ihn ungläubig an. "Mittagsschlaf? In Rom? Weißt du denn nicht, was ich dir hier noch alles zeigen -"

  "Ja, aber es ist August und tierisch heiß. Ich dachte, die Einheimischen machen hier mittags auch mal Pause, weil es sonst zu anstrengend wird."

  "Aber wir sind doch nur eine Woche -"

  "Außerdem ist das hier keine Bildungs- sondern eine Hochzeitsreise", unterbrach Frank ihn. "Und ich hätte jetzt wirklich nichts gegen ein entspanntes ... Nickerchen. In unserem klimatisierten Hotelzimmer. Im Bett."

Karl-Friedrich sah aus, als wollte er widersprechen, aber dann änderte sich sein Gesichtsausdruck und er schloß den Mund wieder. "Wenn du es so formulierst ..."

  "Tu ich."

  "Vielleicht sollten wir es wirklich am ersten Tag etwas ruhiger angehen lassen ..." Das Gesicht seines frisch Angetrauten war ein wenig gerötet, was natürlich auch an der Hitze liegen konnte. Trotzdem konnte Frank sich seine nächste Frage nicht verkneifen. "Und was hat dich jetzt an meiner Argumentation so überzeugt?"

Karl-Friedrich räusperte sich. "Ja ... nun, der Hinweis auf die einheimischen Sitten ... du kennst ja bestimmt das Sprichwort, when in Rome ..." Er brach ab, als Frank zu lachen anfing. "Was?"

  "Nichts ... nichts ..."

Karl-Friedrich griff nach seiner Hand. "Dann laß uns los und -"

   "Ah, Dottore Boerne!"

  "Professore Benetti!" Karl-Friedrichs Gesichtsausdruck wechselte in schneller Folge von Enttäuschung zu einer passablen Imitation von Erfreutheit, während er sich zu dem Mann umdrehte, der auf sie zugetreten war. "Posso presentarLe - il mio marito", und zu Frank: "Eine halbe Stunde. Maximal. Vergiß nicht, was du vorhattest."

♥ Fin ♥
Tags: f: tatort münster, g: alternate universe, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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