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Heldenreise - Teil 8

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(Sommer)Challenge: Tabelle Heldenreise: Sieg in letzter Sekunde
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~ 1.500 Wörter
Zeit: ~  120 Minuten (+ x)


***


Es war eine echte Herausforderung gewesen, innerhalb eines Tages alles zu organisieren, ohne daß Boerne etwas davon mitbekam. Angefangen mit der Frage, wen er einladen sollte. Viele standen nicht auf seiner Liste, aber schließlich kam es bei so einer Feier nicht auf die Menge, sondern auf die Qualität an.

Na klar ist sein Geburtstag an diesem Sonntag, hatte Frau Haller gesagt, sich dann aber zum Glück jeden weiteren Kommentars enthalten und stattdessen einfach zugesagt, als er von der Feier erzählt hatte. Nadeshda war etwas verdutzt gewesen, hatte aber Zeit und wollte auch gerne kommen. Samt ihrem Martin. Wird auch langsam Zeit, daß sich mal alle kennenlernen. Frau Haller und Nadeshda hatten sich außerdem bereit erklärt, Essen von Krusensterns zu holen und in Boernes Wohnung alles vorzubereiten, während er dafür sorgen würde, daß Boerne sich am Nachmittag nicht mehr zuhause blicken ließ.

Am meisten hatte ihn die Reaktion von Frau Klemm überrascht, die erst gar nichts gesagt hatte, so lange, daß er schon nachfragen wollte, ob sie noch in der Leitung war.

  "Frau Klemm?"

  "Ich bringe eine Torte mit."

  "Eine ... Torte?"

  "Gibt eh immer zu wenig Gelegenheiten um zu backen", hatte sie gesagt, als sei das das normalste auf der Welt. "Um sieben geht's los?"

Boernes Cousine kam nicht in Frage, aber mit einiger Überwindung hatte er noch einmal bei seiner Schwester angerufen. Er war sich nicht ganz sicher, ob Boerne sich freuen würde, aber andererseits - auf jeden Fall mochte er seine Nichte, und Familie gehörte nunmal dazu zu einer richtigen Geburtstagsfeier. Wenn man noch welche hatte. Außerdem war es wirklich an der Zeit, daß sich alle einmal kennenlernten. "Eine Überraschungsfeier?" hatte Boernes Schwester gefragt, und er hatte das Glauben Sie wirklich, daß das so eine gute Idee ist? so deutlich gehört, als hätte sie es laut gesagt. Er war sich nicht sicher, aber er hatte trotzdem Ja geantwortet. Wie sich herausstellte, war Boernes Schwager an dem Wochenende auf Dienstreise, Betty und ihre Mutter konnten aber kommen. Das Gespräch war bei weitem nicht so unangenehm gewesen wie das erste, und am Ende hatte sich Boernes Schwester mit Wir schenken uns ja nichts, aber ich kann Wein mitbringen, für die Feier verabschiedet. Wieder eine Sorge weniger. Wenn es der falsche Wein war, war das dann wenigstens nicht seine Schuld.

Schließlich und endlich, weil er schon einmal dabei war, und weil das ja nun auch irgendwie Familie war, hatte er Herbert angerufen. Immerhin feierte sein Vater gerne, und er *hatte* gesagt, daß er Boerne mochte. Also, er hatte gesagt, daß er Boerne nicht nicht mochte. Und Zeit hatte sein Vater sowieso immer, wenn er sich nicht gerade in Indien herumtrieb. Trotzdem hatte er sich ziemlich geziert, so lange, bis Thiel beinahe Dann bleib halt zuhause gesagt hätte. Hatte er aber nicht, weil es ihm plötzlich sehr wichtig gewesen war, daß sein Vater auch dabei war. Obwohl er gar nicht so genau wußte, warum eigentlich. Und dann hatte Herbert doch grummelnd zugesagt und erklärt, er werde einen Kasten Bier mitbringen. Als Geburtstagsgeschenk. Sonst muß ich am Ende den ganzen Abend Wein trinken.

Ganz kurz hatte er überlegt, ob er Boernes Notizbuch durchgehen sollte auf der Suche nach weiteren möglichen Gästen, aber dann hatte er die Idee schnell wieder verworfen. Die jetzigen Gäste kannte er wenigstens größtenteils und wußte, daß ihnen etwas an Boerne lag. Blieb nur noch das Problem, wie er das Geburtstagskind am Nachmittag zuverlässig von seiner Wohnung fernhalten sollte. Darüber grübelte er jetzt schon eine ganze Weile, während Boerne noch selig schlummerte. Er schielte zum Wecker. Fast sieben. Eigentlich könnte er schon mal aufstehen, sich rausschleichen und ein Geburtstagsfrühstück vorbereiten. Vielleicht fiel ihm ja unterwegs was ein für den Nachmittag.


***


Der Spaziergang zum Bäcker hatte sich gelohnt, ihm war tatsächlich etwas eingefallen. In Sendenhorst hatte vor kurzem die größte Minigolfanlage im Münsterland eröffnet, mit allen Schikanen, zumindest wenn man Meier II Glauben schenkte. Zum Golfspielen würde ihn Boerne sicher niemals bringen, aber an Minigolf hatte er früher ziemlich viel Spaß gehabt. Und falls das unter Boernes Würde war - man wußte ja nie - dann würde er einfach einen Ausflug bei dem schönen Wetter vorschlagen. Vielleicht ein Picknick. Zu einer Tour in seinem Cabrio sagte Boerne garantiert nie Nein.

Auf dem Rückweg fiel sein Blick auf die Auslage eines Blumenladens und blieb an einem Strauß mit Gartenblumen hängen. Das erinnerte ihn an früher, da hatte er für seine Mutter meistens einen Strauß in ihrem Schrebergarten gepflückt. Und manchmal auch in den Schrebergärten der Nachbarn ... Thiel mußte lächeln bei der Erinnerung. Seine Mutter hatte nie etwas gesagt, obwohl sie natürlich gewußt hatte, welche Blumen aus ihrem Garten stammten und welche ganz offensichtlich nicht. Jedenfalls war das genau das richtige für ein Geburtstagsfrühstück.

Wieder zurück in der Wohnung hörte er Boerne im Bad, was ihm die nötige Zeit verschaffte, den Tisch zu decken und das Frühstück vorzubereiten. Eine Vase fand er auf die Schnelle nicht, da mußte ein großes Glas reichen, aber das war verzeihbar, fand er. So gut kannte er sich hier immer noch nicht aus, und Boernes Ordnungssystem war, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig.

Er hatte gerade die letzten Handgriffe getan, als Boerne in die Küche kam und verdutzt stehen blieb.

  "Geburtstagsfrühstück", erklärte Thiel fröhlich. "Herzlichen Glückwunsch!"


***


Wie sich herausstellte, *war* Minigolf unter Boernes Würde. Eigentlich schade. Vielleicht würde er ihn ein andermal überreden, aber an seinem Geburtstag sollte er gefälligst das tun, was ihm Spaß machte. Zum Glück schlug die Ausflugsidee an, und um halb zwei konnte er Nadeshda endlich reine Luft in Boernes Wohnung melden. Den Tisch, den Boerne reserviert hatte, hatte er schon morgens abgesagt. Jetzt gab es endgültig kein Zurück mehr.


***


Um fünf mußte er Boerne mit einigem Einsatz davon abbringen, schon zu früh wieder nach Hause zurück zu kehren. Zum Glück rasteten sie gerade an einem schattigen, einsamen Plätzchen, so daß er alle Register der Überzeugungskunst ziehen konnte.


***


Kurz nach sieben waren sie zurück auf dem Heimweg, um, wie Boerne dachte, sich fürs Abendessen umzuziehen. Er hatte noch nicht wirklich überlegt, wie es weitergehen sollte, hatte aber in letzter Minute das deutliche Gefühl, daß es vielleicht nicht ratsam wäre, Boerne völlig ahnungslos in die Wohnung laufen und von den Gästen überraschen zu lassen. Fünf Minuten Zeit, sich auf die veränderte Situation einzustellen, wären sicher nicht verkehrt, dachte Thiel und holte tief Luft, nachdem Boerne die Haustür aufgeschlossen hatte.

  "Ich hab' da übrigens noch ein Geschenk für dich."

  "Hm?" sagte Boerne und sah ihn überrascht an, während er die Treppe nach oben ging. "Was -"

  "Planänderung. Wir feiern hier."

  "Hier?" Boernes Gesicht war ein einziges großes Fragezeichen.

  "Im kleinen Kreis." Er nickte zur Tür. "Mach auf."


***


Im großen und ganzen war alles gut gegangen. Boerne war zwar trotz seiner knappen Vorwarnung noch ziemlich fassungslos gewesen, als er mit einem mehrstimmigen und asynchronen "Überraschung!" begrüßt worden war. Aber danach entwickelte das ganze ziemlich schnell eine Eigendynamik, die er selbst so auch nicht vorhergesehen hatte. Boerne fehlten die Worte angesichts der gigantischen Torte, die Frau Klemm mitgebracht hatte. Boernes Schwester fachsimpelte mit Frau Haller, während Betty sich ein bißchen zu angeregt mit Martin unterhielt. Sein Vater überraschte Boerne mit einer Umarmung - ganz offensichtlich war er bereits nicht mehr nüchtern, dachte Thiel, aber egal, Boerne sah nicht wirklich unglücklich aus - und einem dreiviertelvollen Kasten Bier. Er fand unter Boernes Plattensammlung etwas, was in seinen Ohren halbwegs als Musik durchging. Frau Klemm tanzte, und Nadeshda bewies seinem Vater, daß sie eine Bierflasche auf mehr Arten öffnen konnte als er. Boerne schnitt mit chirurgischer Präzision die Torte an und sah großzügig darüber hinweg, daß Frau Haller Wotan mitgebracht hatte und der nun das halbe Sofa belegte. Boernes Schwester erzählte nach einigen Gläsern Wein Geschichten aus Boernes Kindheit, Betty versteckte sich peinlich berührt hinter ihrem Handy, Frau Haller tanzte mit Boerne und er verwickelte seinen Vater in ein Gespräch, weil der Anstalten machte, Frau Klemm aufzufordern.

Boerne fragte: "Willst du ein Stück Geburtstagskuchen?"

Boerne küßte ihn, ein Glas Wein in der einen und einen Teller mit Torte in der anderen Hand.


***


  "Boerne?" Der andere stand in der Küche und starrte auf das Chaos, das die Gäste hinterlassen hatten. "Ich räum' morgen früh vor der Arbeit auf."

  "Mhm ..."

  "Alles O.K.?"

  "Danke", sagte Boerne. "Für das Geschenk."

Einen Augenblick war er etwas verwirrt, bis er sah, daß Bornes Blick eigentlich an dem Blumenstrauß hing, der seit dem Frühstück mitten auf dem Tisch stand. "Die Blumen?"

  "Mir hat noch nie jemand Blumen geschenkt", murmelte Boerne. "Eigentlich komisch. Ich mag Blumen."

Für einen Moment verschlug es ihm glattweg die Sprache. Blumen. Wieso war er nicht gleich auf Blumen gekommen?

Andererseits - dann hätte Boerne nie seine Geburtstagsfeier bekommen. Und die Feier hatte Spaß gemacht. Ihm auf jeden Fall. Und den Gästen auch. Und er vermutete sehr auch Boerne, selbst wenn der sich zu diesem Thema nach wie vor bedeckt hielt.

  "Eigentlich war mein Geschenk ja die Feier", erinnerte er den anderen. "War gar nicht so einfach, das alles zu organisieren."

  "Tatsächlich ..." In Boernes Stimme lag der Hauch eines Lächelns. "Wenn ich das richtig sehe, haben Alberich und Frau Krusenstern für Essen und Dekoration gesorgt, meine Schwester für den Wein, dein Vater fürs Bier und Frau Klemm für die Torte, während du dich an einem sonnigen Sonntagnachmittag durchs Münsterland hast chauffieren lassen."

  "Also bitte! Ich hatte die Idee!"

  "Und du räumst auf", sagte Boerne und lächelte jetzt wirklich.


* Fin *


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Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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