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Hitzewelle I (Boernes POV)

Rating: P 12
Genre: Pre-Slash, h/c, FLuff
Sommer-Bingo-Prompt: unerträglich heiß
Handlung: Sommer. Er mochte den Sommer nicht. Vor allem nicht, wenn es so heiß war wie jetzt. (Boernes POV)
Länge: ~ 1.500 Wörter
A/N: Eigentlich ist das nix Neues. Aber ich bin trotzdem gespannt, ob es so wirkt wie ich es mir vorstelle.
A/N: Anfangs nicht geplant, sind noch zwei weitere Teile dazugekommen:
Hitzewelle II (Thiels POV)
Hitzewelle III (Silke Hallers POV)

***


Sommer. Er mochte den Sommer nicht. Vor allem nicht, wenn es so heiß war wie jetzt. Boerne unterdrückte mit Mühe ein Stöhnen, als er aus dem Bett kletterte. Er fühlte sich zerschlagen, kein Wunder bei dieser Hitze. Kein Wunder, daß er nicht richtig schlafen konnte - statt dessen hatte ein wirrer Traum den nächsten gejagt. Das einzig durchgehende Thema all seiner Träume war die Hitze gewesen.

Er schleppte sich ins Bad und wusch sich das Gesicht mit Wasser, das so kalt war, daß es fast schmerzte. Gegen die rasenden Kopfschmerzen half das nichts, aber wenigstens fühlte er sich für einen Moment ein wenig frischer. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, daß er zu allem Elend auch noch verschlafen hatte. Und das ihm, dabei hatte er Alberich erst vor kurzem aus gebotenem Anlaß darüber belehrt, daß Pünktlichkeit eine Tugend und für einen wohlorganisierten Menschen keine Herausforderung war. Organisiert ... er war organisiert. Die Zeit konnte er leicht wieder aufholen. Auch wenn es ihm schwerfiel, sich angemessen schnell zu bewegen ... er fühlte sich, als hingen an seinen Armen und Beinen schwere Gewichte, die jede Bewegung unendlich mühsam machten. Die Hitze. Er zögerte kurz bei der Frage, ob er duschen oder frühstücken sollte, für beides reichte die Zeit nicht mehr. Aber wenn er es recht überlegte, fühlte er sich ohnehin nicht danach, etwas zu essen. Duschen also. Kalt. Am besten kalt, so daß er endlich wieder einen klaren Kopf bekam.


***


Vor dem Schrank zögerte er kurz, aber bei dieser Hitze heute mußte er wohl Konzessionen machen. Er griff nach einem kurzärmligen Leinenhemd, das er sonst allenfalls in der Freizeit trug, und nach seiner leichtesten Hose. Er ließ sogar das Unterhemd weg, obwohl das gegen jedes Stilempfinden verstieß. Aber alleine bei dem Gedanken,  zwei Schichten Stoff zu tragen, brach ihm der Schweiß aus. Die Kleidung war schon so fast nicht auf seiner Haut zu ertragen. Und das am frühen Morgen - im Laufe des Tages würde es mit Sicherheit noch heißer werden.

Er griff nach seinem Autoschlüssel und ging zur Tür. Kurz vor acht, er würde es noch pünktlich ins Institut schaffen. Kein Problem. Ein wohlorganisierter Mensch ... für jemanden wie ihn war das ja wohl kein Problem. Und er würde sich auch nicht von den Unbilden des Wetters beeinträchtigen lassen. Als er die Tür hinter sich zugezogen und abgeschlossen hatte, mußte er sich kurz gegen die Wand lehnen, weil ihm schwindelig wurde. Die Wand war kühl, aber er mußte weiter.  Aus der Wohnung gegenüber hörte er Schritte, und er wollte sich jetzt nicht noch durch überflüssige Konversation mit Thiel aufhalten lassen. Aber obwohl er sich von der Wand abstieß und loseilte, war Thiel plötzlich da, noch bevor er den ersten Fuß auf die Treppe gesetzt hatte.

  "Wie sehen Sie denn aus?"

Er sah zur Seite und hatte den Eindruck, daß Thiel in der Hitze flimmerte.

  "Boerne?"

  "Seit wann legen Sie denn Wert auf korrekte Kleidung?" fragte er indigniert.

  "Sie haben ein kurzärmliges Hemd an", stellte Thiel das Offensichtliche fest, und er verdrehte die Augen.

  "An Tagen wie diesen bleibt selbst mir nichts anderes übrig", erklärte er und mußte feststellen, daß selbst das Sprechen bei diesen Temperaturen schwer fiel. "Bei solchen Hitzewellen ist leichte Kleidung ein Muß, um die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Und jetzt lassen Sie mich -"

  "Boerne." Eine Hand stoppte ihn. Er versuchte an Thiel vorbei zur Treppe zu gelangen, aber ohne Erfolg.

  "Was soll denn -"

  "Boerne." Thiels Stimme klang so merkwürdig, daß er innehielt und aufsah. Eine zweite Hand griff nach ihm und er wunderte sich, warum sich Thiel so kühl anfühlte.

  "... Hitzewelle, Boerne?"

  "Was?"

  "Welche Hitzewelle denn, Boerne", wiederholte Thiel ungeduldig. "Das bißchen Sommer ist doch schon seit Tagen vorbei, es geht doch nachts schon wieder unter -"

Er sackte gegen Thiel, der ihn mit einem überraschten Geräusch fester faßte, aber es war zu spät, ihm wurde schwarz vor Augen und er fiel, und fiel, und fiel ... bis die Welt aufhörte, sich um ihn zu drehen, und er sich auf dem Boden wiederfand, halb auf dem Boden und halb in Thiels Armen, der mit ihm nach unten gerutscht war. Warum war Thiel denn bloß so unnatürlich kalt? Und wieso -

Eine kühle Hand berührte seine Stirn und er lehnte sich dagegen, in diese Kühle, die für einen Moment das schmerzende Hämmern hinter seiner Stirn übertönte. "Boerne?" Thiel klang besorgt. Jetzt konnte er das plötzlich einordnen, diesen merkwürdigen Ton, der ihn schon die ganze Zeit gewundert hatte; Besorgnis war das. Thiel klang so, wenn er sich Sorgen machte. Er versuchte zu antworten, versuchte zu sagen, daß nur die Hitze an allem schuld war, ein Kreislaufkollaps, das mußte es sein, wegen der Hitze, kein Grund zur Sorge, kein Grund ihn hier im Treppenhaus in den Armen zu halten, wenn jetzt jemand von den anderen Mietern vorbeikommen würde, was sollten die denn dann -


***


Als er die Augen aufschlug, lag er in seinem Bett. Aber irgendetwas war anders.

Sein Kopf. Das Hämmern war weg und hatte einem dumpfen Druckgefühl Platz gemacht.

Und die Bettwäsche. Heute morgen war sie noch schwarz gewesen, und jetzt war sie blau.

  "Na, wieder unter den Lebenden?"

Er drehte den Kopf zur Seite und biß die Zähne zusammen, als sein Nacken bei der Bewegung protestierte.

  "Thiel?"

  "Wenn Sie mich noch erkennen, sind wohl keine bleibenden Schäden zu befürchten", sagte Thiel und grinste.

  "Schäden?" Verspätet fiel ihm noch etwas anderes auf. "Was tun Sie denn in meinem Schlafzimmer?" Und was tat er selbst in seinem Schlafzimmer? Er war sich ziemlich sicher, daß er aufgestanden war. Ja, er war auf dem Weg zur Arbeit gewesen. Ein wenig spät dran, aber noch pünktlich. Thiel hatte ihn im Treppenhaus aufgehalten, und dann ... er runzelte die Stirn, weil die Bilder, die durch seinen Kopf geisterten, unmöglich wahr sein konnten. Erst mit Verspätung bemerkte er, daß Thiel geredet hatte, und just in diesem Moment natürlich stoppte und ihn erwartungsvoll ansah.

  "Wie bitte?"

Thiel seufzte. "Ich hab' Wadenwickel gemacht. Und Frau Haller war hier und hat Ihnen was gegeben. Sie hatten fast vierzig Fieber, haben Sie das denn nicht gemerkt?"

Er starrte Thiel an und erinnerte sich plötzlich, was heute Morgen nicht gestimmt hatte. Thiel hatte eine Jacke getragen. Eine Jacke, bei dieser Hitze! Er zuckte zusammen, als eine Hand seine Stirn berührte. Nicht mehr so kalt wie zuletzt, aber immer noch kühl. Natürlich ... sein Fieber war gesunken.

  "Geht's besser?" fragte Thiel. Er nickte, weil er sich wieder an die Besorgnis in Thiels Stimme erinnerte. Die Hand blieb, wo sie war, und er schloß die Augen wieder.

  "Wie spät ist es denn?"

  "Gleich sieben", antwortete Thiel. "Frau Haller meinte schon, daß es Ihnen zum Abend wieder besser gehen würde. Sie kommt nochmal vorbei, zur Sicherheit." Er versuchte abzuwinken, aber Thiel redete weiter. "Wenn das Fieber nicht gesunken wäre, hätte sie Sie ins Krankenhaus gebracht."

  "Jetzt dramatisieren Sie aber", murmelte er. "Ein grippaler Infekt, vermutlich."

  "Sie sind bei zwölf Grad halbnackt aufgebrochen", sagte Thiel.

  "Halbnackt? Ich hatte ein kurzärmliges Hemd an, das ist zugegebenermaßen ungewöhnlich für mich, aber ..."  ... mir war heiß, dachte er. Ja, in der Tat, er konnte sehen, daß das auf Thiel möglicherweise ein wenig beunruhigend gewirkt hatte. Er schlug die Augen wieder auf und sah in Thiels Gesicht. Zu nah. Thiel würde sich noch anstecken. Und die Hand war auch immer noch da, auf seiner Stirn. Er räusperte sich und versuchte Thiel darauf hinzuweisen, daß das keineswegs angemessen war, als Thiel weiterredete. "Das Hemd war offen." Die Hand bewegte sich, rutschte zur Seite und blieb dort liegen, während Thiels Daumen über seine Schläfe strich und er grübelte, was das zu bedeuten hatte. "Und Sie waren barfuß."

  "Oh."

  "Ja."

  "Ich verstehe. Aus diesen Indizien haben Sie messerscharf geschlossen, daß irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht."

  "Ich bin nicht ohne Grund Polizist geworden", sagte Thiel. Er konnte das Lächeln hören, obwohl ihm die Augen wieder zugefallen waren. Sehr müde. Ihm war nicht mehr heiß, aber die Müdigkeit zerrte an ihm und machte es ihm zunehmend schwerer, sich zu konzentrieren.

  "Thiel ...?"

  "Ja?"

  "Können Sie ... " Er versuchte, die Augen wieder zu öffnen, aber die Augenlider verweigerten ihm den Dienst. "Thiel ..."

Die Hand löste sich von seinem Gesicht und zog die Decke höher. "Schlafen Sie. Das hilft."

  "Thiel ..."

  "Ich bleibe hier."


***


Als er das nächste Mal die Augen aufschlägt, dämmert es gerade. Die Vögel singen, es muß noch sehr früh sein, vielleicht fünf. Sein Kopf ist nicht mehr so schwer, und als er sich diesmal bewegt, sind die Schmerzen schon viel erträglicher. Er sieht zur Seite, und da ist Thiel, wie er es versprochen hat. Thiel schläft. Thiel liegt auf seiner Bettdecke, neben ihm, und schläft. Bevor er darüber nachdenkt, was er tut, streckt er die Hand aus und berührt Thiel. Berührt Thiels Haare, die sich überraschend weich anfühlen.

Das Fieber ist zurückgegangen. Er sieht klar.


* Fin *


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Tags: !bingo, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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