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BT_Wandern

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Büttenwarder

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Heldenreise - Teil 3

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(Sommer)Challenge: Tabelle Heldenreise: Verbündete und Vorbereitung
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~ 1.400 Wörter
Zeit: 120 Minuten (vielleicht auch drei Minuten mehr *hust*)

***


Nachdem er sich den ganzen Tag über den Kopf zermartert hatte, worüber Boerne sich wohl freuen könnte, mußte er einsehen, daß er so nicht weiterkam. Er war schon immer schlecht gewesen, was das anging. Und jemand in Boernes Alter, der hatte ja eigentlich schon alles, was man so brauchte. Er sah sich schon mit irgendeinem Notgeschenk - einer Flasche Wein, die vermutlich nicht Boernes Geschmack traf, oder einer Krawatte, bei deren Auswahl er wahrscheinlich noch mehr falsch machen konnte als beim Wein. Und das war fast noch schlimmer als gar kein Geschenk.

Boerne warf ihm von der Couch einen Blick zu und lächelte.

  "Hm?"

  "Du siehst sehr grimmig aus, wenn du liest und dich konzentrierst", erklärte Boerne.

  "Sehr schmeichelhaft."

  "Das ist niedlich", entgegnete Boerne, und bevor Thiel wegen der Wortwahl protestieren konnte, redete er schon weiter, "könnte aber sehr wohl auch ein Symptom einer beginnenden Altersweitsichtigkeit sein. Du solltest bei Gelegenheit -"

  "Boerne! Was habe ich zu dem Thema gesagt?!"

  "Sowas wie niedlich willst du aus meinem Mund nicht hören?"

  "Das auch." Thiel legte das Buch zur Seite, in dem er zu lesen vorgegeben hatte. "Aber vor allem sollst du damit aufhören, ständig irgendwelche Krankheitsbilder bei mir zu diagnostizieren."

  "Spielverderber", murrte Boerne und legte die Zeitung zur Seite. "Wollen wir kochen?"


***


Für eine Weile hatte Boerne ihn tatsächlich von der Geschenkfrage abgelenkt. Nicht daß er sich deswegen beschwerte, dachte Thiel, während er den gleichmäßigen Atemzügen des anderen lauschte. Aber jetzt war es an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Er brauchte Hilfe. Gleich morgen würde er sich auf die Suche machen. Vielleicht fing er am besten mit Frau Haller an.


***


  "Ein Geschenk für Boerne? Da sind Sie aber recht spät dran."

Thiel seufzte. Sein Versuch, das Gespräch ganz unauffällig auf Geburtstage, mögliche Geburtstagsgeschenke und Boerne zu lenken, ohne daß Frau Haller seine Notlage bemerkte, war wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Nunja, wenn er ehrlich war, war ihm schon gleich kein plausibler Grund eingefallen, warum er während seines Urlaubs in der Münsteraner Rechtsmedizin vorbeischaute. Allen Einfallsreichtum hatte er schon Boerne gegenüber aufgebraucht, der es noch viel merkwürdiger gefunden hätte, wenn er ihm erklärt hätte, daß er während ihres gemeinsamen Urlaubs alleine in die Rechtsmedizin wollte. Also hatte er erzählt, daß er seinem Vater im Garten helfen mußte. Obwohl das alles ja nur in Boernes Interesse war und der auch ganz angetan schien von der Idee, dann seinerseits alleine Golf spielen zu können, hatte es sich sehr merkwürdig und unangenehm angefühlt, Boerne anzulügen. Vor allem, weil er wußte, daß er nur deshalb nicht durchschaut wurde, weil Boerne ihm vertraute und gar nicht auf die Idee kam, er könne etwas anderes als die Wahrheit sagen. Aber er schüttelte dieses Gefühl schnell wieder ab - für so eine Sache mußten eben auch Opfer gebracht werden.

Die Rechtsmedizinerin ritt zum Glück nicht weiter auf dem Thema Zeitplanung herum, sondern schien inzwischen ernsthaft nachzudenken. "Also, ich bringe ihm an seinem Geburtstag meistens einen Kaffee mit - seine Lieblingssorte, von der Kaffeestand vorm Institut", ergänzte sie, als sie seinen ungläubigen Blick sah. "Wenn sein Geburtstag auf einen Arbeitstag fällt. Ansonsten ... nichts, muß ich zugeben. Er feiert ja auch nie."

  "Genau. Deshalb hab' ich ihm ja auch noch nie was geschenkt. Aber jetzt ..." er sah sie verzweifelt an, und Frau Haller nickte zustimmend. "Jetzt wäre das ein ziemlicher Fauxpas, da haben Sie wohl recht, Herr Thiel."

  "Musik vielleicht?"

  "Dazu müßten Sie wissen, was er schon hat und was er gerne noch hätte", gab Frau Haller zu Bedenken. "Und, mit Verlaub, ich glaube, die Auswahl würde Ihnen schwer fallen. Oder haben Sie sich in den letzten Monaten verstärkt mit klassischer Musik beschäftigt?"

  "Eher nicht", murmelte er niedergeschlagen.

  "Vielleicht was, was man zum Golfspielen so braucht?"

  "Und das wäre?"

  "Wieso sehen Sie mich an?" Frau Haller schüttelte den Kopf. "Ich weiß nur, daß es da um Golfschläger und kleine weiße Bälle geht."

  "Aber er erzählt doch regelmäßig ... haben Sie denn da nicht das ein oder andere aufgeschnappt?"

Frau Haller lächelte. "Haben Sie?"

Verdammt. Er fühlte sich richtig mies, weil er sich so wenig für Boernes Hobbys interessierte. Aber was sollte er sagen - Opern und Golf gingen eben nicht an ihn. Es war ja auch nicht so, als wäre Boerne jetzt zum St.-Pauli-Fan mutiert, bloß weil sie ... weil sie jetzt zusammen waren.

  "Fällt Ihnen sonst noch jemand ein, der vielleicht eine Idee haben könnte?"

Frau Haller schüttelte den Kopf. "Leider nicht. Die Herren vom Golfclub scheinen mir nicht die richtigen Ansprechpartner für so eine Frage. Früher hat er ja manchmal Zeit mit Professor Dreiden verbracht, aber in den letzten Jahren ist der Kontakt wohl etwas eingeschlafen. Und weiter wüßte ich von niemandem."

Thiel seufzte. Das war wohl wahr. In den letzten Jahren hatte Boerne den größten Teil seiner Freizeit mit ihm verbracht. Auch wenn sie verdammt lange gebraucht hatten um dahinter zu kommen, warum das so war.

  "Jetzt schauen Sie nicht so betrübt, Herr Kommissar." Frau Haller lächelte ihn an. "Ich bin mir sicher, er freut sich. Selbst wenn Sie ihm ein Paar Socken schenken."


***


Frau Haller hatte gut reden. Ja, Boerne würde sich vermutlich sogar wirklich freuen. Aber das war einfach nicht richtig ... er sollte ihm etwas Besonderes schenken. Etwas Großartiges. Etwas, was Boerne sich immer schon gewünscht und noch nie bekommen hatte.

In seiner Verzweiflung schaute er sogar bei Nadeshda vorbei, nachdem er ein unergiebiges Telefonat mit Boernes Schwester hinter sich gebracht hatte. Vielleicht nicht die beste seiner Ideen, da sie sich immer noch nicht persönlich begegnet waren und er nicht so recht gewußt hatte, wie er sich vorstellen sollte. Ich bin der, von dem Sie schon gehört haben, aber wir kennen uns noch nicht - das ging ja wohl gar nicht. Also hatte er sich auf seinen Namen beschränkt und auf ein Freund Ihres Bruders, was ihr Verhältnis nur sehr unzureichend beschrieb und nicht einmal früher gestimmt hätte, denn Freunde in dem Sinn waren sie eigentlich nie gewesen. Boernes Schwester hatte entsprechend irritiert gewirkt und schien die Situation ebenso unangenehm zu finden wie er. Mehr als wir schenken uns schon seit zwanzig Jahren nichts mehr hatte er auch nicht aus ihr herausbekommen; das und die Bestätigung, daß Boerne, soweit sie sich erinnern konnte, überhaupt nie Geburtstage gefeiert hatte.

Nadeshda schien ebenso überrascht wie Frau Haller, ihn während seines Urlaubs zu sehen.

  "Ich dachte, Sie sind beschäftigt", sagte sie und wurde prompt rot. Na wunderbar. Dachte sie etwa, Boerne und er verbrachten den gesamten Urlaub im Bett oder was? Er verscheuchte die leise Stimme, die ihn daran erinnerte, daß sie in der Tat überdurchschnittlich viel Zeit an eben diesem Ort verbracht hatten, und ging zur Offensive über.

  "Boerne hat Geburtstag."

  "Aha." Sie sah ihn fragend an. "Das hat wohl jeder, oder?"

  "Bald. Nächstes Wochenende", präzisierte er.

  "Ja?"

  "Ich brauche eine Geschenkidee."

  "Du lieber Himmel." Nadeshda sah ehrlich bestürzt aus. "Für Boerne? Was braucht er denn?"

  "Nichts. das ist es ja eben."

  "Hm ..." Sie sah ihn an. "Also ehrlich, Chef ... ich habe keine Ahnung. Müßten Sie das nicht am besten wissen?"

Thiel seufzte.

  "Einen Gutschein vielleicht?"

  "Einen Gutschein wofür?"

  "Keine Ahnung. Ein Opernbesuch?"

  "Wieso denken immer alle gleich an Opern?"

Nadeshda seufzte. "Hat er denn sonst noch Hobbys? So gut kenne ich ihn ja nun auch nicht. Zauberzubehör?"

  "Das hat er aufgegeben."

  "Hm ... Golfzubehör?"

  "Kennen Sie sich da aus?" fragte er hoffnungsvoll.

  "Nicht wirklich." Sie schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Idee, tut mir leid."

  "Was haben Sie denn Ihrem Martin -"

  "Das paßt nun wirklich nicht", unterbrach ihn Nadeshda hastig und wurde schon wieder rot. Verdammt. "Vielleicht hat Frau Klemm ja eine Idee."

  "Hm?"

  "Naja, die zwei kennen sich doch schon lange", ergänzte Nadeshda,  "länger als Silke und er."


***


  "Als Kind hat er Käfer gesammelt", tönte Frau Klemms sonore Stimme aus dem Telefonhörer. "Er war ein merkwürdiges Kind."

  "Da ist er aber inzwischen wohl drüber weg", entgegnete Thiel. "Zumindest habe ich noch keine Käfersammlung entdeckt." Wohl aber ein halbes Regalbrett mit Büchern über Insekten, was er bislang mit Boernes Beruf in Verbindung gebracht hatte.

  "Also wissen Sie, Thiel ... eigentlich interessiert mich Ihr Privatleben ja überhaupt nicht."

  "Sagen Sie doch gleich, daß Sie auch keine Idee haben", antwortete er ungerührt. Die ganze Geschenksuche hatte immerhin den positiven Nebeneffekt, daß es ihm inzwischen fast gar nicht mehr unangenehm war, über Boerne und ihn zu reden.

Frau Klemm brummte unwillig. "Ich finde sowieso, Erwachsene sollten sich nichts mehr schenken. Sie sehen ja, wohin das führt."

  "Aber -"

  "Jaja, ich weiß. Junge Liebe und so." Frau Klemm seufzte. "Aber ich habe wirklich keine Idee, und eigentlich muß ich auch arbeiten. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich nämlich keinen Urlaub."

Das war's dann wohl, dachte Thiel, nachdem er sich verabschiedet und aufgelegt hatte. In einigen Stunden kam Boerne vom Golfplatz zurück, und er war noch keinen Schritt weiter. Und jetzt mußte er auch noch bei Herbert vorbei, der sich seine Mitwirkung als Alibi teuer bezahlen ließ.

* tbc *

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Comments

Also ich hoffe, Boerne weiß irgendwie irgendwann wirklich zu schätzen, was Thiel da alles für ihn tut...
*snicker*
Dieser Anruf bei Hanne ist der Hammer. Das Gestammel hätte ich gerne gehört. ^^
Und dass du Thiel zu allem Überfluss wegen seiner geheimnisvollen Aktivitäten auch noch so ein schlechtes Gewissen machst, tut mir fast leid- =)
Dieser Anruf bei Hanne ist der Hammer. Das Gestammel hätte ich gerne gehört. ^^
Ich dachte, es wird langweilig, wenn ich das alles ausschreibe ... O.K., ich gestehe, das war mir zu schwierig ;)

Also ich hoffe, Boerne weiß irgendwie irgendwann wirklich zu schätzen, was Thiel da alles für ihn tut...
Das will ich doch sehr hoffen!
Und jemand in Boernes Alter, der hatte ja eigentlich schon alles, was man so brauchte.

Ach, Thiel, es geht doch wohl eher ums Wollen. :)

Etwas, was Boerne sich immer schon gewünscht und noch nie bekommen hatte.

Viel besser, Thiel! ;)

Begriffe wie niedlich oder Krankheitsdiagnosen - ich wüsste an Thiels Stelle nicht, was schlimmer ist. ;)

Frau Haller lächelte. "Haben Sie?"

Das ist zwar irgendwie traurig, aber oft genug ist es ja auch tatsächlich wahr. Auch im richtigen Leben.

"Ich dachte, Sie sind beschäftigt", sagte sie und wurde prompt rot. Na wunderbar. Dachte sie etwa, Boerne und er verbrachten den gesamten Urlaub im Bett oder was?

[...]

"Das paßt nun wirklich nicht", unterbrach ihn Nadeshda hastig und wurde schon wieder rot.


Nadeshda weiß schon, warum sie rot wird. Sie schließt von sich auf andere. :)

Vielleicht hat Herbert ja eine Idee?
Ach, Thiel, es geht doch wohl eher ums Wollen. :)
Stimmt. Aber leider kann sich jemand wie Boerne ja auch einfach kaufen, was er will. Also, wenn wir jetzt mal von materiellen Gütern reden. Und das macht die Geschenkesuche echt nicht einfach ...

Das ist zwar irgendwie traurig, aber oft genug ist es ja auch tatsächlich wahr. Auch im richtigen Leben.
Das läßt sich nicht vermeiden. Man kann nun mal nicht alle Interessen teilen, und das ist irgendwie auch O.K. so. Thiel muß nicht mit dem Golfspielen anfangen ;) Es reicht schon, wenn er weiß, daß Boerne Spaß dran hat. Finde ich.

Nadeshda weiß schon, warum sie rot wird. Sie schließt von sich auf andere. :)
*snicker*
So weit hatte ich noch gar nicht gedacht, aber ... ja ;)

Vielleicht hat Herbert ja eine Idee?
Hm ... schaun wir mal ;)


Das läßt sich nicht vermeiden. Man kann nun mal nicht alle Interessen teilen, und das ist irgendwie auch O.K. so.

Das stimmt. Ich bezog meine Bemerkung auch weniger auf ihre jetzige Beziehung, sondern darauf, dass sie sich ja schon seit Jahren kennen. Genau wie Boerne und Alberich.
Ah, ja, das ist auch ziemlich nachvollziehbar. Stimmt.

Boerne ist schon arm dran - über seinen Beruf will niemand mit ihm reden, seine Kollegen und Freunde interessieren sich nicht für seine Hobbys ... *huggles Boerne*