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Hitzewelle II - Thiels POV

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen ;)

Rating: P 12
Genre: Immer noch Pre-Slash. Glaube ich. Und ein bißchen h/c. Und Fluff :)
Handlung: Der Sommer war auch nicht mehr das, was er in seiner Kindheit gewesen war.
Länge: ~ 1.250 Wörter
A/N: Wie immer fällt der gegnerische POV schwer. Ich weiß nicht, ob das jetzt jemanden glücklich macht - es ist weder richtig h/c noch geht es mit der Liebesgeschichte so richtig voran. Aber ich hab's versucht ...


***


Widerstrebend griff er nach der Jacke an der Garderobe. Eine Jacke, im Juni. Das war einfach nicht richtig. Aber seit die kurze Hitzewelle vor drei Tagen mit Gewittern und Stürmen geendet hatte, waren die Temperaturen so in den Keller gesackt, daß es morgens wieder empfindlich frisch war. Thiel seufzte. Der Sommer war auch nicht mehr das, was er in seiner Kindheit gewesen war. Endlose Wochen Sonnenschein und Hitze ... zumindest hatte er das so in Erinnerung. Er griff sich seinen Haustürschlüssel, warf noch einen Blick ins Schlafzimmer - das Fenster war natürlich schon zu - und trat hinaus ins Treppenhaus, wo schon Boerne stand und gerade seine Wohnungstür zuschloß. Er hatte es inzwischen aufgegeben sich darüber zu wundern, wieso sie in neun von zehn Fällen gleichzeitig in den Flur traten, es schien eine Art Naturgesetz zu sein. Stattdessen murmelte er ein Moin und drehte sich zur Treppe, um als erster aus dem Haus zu kommen, als ihm mit etwas Verspätung bewußt wurde, was er eben gesehen hatte.

Ein vergewissernder Blick zurück bewies ihm, daß er nicht unter Halluzinationen litt. Alleine der Anblick ließ ihn frösteln.

  "Wie sehen Sie denn aus?"

Boerne reagierte nicht, sondern ging zur Treppe. Und jetzt fiel ihm auch auf, wie schleppend sich der andere bewegte, und er fing langsam an, sich Sorgen zu machen.

  "Boerne?" War das schlafwandeln? Aber in dem Moment reagierte Boerne endlich, auch wenn das, was er sagte, nicht wirklich viel Sinn machte. Er stoppte ihn, bevor er noch die Treppe hinunterfiel, und versuchte irgendetwas Vernünftiges aus ihm herauszubekommen - Hitzewelle? Welche Hitzewelle? - aber ohne Erfolg. Boerne versuchte nur, an ihm vorbeizukommen, konnte sich aber kaum noch auf den Beinen halten, geschweige denn losreißen. Als ihm gerade auffiel, wie heiß sich Boerne anfühlte, sackte der andere plötzlich in sich zusammen, und bei dem Versuch, ihn zu festzuhalten, rutschte er selbst mit auf den Boden. Für einen Moment wäre er beinahe in Panik geraten. Boerne glühte förmlich und reagierte fast gar nicht mehr. Fieber. Ganz eindeutig, das mußte hohes Fieber sein. Rief man wegen so was den Notarzt? Er stellte sich Boerne vor, wieder fit und im Krankenhaus. Das wollte er sich lieber nicht antun. Zumindest wenn es sich vermeiden ließ.


***


Als Boerne zehn Minuten später wieder in seinem Bett lag, atmete Thiel erleichtert auf. So ein lebloser Körper war schon verdammt schwer. Zum Glück hatte er es geschafft, Boerne wieder so weit zu sich zu bringen, daß der einen Teil seines Gewichtes selbst getragen hatte. Ansonsten hätte er doch noch Hilfe rufen müssen. Er suchte eine Weile nach einem Fieberthermometer, aber ohne Erfolg. Naja ... daß Boerne Fieber hatte, merkte er ja auch so. Wadenwickel. Das hatte Susanne immer gemacht, wenn Lukas krank gewesen war. Und er brauchte jemanden, der einschätzen konnte, ob Boerne einen Arzt brauchte.


***


  "So, das hätten wir." Frau Haller klang sehr zufrieden mit sich, und das nicht zu unrecht.

  "Ich bin beeindruckt." Er selbst hatte seine liebe Not gehabt, Boerne nasse Handtücher um Waden und Hals zu wickeln, da der leider immer wieder so weit zu sich kam, daß es dafür reichte sich zu wehren - aber nicht weit genug, um zu verstehen, daß das nur zu seinem Besten war.

  "Ach", Frau Haller lächelte ihn an, "wenn Sie Wotan regelmäßig Medikamente verabreichen müßten, hätten Sie da auch Übung."

Thiel grinste, wurde dann aber schnell wieder ernst. "Und jetzt?"

  "Sie haben ihn ja schon ganz gut runtergekühlt. Und das Mittel sollte bald anschlagen. Vielleicht geht das Fieber trotzdem zum Nachmittag nochmal etwas höher, aber zum Abend sollte es besser werden."

Thiel nickte. Das kannte er aus eigener Erfahrung. Frau Haller drückte ihm das Fieberthermometer in die Hand, so ein neumodisches Ding für's Ohr. Er unterdrückte die Frage, ob sie das wohl auch für Wotan angeschafft hatte. "Messen Sie jede Stunde, und wenn es doch über vierzig steigt, rufen Sie mich an."

   "O.K."

Es war wohl ein Zeichen dafür, daß er von dem ganzen doch etwas mitgenommen war, daß er sich erst nachdem Frau Haller die Tür hinter sich geschlossen hatte die Frage stellte, warum eigentlich er bei Boerne bleiben mußte und nicht sie. Aber da war es auch schon zu spät, um daran noch etwas zu ändern. Seufzend rief er im Präsidium an und meldete sich krank, weil ihm nichts besseres einfiel. Ich muß auf Boerne aufpassen konnte er ja schlecht sagen.


***


Am Abend wurde Boerne wach. Richtig wach, nachdem er sich vorher nur hin und her gewälzt und wirres Zeug geredet hatte. Manchmal schien er wahrzunehmen, daß Thiel da war, aber meistens hatte er ihn mit irgendwelchen Namen angeredet, nur nicht mit seinem eigenen. Thiel hatte pflichtgemäß Fieber gemessen, das am Nachmittag tatsächlich noch einmal kurz an der Vierzig-Grad-Marke kratzte, hatte Wadenwickel und - als das Fieber endlich sank - auch noch die inzwischen recht nasse Bettwäsche gewechselt, und war dann doch ziemlich erleichtert, als Boerne endlich die Augen aufschlug und ihn zu erkennen schien.

  "Jetzt dramatisieren Sie aber", murmelte Boerne. "Ein grippaler Infekt, vermutlich." Thiel unterdrückte ein Grinsen, obwohl er sich über so viel Unvernunft eigentlich ärgern sollte. Aber es war ein gutes Gefühl, daß Boerne wieder der alte zu sein schien. Geistesabwesend strich er einige Haare aus Boernes Gesicht und wollte seine Hand gerade wieder zurückziehen, als der andere leicht den Kopf drehte und sich in die Berührung lehnte.

"Das Hemd war offen." Er strich über Haut, die sich beruhigend kühl anfühlte. Kein Vergleich zu vorher. Für einen Moment erinnerte er sich an das Gefühl, als Boerne gegen ihn gesackt war, an diese unglaubliche Hitze und die Angst, die er gehabt hatte. "Und Sie waren barfuß."

  "Oh." Boerne blinzelte und sah definitiv betreten aus.

  "Ja."

  "Ich verstehe. Aus diesen Indizien haben Sie messerscharf geschlossen, daß irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht."

  "Ich bin nicht ohne Grund Polizist geworden", sagte Thiel. Zum Glück waren Boernes Augen wieder zugefallen, so daß er das dämliche Grinsen nicht sehen konnte, das sich ohne Zweifel auf seinem Gesicht ausgebreitet hatte, ohne daß er etwas dagegen tun konnte.

Und dann sah er eine Weile dabei zu, wie Boerne gegen den Schlaf ankämpfte und versuchte, noch etwas zu sagen. Er schaffte es nicht mehr, aber Thiel verstand ihn auch so.

  "Ich bleibe hier."


***


Als er am nächsten Morgen wach wird, hat Boerne sich zur Seite gedreht und sieht ihn an. Ganz klar. Er spürt fast so etwas wie Bedauern, daß Boerne wieder ganz bei sich ist. Und daß alles wieder so ist wie immer. Bis ihm die Hand auffällt, die nur wenige Zentimeter von seinem Kopf entfernt liegt. Und er sich an die Berührung erinnert, die ihn geweckt hat. Oder hat er das geträumt?

Thiel schaut zurück in Augen, die aus der Nähe betrachtet fast grün sind. Das ist ihm noch nie so aufgefallen. Er streckt seine Hand aus und berührt Boernes Stirn, etwas, was er gestern wohl hundertmal gemacht hat, was sich jetzt aber irgendwie anders anfühlt. Kein Fieber mehr, obwohl es diese Vergewisserung gar nicht gebraucht hätte, denn er kann an Boernes Augen sehen, daß das Fieber weg ist.

Er läßt seine Hand nach unten rutschen, bis zu Boernes Schulter, die sich warm anfühlt, aber nicht fiebrig. Schlafwarm. Es ist sehr lange her, seit er einen schlafwarmen Körper berührt hat. Boerne zieht an der Decke, auf der er liegt, und er denkt nicht weiter nach.

Es ist eigentlich ganz unspektakulär, als hätten sie das schon immer getan. Boerne schläft in seinem Arm noch einmal ein, und ja, es gibt einen Grund, warum er gestern bei Boerne geblieben ist und nicht Frau Haller.


* Fin *


>> Hitzewelle III (Silke Hallers POV)
Tags: !bingo, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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