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BT_Wandern

October 2018

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Büttenwarder

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BT_Blick_MVP

Danach

(Sommer)Challenge: Tabelle Orte: Folterkammer - für mich
Rating: P12
Genre: Für mich ist es Pre-Slash, aber kann problemlos als Freundschaft gelesen werden. Und auf jeden Fall h/c.
Handlung: Danach schien alles, was davor gewesen war, unwirklich und weit entfernt.
Warnungen: Gewalt, aber nur angedeutet, nichts graphisches.
Länge: ~ 500 Wörter
Zeit: ~ 40 Minuten
A/N: Eigentlich wollte ich das Prompt gar nicht wörtlich nehmen, sondern was lustiges draus machen. Einen Zahnarztbesuch zum Beispiel. Aber wann hat man schon einmal eine Entschuldigung, hemmungslos h/c zu schreiben ... ;)
geschrieben für 120_minuten

***


Er hatte an das Ende nur ganz verschwommene Erinnerungen. Eine vertraute Stimme. Hände, die ihn abtasteten. Das Gefühl, in Sicherheit zu sein. Schwärze.

Als er das nächste Mal die Augen öffnete, war er nicht mehr an diesem Ort. Es war hell, und es roch ganz anders. Krankenhaus, informierte ihn sein Gehirn mit einiger Verspätung.

  "Ah, da sind Sie ja wieder."

Eine vertraute Stimme. Er blinzelte. Boerne sah anders aus als sonst. Unrasiert. Knittrig. Jahre älter als vor ... drei? vier? fünf? ... Tagen, als er ihn zuletzt gesehen hatte.

Er wollte etwas in der Richtung sagen, aber als er den Mund öffnete, bekam er nur ein Krächzen zustande, das ihn selbst erschreckte.

  "Wollen Sie was trinken?"

Das klang gut. Thiel nickte, das klappte wenigstens. Boerne faßte nach seiner Schulter und half ihm, sich etwas aufzurichten. Zu seiner Überraschung stellte er fest, daß ihm nichts mehr wehtat. Trotzdem schien er nicht fähig zu sein, sich ohne Hilfe zu bewegen. Erschöpft sackte er wieder zurück, gegen Boerne, der halb hinter ihn gerutscht war und ihn festhielt.

  "Ganz langsam." Er versuchte, nach dem Glas zu greifen, aber seine Hand tat nur im entferntesten Sinn das, was er wollte. Zum Glück kommentierte Boerne das nicht, sondern hielt ihm das Wasserglas so hin, daß er trinken konnte. "Die Kollegen haben über die Infusion natürlich schon einiges an Flüssigkeit zugeführt. Sie waren grenzwertig dehydriert."

Das Glas wurde wieder abgesetzt. "Besser?"

  "Ja." Seine Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern, aber immerhin. Thiel schloß die Augen und atmete tief durch. So viele Fragen, aber im Moment war er nicht in der Lage, sie zu stellen. Ihm war warm, fast zu warm, und Boernes gleichmäßige Atemzüge hatten etwas Hypnotisches. Er war schon fast wieder eingeschlafen, als ihn ein leises Klopfen aufschrecken ließ.

  "Frau Staatsanwältin?" Boernes Stimme hatte einen überraschten Unterton.

Frau Klemm schaute von ihm zu Boerne und fragte: "Wie geht's ihm denn?"

  "Er ist jedenfalls noch nicht in der Verfassung, um -"

  "Ich bin nicht hier, um ihn zu befragen", unterbrach die Staatsanwältin. "Wir haben uns alle Sorgen gemacht."

Er wußte, daß er eigentlich dagegen protestieren sollte, daß die beiden über ihn redeten, als wäre er nicht da. Aber das einzige, wozu er fähig zu sein schien, war sich noch mehr gegen Boerne zu lehnen, der sich bei den Worten der Staatsanwältin wieder spürbar entspannt hatte. "Schlafentzug. Dehydriert." Die Worte schwebten irgendwo im Raum, ohne Bezug zu ihm selbst. "Zahlreiche oberflächliche Verletzungen, aber zum Glück nichts wirklich Ernsthaftes."

Die Erinnerung an die Klinge eines Messers, die im grellen Licht aufblitzte, überfiel ihn so unvermittelt, daß er vor Schreck zusammenzuckte. Aber dann legte Boerne auch den zweiten Arm um ihn, und er entspannte sich wieder und ließ die Augen zufallen. Sicher.

  "Er braucht nur ein bißchen Zeit." Boernes Stimme klang fast fremd, so leise. "Aber das wird alles wieder."

  "Ja." Auch die Staatsanwältin klang anders als sonst. Fingerspitzen berührten seine Schläfe. "Schlafen Sie noch ein wenig. Und Sie sollten auch irgendwann schlafen, Boerne. Sie sehen kaum besser aus."

  "Ich kann hier noch nicht weg", sagte Boerne. Den Tonfall kannte er, dachte Thiel schläfrig. Wenn Boerne auf stur schaltete, war da nix mehr zu machen.

Er hätte nicht erwartet, daß er darüber einmal so froh sein würde.


* Fin *

Comments

Die Vorstellung, was Thiel durchgemacht haben muss, ist sehr bedrückend.
Aber nun ist er ja zum Glück in Sicherheit.

Ich liebe prinzipiell einen fürsorglichen, protektiven Boerne und könnte jetzt hier jeden seiner Sätze und jede einzelne seiner Tätigkeiten hinkopieren, aber das wäre Unsinn.
Es ist einfach schön, wie er sich kümmert. *sigh*
Und es ist schön, dass die Staatsanwältin nicht so abgebrüht daherkommt, sondern sich tatsächlich um alle beide sorgt. Das gefällt mir außerordentlich.

Warum machst du solche Sachen so kurz? Da gäbe es doch noch so viel mehr zu erzählen, so viel mehr, das man wissen möchte.

Warum machst du solche Sachen so kurz?
Das ist zum Teil wenigstens den 120 Minuten und dem Versuch, möglichst viele Punkte zu machen, geschuldet. Andererseits würde ich so reines h/c vielleicht gar nicht schreiben ohne Anlaß. Ich weiß es nicht.

Die Szenen davor, die könnte ich auch gar nicht schreiben. Ich kann den beiden nicht wehtun ;)

Aber es freut mich, daß Dir der Text trotz der Kürze gefällt. Das drumherum wirst Du Dir, fürchte ich, selbst ausmalen müssen ...

Ich kann den beiden nicht wehtun ;)
Naja, genaugenommen hast du das aber schon öfter, du formulierst es nur nie aus. ^^

Das drumherum wirst Du Dir, fürchte ich, selbst ausmalen müssen ...
Nun, du kennst mich, es fällt mir nicht weiter schwer, eine Geschichte um diese Szene zu spinnen. *hüstel*
Aber das ist ja dann nur "meine" Fantasie. Ich sehe/lese auch immer gerne, wie ihr anderen so etwas angeht.
du formulierst es nur nie aus
Das ist wohl der entscheidende Unterschied. Ich kann so was generell nicht besonders gut verkraften, auch wenn ich natürlich entsprechende Szenen lesen oder im Film sehen kann. Aber um es selbst zu schreiben, müßte ich viel zu tief eintauchen. Und das geht gar nicht.

Deshalb leiden die zwei bei meinen h/c-Szenen meistens an harmlosen Sachen wie Erkältungen. Oder meinetwegen noch an Unfällen oder Unglücksfällen (der Blinddarm). "Höllenfahrt" war für mich schon grenzwertig, sowas ertrage ich eigentlich nur mit einer gewissen Distanz.

Ich sehe/lese auch immer gerne, wie ihr anderen so etwas angeht.
Das kenne ich allerdings :) Naja, vielleicht ergibt sich ja irgendwann nochmal die ein oder andere h/c Szene ... Aber Dir ist schon klar, daß das bei mir dann meistens im Bett endet? ;)
Aber Dir ist schon klar, daß das bei mir dann meistens im Bett endet? ;)
Klar ist mir das klar. Aber besser im Bett endendes h/c, als gar keines. ^^
Wenn das Messer nicht wäre, würde ich ja denken, das wäre ein anderes Ende für "Höllenfahrt".

Mir gefällt dieser Zustand dazwischen, in dem Thiel sich befindet. Er ist außer Gefahr, erholt sich langsam, aber alle Erinnerungen sind noch nicht zurück. Gut, dass er sich bei und mit Boerne sicher fühlt. Das wird ihm sicherlich helfen, wenn die Erinnerungen doch mit Wucht zurückkommen.

"Er braucht nur ein bißchen Zeit." Boernes Stimme klang fast fremd, so leise. "Aber das wird alles wieder."

Das klingt fast so, als ob Boerne sich das auch selbst ein bisschen einreden müsste, aber ich gehe natürlich davon aus, dass er Recht hat. :)

Ich hätte geschworen, daß ich hier schon geantwortet habe *stirnrunzel* Irgendwie habe ich in der letzten zeit den Überblick verloren ... und ich dachte, im Urlaub hätte ich mehr Zeit ;)

"Höllenfahrt" paßt als Assoziation nicht schlecht, wobei Thiel da ja nur wenige Minuten, dafür allerdings in Todesgefahr, war. Beides Situationen, in die ich nie geraten möchte und die ich mir, ehrlich gesagt, auch lieber gar nicht so genau ausmale ...

Das klingt fast so, als ob Boerne sich das auch selbst ein bisschen einreden müsste, aber ich gehe natürlich davon aus, dass er Recht hat. :)
Klar hat er recht. Alles wird gut :)
Das muss sehr tröstlich für Thiel sein, wenn er in seinem halbwachen Zustand mitbekommt, dass da gleich zwei Personen sind, die sich um ihn kümmern und sorgen.

Ich finde es wirkt als Mini-Szene wirklich gut - ohne dass man genau erfährt, wie Thiel jetzt gefoltert worden ist. Das kann man sich dank reichlicher Fernseh-Krimi-Erfahrungen ja auch zusammenreimen. *g* (Obwohl ich natürlich schon neugierig bin, welche Geschichte dahinter steckt. *bg*)
Danke!

Freut mich, daß es in dieser Kürze wirkt. Die Details mag ich mir nämlich gar nicht vorstellen, aber Das kann man sich dank reichlicher Fernseh-Krimi-Erfahrungen ja auch zusammenreimen. in der Tat :(

Was die Vorgeschichte angeht, die könnte schon spannend sein, aber da müßte ich mir ja einen Krimiplot einfallen lassen *hust* Viel zu viel Arbeit ...



Edited at 2013-07-29 10:14 am (UTC)
*seufz* Armer Thiel und armer Boerne. Boerne leidet immer so herzzerreißend mit. *doppelseufz*
Ein kleiner Einblick, der wirklich h/c ist (und du weißt, wie sehr ich h/c mag). Wie wäre es mit einer Fortsetzung, wenn Thiel entlassen wird?
Boerne leidet immer so herzzerreißend mit. *doppelseufz*
Stimmt ;) Vielleicht hat er das von mir. Mir geht es genauso, sei es in der fiktionalen oder der realen Welt.

Fortsetzung
Ohje ... soviele Projekte, so wenig Zeit ... Ich traue mich kaum, "vielleicht" zu sagen. Hm ... vielleicht ;)