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Heldenreise - Teil 4

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(Sommer)Challenge: Tabelle Heldenreise: Handlungszwang - Einsatz und Risiko erhöhen sich
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~ 550 Wörter
Zeit: ~ 50 Minuten


***


  "Und, war's nett?"

  "Frag nicht", brummte Thiel. Wenigstens mußte er in diesem Fall nicht lügen - ihm tat jeder Knochen weh, weil Herbert ihn im Garten hatte schuften lassen. Unkrautjäten war so ziemlich das unangenehmste, was es da zu tun gab. Vor allem, wenn sein Vater mit einer Flasche Bier daneben im Schatten saß und fröhlich verkündete, daß er ihm ja leider nicht helfen konnte, wegen seiner Hüfte.

  "Ein bißchen Bewegung an der frischen Luft schadet dir mal gar nicht", sagte Boerne und lachte. Das hob seine Laune nun überhaupt nicht. Wieso gab er sich eigentlich soviel Mühe, ein Geschenk zu finden? Er brummte Schön, daß du Spaß beim Golfspielen hattest und wollte ins Bad, um den halben Garten abzuwaschen, als ihn Boerne stoppte.

  "Ist alles in Ordnung?" Das klang so besorgt, daß sein Ärger wieder verrauchte.

  "Ich bin stundenlang durch Herberts Garten gekrochen. Mir tut alles weh."

  "Mhm." Finger tasteten an seinen Schultern entlang hoch zum Nacken. "Fühlt sich ziemlich verspannt an. Was hast du denn gemacht?"

  "Unkraut gejätet."

  "Ah. Spannend." Zwei Daumen drückten sich genau an der richtigen Stelle in seine verspannten Nackenmuskeln. Das tat weh und gleichzeitig gut, wie auch immer Boerne das schaffte. "Ist er immer noch ungehalten, weil er als letztes von uns erfahren hat?"

  "Was?" Er hatte nicht richtig zugehört, weil all seine Konzentration von Boernes Händen gefangen genommen worden war.

  "Dein Vater. Ist er immer noch -"

  "Als wäre das meine Schuld, daß er wochenlang durch Indien trampt und nichts von sich hören läßt!"

Boerne stoppte. "Nein. Und reg' dich nicht auf, sonst verspannst du dich nur noch mehr. Heiß duschen wäre nicht verkehrt, dann wird der Muskelkater vielleicht nicht ganz so schlimm."

  "Was meinst du, was ich gerade tun wollte", brummte Thiel. An Herbert, den Streit, den sie gehabt hatten, als er von Boerne erfahren hatte, und vor allem die Sorgen, die er sich gemacht hatte, als Herbert sich von seinem Indientrip tage- und wochenlang nicht gemeldet hatte, wollte er jetzt am allerwenigsten denken. Aber dann legte Boerne die Arme um ihn und das Kinn auf seine Schulter, und der Gedanke an seinen Vater verschwand so schnell wie er gekommen war.

  "Weiß ich doch", murmelte Boerne. "Sehr vernünftig von dir."

...

  "Kommst du mit?"

  "Die Dusche sollte doch der Entspannung dienen."

  "Das ist doch entspannend."

  "Wenn's drauf ankommt, ist deine Logik wirklich unübertrefflich."


***


  "Ich hab' da übrigens was für dich", sagte Boerne völlig unvermittelt, während sie vor dem Fernseher saßen und er schon fast eingedöst war.

  "Was?" Thiel sah ungläubig auf das Päckchen, das vor seine Nase geschoben worden war. "Wieso?"

  "Nur so", sagte Boerne und lächelte.

  "Aber ..."

  "Dann eben zum fünfzigsten."

  "Fünfzigsten?"

  "Tag, den wir zusammen sind."

  "Oh." Er starrte auf das kleine Päckchen. "Ist das heute?"

  "Eigentlich ist heute der 49. Ich hatte keine Lust zu warten. Jetzt mach' schon auf!"


***


  "Ein Abus-Kettenschloß ..." Thiel starrte ungläubig auf das Geschenk in seiner Hand. "Woher wußtest du -"

  "Du hast den halben Abend seufzend vor deinem Katalog gesessen und ihn dann an der Stelle aufgeschlagen liegengelassen", unterbrach Boerne ihn amüsiert. "Außerdem habe ich keine Lust mehr, alle Jahre wieder das Gejammer zu hören, daß dir schon wieder dein Fahrrad geklaut worden ist."

Das Ding war ihm viel zu teuer vorgekommen - immerhin war sein Rad nicht mehr das jüngste und selbst nicht mehr viel wert. Aber granitharte, 10 mm starke Sechskantkette, massiver, gegen brutale Angriffe (Hammer, Bolzenschneider, Säge etc.) gesicherter Schloßkörper hatte sich sehr verführerisch angehört. Alleine die Vorstellung, wie der nächste dieser hinterhältigen Fahrraddiebe sich die Zähne an so einem Schloß ausbeißen würde ...

  "Danke", sagte er. Und im gleichen Moment fiel ihm ein, daß Boerne ihm damit mal eben so und nebenbei genau das geschenkt hatte, was er sich wünschte. Und er hatte nach wie vor keine Geschenkidee.

Verdammt.


* tbc *


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Comments

Super, dass das mit den täglichen Updates klappt! :)

Eigentlich komisch, wie unheimlich romantisch so eine alltägliche Szene sein kann. Ich bin ganz neidisch auf Thiel, dass er jemanden hat, der sich so um ihn kümmert. :)

Im Gegensatz dazu lässt sich darüber streiten, ob ein Fahrradschloss romantisch ist, aber Boerne hat ja offensichtlich genau richtig gelegen, womit bewiesen wäre, dass er so aufmerksam ist, dass er weiß, was Thiel sich wünscht.

Und immerhin ist das Schloss verführerisch. Wofür kann man das denn sonst noch so verwenden? ;)
Und immerhin ist das Schloss verführerisch. Wofür kann man das denn sonst noch so verwenden? ;)
Aus! Ruhig! Böse Vera!
Super, dass das mit den täglichen Updates klappt! :)
Dem Urlaub sei Dank. Die letzten drei muß ich noch schreiben, am besten heute noch, weil am Wochenende wieder Besuch kommt - dann kann das auch so weitergehen ;)

Eigentlich komisch, wie unheimlich romantisch so eine alltägliche Szene sein kann.
Das liest man doch gerne!
Vermutlich ist das so, weil man sich die Art von Alltag wünscht.

Im Gegensatz dazu lässt sich darüber streiten, ob ein Fahrradschloss romantisch ist,
*snicker*
Ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, eine Geschichte zu schreiben, bei der *ich* mir Geschenke ausdenken muß. Ich bin da absolut phantasielos. Aber in dem Moment soll es für Thiel das richtige gewesen sein. Mit Romantik kann er eh nicht so viel anfangen ;) Bei Boerne denkt er ja auch nur an ganz pragmatische Dinge ... es wundert mich erhlich gesagt, daß noch kein Schnellkochtopf aufgetaucht ist ;)

Wofür kann man das denn sonst noch so verwenden? ;)
tsetse ... an sowas habe ich ja nun gar nicht gedacht! ;) Außerdem hat Thiel doch Handschellen ...
Mit Romantik kann er eh nicht so viel anfangen ;)

In "Das ewig Böse" würde Boerne Dir zustimmen, in "Höllenfahrt" würde er Dir widersprechen. ;)
immerhin war sein Rad nicht mehr das jüngste und selbst nicht mehr viel wert.
An sich waren Thiels Fahrräder doch immer gut bis exquisit. Hat er das inzwischen aufgegeben? ^^

Süß von Boerne. Also, nicht nur das Geschenk, irgendwie finde ich den ganzen Mann gerade süß.

Und Thiel ist ja echt tapfer, geht wirklich Unkraut jäten, alles für ein Alibi und ein Geschenk... also, wenn das keine Liebe ist, dann weiß ich es auch nicht. xD
irgendwie finde ich den ganzen Mann gerade süß
Jupp. Jo hat Thiel im ersten Teil "euphorisch" genannt, und das ist Boerne natürlich nicht weniger. Will sagen, wenn die zwei nicht mehr so frisch verliebt sind, ändert sich das sicher - aber es macht gerade Spaß, sie so zu schreiben ;)

Und Thiel ist ja echt tapfer
Wer ein Held sein will, muß auch was dafür tun :)

An sich waren Thiels Fahrräder doch immer gut bis exquisit. Hat er das inzwischen aufgegeben? ^^
Da hast du mich erwischt ... darüber habe ich beim Schreiben auch kurz nachgedacht, daß das nicht so ganz stimmt. Künstlerische Freiheit ;)
Wobei ich auch nicht weiß, in welcher Preisklasse sich Thiels Räder bewegen. Das Schloß kostet runtergesetzt ca. 100 €, und man sagt ja, daß das Schloß nur 10 % des Rads kosten soll. Das wären dann ca. 1.000 € in der Anschaffung, eigentich mehr, wegen der Abschreibung ... also ich kann dann doch vestehen, warum Thiel gezögert hat, das Schloß selbst zu kaufen ;)

Edited at 2013-08-09 07:12 am (UTC)
Wobei ich auch nicht weiß, in welcher Preisklasse sich Thiels Räder bewegen
Das weiße, "neue" Rad habe ich mal ganz zufällig gefunden, als ich nach meinem neuen Cross-Rad gesucht habe. Es gibt zwei verschiedene Ausführungen, die zwischen knapp 1000 bis ca. 15oo Euro schwanken. Von daher passt das mit dem Schloss sehr gut, einzig das immerhin war sein Rad nicht mehr das jüngste und selbst nicht mehr viel wert nicht.